Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Auto & Verkehr Training macht fit fürs Fahren
Mehr Auto & Verkehr Training macht fit fürs Fahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:56 21.03.2015
Gleich geht’s los: Ein Kursleiter bespricht mit den Teilnehmern detailliert, was getestet werden soll und wie sich die Fahrer in ihren Autos am besten verhalten sollten.
Gleich geht’s los: Ein Kursleiter bespricht mit den Teilnehmern detailliert, was getestet werden soll und wie sich die Fahrer in ihren Autos am besten verhalten sollten. Quelle: ADAC
Anzeige

Autofahren im Alter kann zum Problem werden: Der Straßenverkehr wird immer dichter, heikle Situationen häufen sich, und auch mit der Rücksichtnahme der anderen Verkehrsteilnehmer ist es häufig nicht weit her. Kein Wunder, dass sich viele ältere Autofahrer im Straßenverkehr an den Rand gedrängt fühlen und dementsprechend ängstlich agieren. Das muss nicht so sein: Das Programm „Fit im Auto“ trainiert ältere Menschen in ganz konkreten Situationen auf der Straße. Mit verblüffenden Ergebnissen: 75-Jährige haben mit den entsprechenden Übungen die Leistungsfähigkeit eines 40-Jährigen gezeigt – das belegt eine Forschungsstudie der Otto-Eugen-Butz-Stiftung.

Cornelia Zieseniß, Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht Niedersachsen: „Die alte Gleichung ,alt gleich Führerschein weg’ gilt nicht mehr. Wir haben es hier mit einem echten Paradigmenwechsel, also einem grundlegenden Wandel der Rahmenbedingungen, zu tun. Denn schwierige Situationen lassen sich erfolgreich üben.“

Wie das umgesetzt werden kann, soll ein Pilotprojekt zeigen, das bundesweit einmalig ist. Die Landesverkehrswacht, der ADAC Niedersachsen/Sachen-Anhalt und das Zukunftsforum Niedersachsen stellen am kommenden Dienstag, dem 24. März, auf dem Gelände des ADAC-Fahrsicherheits-Zentrums in Laatzen gleich zwei Programme vor, die sich speziell an Autofahrer richten, die älter als 65 Jahre sind: Während die Landesverkehrswacht den Schwerpunkt auf Trainingseinheiten im realen Verkehr legt, stellt der ADAC bei seinem Programm „Fit auf der Straße“ die Funktionsweise von Fahrerassistenzsystemen, die ältere Autofahrer entlasten können, in den Mittelpunkt. Änderungen der Straßenverkehrsordnung, allgemeines Wissen rund um das Thema Auto und praktische Übungen ergänzen die Trainingseinheiten. Wissenschaftlich begleitet werden die Programme von der Medizinischen Hochschule (MHH).

Wie wichtig das Pilotprojekt ist, zeigt auch, dass der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil die Schirmherrschaft dafür übernommen hat. Weil: „Mobilität im Alter ist echte Lebensqualität. Technische Assistenzsysteme können unterstützen, Fahrkompetenz möglichst lange zu erhalten. Aber nichts geht über persönliches Fahrtraining. Es geht deshalb darum, den Autofahrerinnen und -fahrern über 65 Jahren Sicherheit und Fahrfreude zu erhalten oder wiederzugeben.“ Denn gerade in einem
Flächenland wie Niedersachsen ist es schwierig, die Mobilität älterer Menschen aufrechtzuerhalten – nicht immer gibt es jemanden, der mit seinem Wagen Einkäufe erledigen oder die Betreffenden zu Terminen fahren kann.

Selbst ältere Autofahrer mit einer gewissen Übung ziehen Nutzen aus den Angeboten. Margret Nitt aus Sulingen ist 66 Jahre alt und fährt häufiger nach Hannover und Bremen. Sie hat das Programm „Fit im Auto“ bereits vorab getestet und ist begeistert: „Ich habe das mitgemacht, weil ich es unwahrscheinlich wichtig finde. Das Gefühl im Auto war eine ganz neue Erfahrung und hat mir sehr viel Sicherheit gegeben.“ Zu den Übungen gehören beispielsweise Slalomfahrten durch eine Pylonengasse bei verschiedenen Geschwindigkeiten, Vollbremsungen und eine Fahrt im Straßenverkehr mit verschiedenen Einparksituationen.

Der Erfolg ist so gut wie garantiert: Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass sich Synapsen, also die Verknüpfungen der Nervenzellen, im Gehirn bei entsprechender Beschäftigung des Geistes erneuern. Cornelia Zieseniß: „Wer bestimmte Situationen beispielsweise im  Kreuzungsbereich mit viel Verkehr übt, kann das dann auch.“
Die Kosten für beide Trainingsprogramme liegen bei rund 30 Euro. Gut angelegtes Geld, wie Margret Nitt findet. Und nicht zu teuer: „Das kann sich jeder leisten.“
www.fit-im-auto.de

Nur wenige Verletzte

In der Bundesrepublik gibt es derzeit rund 12,1 Millionen Autofahrer, die über 65 Jahre alt sind. 6,8 Millionen davon sind Männer, 5,3 Millionen Frauen. Die Zahl reduziert sich drastisch bei den über 75-jährigen Autofahrern: Da sind es noch 2,3 Millionen Männer und 1,5 Millionen Frauen. Im Jahr 2013 wurden 44 368 Menschen über 65 Jahren bei Verkehrsunfällen verletzt. Damit verunglücken nach Polizeiangaben in der Gruppe der über 65-Jährigen deutlich weniger Menschen als in allen anderen Altersgruppen. Allerdings ist diese Aussage relativ zu sehen, da viele ältere Menschen viel seltener unterwegs sind als Berufstätige.

 Quelle: Gewerkschaft der Polizei

Von Gerd Piper