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Auto & Verkehr VW Amarok und Ford Ranger im Vergleich
Mehr Auto & Verkehr VW Amarok und Ford Ranger im Vergleich
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00:00 23.02.2013
Pick-ups kommen auch dort voran, wo andere Autos schon lange aufgeben.
Pick-ups kommen auch dort voran, wo andere Autos schon lange aufgeben. Quelle: Hersteller
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Hannover

Sie glänzen dort, wo es schmutzig ist: Pick-ups sind die universellen Nutzfahrzeuge dieser Welt. Ein äußerst erfolgreiches Fahrzeugkonzept, das sich vom Arbeitspferd bis zum Statussymbol millionenfach verkauft. Nur hierzulande fristen sie ein Nischendasein. Der automobile Brückenschlag zwischen Personen- und Lastkraftwagen ist nichts für den Auftritt im feinen Zwirn. Dafür garantiert er noch dort ein Fortkommen, wo andere längst aufgeben. Seit Volkswagen 2010 den Amarok auf den Markt gebracht hat, ist ein wenig Bewegung in das Segment gekommen. Doch ist der Amarok wirklich das Maß aller Dinge? Wir haben ihn mit dem Ford Ranger, einem Klassiker der Szene, verglichen - beide in der fünfsitzigen DoubleCab-Version.

Acht Millionen Testkilometer musste der Amarok abspulen, bevor er grünes Licht für die Produktion bekam. Das Ziel war klar: Er sollte der Beste in seiner Klasse sein - konzipiert für den harten Arbeitseinsatz. Ein solches Auto lässt sich in Deutschland ohne den entsprechenden Lifestyle-Touch aber nur schwer verkaufen. Also müssen diverse Chromapplikationen ran - von den Schwellerrohren (mit integrierten Trittstufen) bis zur Stylingbar, dazu 18-Zoll-Leichtmetallräder, Acht-Gang-Automatikgetriebe und der große 132 kW/179 PS starke Diesel. Im Innern gibt es (vorn beheizbare) Ledersitze und -lenkrad, eine Klimaautomatik und ein Infotainmentsystem mit Navi und Mobilfonvorbereitung. So lässt es sich doch recht komfortabel der Freiheit und dem Abenteuer entgegenfahren.

Vieles in dem Wagen kommt einem bekannt vor. Kein Wunder, es stammt aus dem VW-Regal und findet auch in den Pkw-Modellen der Wolfsburger Verwendung. Doch in einem unterscheidet sich der in Hannover produzierte Amarok fundamental von den meisten Pkw-Modellen: Das viele Hartplastik, das einen in der Kabine umgibt, ist ein deutliches Indiz seiner Herkunft als Nutzfahrzeug. Genauso wie die starre Hinterachse samt Blattfedern.Trotzdem ist es erstaunlich, wie einfach sich das Fahrzeug handhaben lässt.

Es hält sauber die Spur und geht ebenso sauber um die Kurven. Die hohe Sitzposition sorgt für einen einwandfreien Überblick auf der Straße und im Gelände. Fahrdynamisch sind dem Amarok konstruktionsbedingt natürlich Grenzen gesetzt. Und auch eine Fahrt ins Parkhaus sollte man sich mit dem immerhin 5,20 Meter langen Gefährt besser zweimal überlegen. Da kann es eng werden, trotz der optional erhältlichen Rückfahrtkamera.

Dafür punktet der Wagen auf dem Land: Morgens zum Einkaufen, mittags zum Holzholen in den Wald - das ist seine Welt. Der Normverbrauch ist für das mindestens 2115 Kilogramm schwere Fahrzeug mit 8,2 Litern Diesel moderat. Der Preis beginnt in der Trendline-Ausstattung mit der beschriebenen Motor-Getriebe-Kombination bei 38425 Euro und lässt sich problemlos über die Ausstattungsliste in die Höhe treiben.

Der Ford Ranger ist ein echtes Weltauto, das in 180 Märkten angeboten wird.Ford kommt dabei zugute, dass der Hersteller eine jahrzehntelange Erfahrung auf dem Gebiet der Pick-ups hat, die bei der Konzeption der neuesten Fahrzeuggeneration 2012 mit eingeflossen ist. Das Ergebnis ist ein Pick-up mit nicht nur überzeugenden Leistungswerten als Nutzfahrzeug, sondern auch mit einer äußerst hohen Alltagstauglichkeit als Personen-wagen.

Unser Testfahrzeug verfügte über die Limited-Ausstattung und war mit dem 2,2-Liter-110-kW/150-PS-Diesel in Kombination mit dem Sechs-Gang-Handschaltgetriebe ausgerüstet. Ein kleiner Vorteil gegenüber dem Amarok bestand vielleicht darin, dass wir das Fahrzeug im Winter bei Schnee und Eis fahren konnten - die Vorstellung, die der Ranger hier ablieferte, war mehr als überzeugend: Während andere Autos mit dem Neuschnee schwer zu kämpfen hatten, machte sich der Ranger spielend leicht einfach seine eigene Spur. Mit dem zugeschalteten Allradantrieb schien ihm der Winter einfach nichts auszumachen, was natürlich ein Trugschluss ist. Trotzdem: So sicher wie in diesem Fahrzeug haben wir uns bei entsprechenden Wetterverhältnissen noch nie gefühlt.

Während der Fahrt kann der Allradantrieb per Drehknopf auf reinen Hinterradantrieb umgeschaltet werden, was speziell bei längeren Fahrten über Land oder Autobahn Verbrauchsvorteile bringt. Dass der Ranger trotz des eher rustikalen Fahrwerks (wie der Amarok mit starrer Hinterachse und Blattfedern) tadellos geradeaus läuft und sich auch sonst keine großen Schnitzer leistet, ist ein weiteres Plus dieses Fahrzeugs. Dazu kommt, dass er innen geradezu wohnlich ist und hier viel Pkw-Atmosphäre verströmt. Sein flottes dynamisches Design ist ebenfalls ein Pluspunkt. Wenn wir zwischen beiden Fahrzeugen wählen müssten, hätte der Ford bei uns knapp die Nase vorn - aber es bleibt eine Geschmacksfrage.

Gerd Piper