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Auto & Verkehr „Unsere Autos verströmen Emotionen“
Mehr Auto & Verkehr „Unsere Autos verströmen Emotionen“
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00:05 05.03.2011
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AMG-Geschäftsfgührer Ola Källenius. Foto: Daimler
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Sie haben AMG in einer Zeit übernommen, in der alle Welt von Downsizing und niedrigen CO2-Werten spricht. Bleibt da eine Marke, die hauptsächlich auf Performance setzt, über kurz oder lang nicht auf der Strecke?
Performance ist unser Markenkern. Die Themen CO2-Reduzierung, Kraftstoff-Effizienz oder alternative Antriebe sind aber Dinge, die uns schon lange sehr intensiv beschäftigen. Ein gutes Beispiel hierfür ist unser neuer Antriebstrang mit 5,5-Liter-Benzindirekteinspritzer und MCT-Getriebe mit Controlled-Efficiency-Technologie samt Stopp/Start-Automatik. Vier Liter pro 100 Kilometer oder 25 Prozent weniger Verbrauch, das ist ein Wort. Oder denken Sie nur an unseren SLS AMG E-CELL, der Faszination und Verantwortung idealtypisch bündelt.

Verbrauchsreduzierung und Sportlichkeit schließen sich bis zu einem gewissen Grad aus. Wo liegt bei AMG der Schwerpunkt?
Schauen Sie unseren neuen 5,5-Liter-V8-Biturbo an: Trotz seiner 544 PS und 800 Newtonmeter Drehmoment kann man den Wagen mit 10,5 Liter/100 km fahren, in Relation sind wir damit nicht nur deutlich effizienter als viele Spritsparkonzepte, sondern wir haben trotz eines großen Leistungssprungs einen mindest ebenso signifikanten Schritt in Richtung einer handfesten Verbrauchsreduktion getan. Unsere Philosophie ist also ganz klar: Das eine tun, ohne das andere zu lassen.

Porsche betont immer wieder, wie wichtig ihnen der Begriff soziale Akzeptanz ist. Was halten Sie davon?
Einerseits erfreuen sich gerade sportliche Automobile nach wie vor einer hohen Akzeptanz, einfach durch ihre Faszination. Das haben wir auch wieder beim SLS AMG gemerkt, der fast ausschließlich sehr positiv aufgenommen wurde. Andererseits gehört die stetige Arbeit an den Themen, die auch das Umfeld unserer Autos betrifft, zu unserer Pflicht. AMG-Kunden kaufen unsere Autos wegen ihres souveränen Auftritts und wegen der Emotion, die sie verströmen. Sie verlassen sich ganz selbstverständlich darauf, dass wir aber auch Autos bauen, mit denen man sich auch in Zukunft noch sehen lassen kann. Das nehmen wir sehr ernst. Wir haben also zwei Aufgaben: Performance – das ist der Grund, weshalb es AMG überhaupt gibt, also unser Markenkern – und Verantwortung.

Wie hoch sind die verkauften Stückzahlen, und wo liegen die Hauptmärkte für AMG?
Im Jahresschnitt verkaufen wir rund 20 000 Fahrzeuge, die wichtigsten Märkte sind dabei Europa, USA, Japan, der Mittlere Osten und Australien. Besonders dynamisch ist die Entwicklung auf dem chinesischen Markt, aber auch an Südafrika, Kanada oder Südamerika haben wir viel Freude.

Zurzeit hat AMG nur Acht- und Zwölfzylinder-Maschinen im Angebot. Wird es in absehbarer Zeit kleinere Motoren geben, eventuell Diesel- oder Hybridantriebe?
Wir haben alle genannten Varianten untersucht und uns bis heute nur gegen die Dieseloption entschieden. Hybrid ist für bestimmte Fahrzeugkonzepte möglicherweise eine Alternative, wobei uns die kompromisslos-vollelektrische Variante in Form des SLS AMG E-CELL ebenfalls sehr gut gefällt. Und auch kleinere Motoren möchte ich zu diesem Zeitpunkt nicht ausschließen, wobei das dann auch hauptsächlich eine Portfolio-Erweiterung um kleinere Fahrzeuge betreffen wird. Da müssen Sie für Details aber noch etwas Geduld haben.

Mit dem SLS AMG hat die Marke erstmals ein eigenes Fahrzeug von Anfang bis Ende entwickelt. Sind weitere Eigenentwicklungen in der Planung, und wenn ja, in welche Richtung werden diese gehen?
Wir haben die Flügeltürer-Geschichte ja noch nicht zu Ende geschrieben. Jetzt konzentrieren wir uns auf den GT3, den E-CELL – und auch weitere Ideen rund um den SLS AMG nehmen uns derzeit noch sehr in Beschlag. Was danach kommt, kann ich im Moment nicht sagen, aber natürlich läuft im Hintergrund bereits die Strategiearbeit.

Mit Ausnahme des SLS AMG kam der „Rohstoff“ für Ihre Produkte bislang immer aus Stuttgart. Kann AMG als Unternehmen überhaupt selbstständig agieren?
Die Mercedes-AMG GmbH ist auch als hundertprozentige Tochter der Daimler AG ein selbstständig agierendes Unternehmen. In der Entwicklung unserer Produkte vereinen wir das Beste der Performance-Welt von AMG und das Beste der Marke Mercedes-Benz – etwa Sicherheit und Qualität. Der SLS AMG ist da ein gutes Beispiel: Ihm liegt kein Mercedes-Benz-Modell zugrunde, er ist sehr selbstständig von AMG konzipiert und entwickelt worden – und trotzdem hat er auch die typischen Mercedes-Gene.

Sie haben einmal gesagt: „Wir bauen die Autos, die gefragt werden.“ Wie sieht der typische AMG-Kunde aus?
Das kann man nicht so pauschal beantworten. Ein C-63-Fan wird anders sein als der Kunde eines S 65 AMG oder der Fahrer eines G 55 AMG. Und ein US-Kunde ist anders als ein chinesischer oder deutscher AMG-Kunde. Alle haben allerdings genau eine Gemeinsamkeit: Sie lieben den souveränen, kraftvollen und dynamischen Charakter unserer Fahrzeuge. Man fährt einen AMG, und versteht sofort um was es geht.

Fahrzeuge von AMG sind erheblich teurer als die Modelle aus der Großserie. Worin besteht die Exklusivität der Marke?
Ein AMG unterscheidet sich substanziell von entsprechenden Mercedes-Modellen. Wir haben neben den AMG-Motoren heute ja völlig neu konstruierte Chassis und teilweise abgeänderte Rohbauten, andere Fahrwerke, exklusiv nur bei AMG zum Einsatz kommende Getriebe, ein tief greifend umgestaltetes Interieur, ausschließlich den AMG-Modellen vorbehaltenes Exterieur und so weiter. Die Exklusivität eines AMG ist spontan erlebbar.

Interview: Gerd Piper

26.02.2011
11.02.2011