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Auto & Verkehr Volvos V40 - mehr Leistung braucht kein Mensch
Mehr Auto & Verkehr Volvos V40 - mehr Leistung braucht kein Mensch
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12:20 05.11.2012
Dynamisches Design: Der neue Volvo V40. Quelle: Hersteller
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Hannover

Wer als Kleiner im Konzert der Großen mitspielen will, hat es erfahrungsgemäß schwer. Volvo kann ein Lied davon singen. Die schwedische Traditionsmarke ist in den vergangenen Jahren durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen, stand immer wieder vor einer ungewissen Zukunft. Erst nachdem Ford die Marke an den chinesischen Automobilhersteller Geely („Glück verheißende Automobile“) verkauft hat, ist Ruhe eingekehrt.

Dass man inzwischen wieder eine feste Position unter den Premiumherstellern gefunden hat, liegt vor allem an zwei Gründen: Zum einen lassen die Chinesen den Schweden weitestgehend freie Hand, zum anderen fährt Volvo eine kluge Modellpolitik. Anstatt in jeder Nische mitzumischen, konzentriert man sich erfolgreich auf eine Handvoll Modelle. Jüngstes Beispiel ist der dynamisch gezeichnete V40, der im Juli auf den Markt gekommen ist und gleich drei Fahrzeuge (V50, S40 und C30) ersetzt. Wir haben den Wagen, der zwischen Kompakt- und Mittelklasse angesiedelt ist, mit dem kleinen Basisdiesel D2 einmal näher unter die Lupe genommen.

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Kaum auf dem Markt, konnte der V40 bereits mit einem Superlativ aufwarten: Beim Euro-NCAP-Crashtest erhielt der V40 nicht nur die begehrten fünf Sterne für vorbildliche Sicherheit, nein, er erzielte das beste Ergebnis, das jemals von dieser Organisation vergeben wurde. Maßgeblich daran beteiligt war ein Ausstattungsfeature, das vermutlich bald auch bei anderen Herstellern auftauchen wird - der Fußgänger-Airbag. Im Fall einer Kollision mit einem Fußgänger bläst sich der Luftsack blitzschnell u-förmig über der Windschutzscheibe auf und schützt so den Körper vor einem harten, häufig lebensgefährlichen Aufprall. Doch damit nicht genug. Auch der Schutz erwachsener Insassen liegt bei 98 Prozent. Damit ist der V40 weltweit das sicherste Auto in seinem Segment. Dass wir das in der Praxis nicht testen wollten, liegt auf der Hand.

Vielmehr hat uns interessiert, wie sich der kleine Diesel im V40 schlägt: Die Leistung von 84 kW/115 PS reicht nicht für sportliche Spitzenleistungen, das war uns von Anfang an klar. Und eine Beschleunigung im Standardsprint von 0 auf 100 km/h in 12,3 Sekunden gehört heute in den Bereich gemütlicher Limousinen.

Doch wie so häufig im Autofahrerleben erzählt das Datenblatt nur einen Teil der wahren Geschichte. Denn schon nach den ersten gefahrenen Kilometern war schnell klar: Der kleine Motor ist ein wackerer Bursche. Das maximale Drehmoment von 270 Newtonmetern liegt bereits ab 1750 Umdrehungen an, also genau dort, wo man es häufig braucht - beim Beschleunigen.

Zwar will der Motor geschaltet werden, um den Wagen auf Geschwindigkeit zu bringen, was mit dem schön abgestuften Sechs-Gang-Getriebe überhaupt kein Problem ist, doch dann kann der kleine Diesel im Alltag richtig Spaß machen. Zügige Überholvorgänge auf der Landstraße (wo es laut Statistik zu den meisten schweren Unfällen kommt)? Kein Problem. Schnelle Überlandfahrten auf der Autobahn? Ein Klacks. Die Maschine beschleunigt bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h, die sich auch über längere Zeit relativ stressfrei fahren lassen. Der kleine Diesel deckt also genau jenes Leistungsspektrum ab, das im täglichen Verkehr benötigt wird. Mehr Leistung braucht kein Mensch.

Der Innenraum des V40 ist typisch Volvo, da haben die Schweden nicht groß herum- experimentiert. Wozu auch? Das klare Layout von Instrumenten und Armaturen hat viele Freunde gefunden, auch weil es übersichtlich und damit leicht zu bedienen ist. In einem Punkt ist Volvo dann aber doch neue Wege gegangen und hat die Möglichkeiten des Digitalzeitalters ausgeschöpft: Der Fahrer kann zwischen drei unterschiedlichen Instrumentenbeleuchtungen und -darstellungen wechseln - je nachdem, welche Fahrweise er bevorzugt, hat er die Wahl, vom Komfort- auf den Eco- oder Sportmodus zu wechseln, und bekommt dann die für ihn relevanten Daten auf die Instrumente eingespielt. Das macht nicht nur Spaß, sondern hat im Fahrbetrieb auch einen erheblichen Informationswert. Beispielsweise was den Spritbedarf angeht: Den Durchschnittsverbrauch von 3,6 Litern haben wir nicht erreicht, allerdings kamen wir auch nie über 5,9 Liter.

Wo Licht ist, gibt es bekanntlich auch Schatten: Schon der Einstiegspreis von 24980 Euro ist kein Sonderangebot. Mit ihm liegt der V40 beispielsweise über der A-Klasse von Mercedes-Benz. Unser Testwagen hatte die hochwertige Momentum-Ausstattung (28080 Euro), war mit diversen Fahrerassistenzsystemen und anderen Annehmlichkeiten vom Panoramadach bis zu abschließbaren Radmuttern ausgestattet. Gesamtpreis: 46879 Euro. Das ist happig. Denn auch andere Firmen haben schöne Modelle. Trotzdem hat uns der V40 so überzeugt, dass wir den Wagen nur schweren Herzens wieder hergegeben haben.

Gerd Piper