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00:35 12.03.2011
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Kleiner Schönling: Der Porsche Cayman R in seinem Element. Quelle: Achim Hartmann
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Klimaanlage? Raus damit. Radio oder Navi? Überflüssig. Feste Türöffner? Unsinn. Schlaufen tun es auch. Beheizbare Sitze? Quatsch. Ein leichter Schalensitz muss reichen. Dafür dürfen die Ingenieure die Abgasanlage modifizieren und das Fahrwerk neu abstimmen, was alle anderen Hersteller auch machen – doch bei Porsche bedeutet das immer etwas mehr.

Vor mir steht der Porsche Cayman in der brandneuen R-Version. Nun 55 Kilogramm leichter und zehn PS stärker als der Cayman S. Das Leistungsgewicht liegt bei 3,9 Kilo. Das heißt, ein PS muss jeweils dieses Gewicht bewegen. Insgesamt bringt der kleine Porsche gerade mal 1295 Kilogramm (leer) auf die Waage. Und er soll jetzt zeigen, was er kann.

Bei Porsche, das ist bekannt, sind sie Weltmeister im Abspecken, was normalerweise mit einer satten Preiserhöhung einhergeht. Der Cayman R, neues Flaggschiff der Mittelmotorbaureihe, ist da keine Ausnahme – schneller, leichter und schöner sollte er werden. Aufgabe erfüllt, kann man nach ersten Testkilometern auf Landstraßen und einigen Runden auf einer Rennstrecke nur attestieren. Der Sportwagen war schon immer ein kleiner Schönling. Nun liegt das ohnehin am Asphalt klebende Fahrzeug nochmals 2,2 Zentimeter dichter über der Straße, was das menschliche Auge mit Wohlgefallen registriert.

Viel wesentlicher ist aber der tiefer liegende Schwerpunkt. Zusammen mit dem festen Heckspoiler, an dem das Fahrzeug schnell zu identifizieren ist, und Modifikationen an der Frontlippe konnten der Auftrieb an Hinter- und Vorderachse um 40 beziehungsweise 15 Prozent verringert werden – was die Erwartungen an die eh schon guten Handlingeigenschaften hochschnellen lässt. Nun ja, das Doppelkupplungsgetriebe wurde auch noch sportlicher getrimmt, natürlich lassen sich Motorkennlinie und Fahrwerk je nach Bedarf verändern, und mittels der Soundklappe fängt der 243 kW/330 PS starke Sechszylinder auf Knopfdruck bissig an zu spotzen. „Geiler Sound, was?“, freut sich ein Ingenieur an der Rennstrecke, während die Cayman Rs an ihm vorbeiheulen.

Eins muss man Porsche lassen – wenn sie sich ein Fahrzeug vornehmen, wird nicht geschummelt. Die Veränderungen greifen in der Regel. Was im Fall des Cayman R zu einem deutlichen Verlust der Alltagstauglichkeit geführt hat. Die Schalensitze sind hart und eng, das Fahrwerk leitet gnadenlos jede Unebenheit der Straße an die Insassen weiter, und wenn der Fahrer Gas gibt, wird es laut. Richtig laut. Der Cayman R ist für den Rundkurs gemacht, eine Spaßmaschine allererster Güte – sofern man schnelle Autos mag.

Auf dem Rundkurs, wo man dem Wagen sorglos mal die Sporen geben kann, überzeugt der Cayman R dagegen auf ganzer Linie. Da sind dann Daten wie die Höchstgeschwindigkeit von 282 km/h oder ein Sprint von 0 auf 100 km/h in 4,9 Sekunden Makulatur. Was der Fahrer hinterm Lenkrad erlebt, ist einfach großes Autokino: Der Wagen lässt sich ohne Murren mit Vollgas durch nahezu jede Kurve prügeln – vorausgesetzt man erwischt den Bremspunkt rechtzeitig. Erst im Grenzbereich macht sich eine leichte Nervosität bemerkbar, die sofort wieder vergeht, wenn man das Gas ein wenig zurücknimmt. Der Motor will hochgedreht werden und erreicht seine maximale Leistung erst bei 7400 Umdrehungen, 100 Umdrehungen vor der Drehzahlgrenze. Ansonsten frisst das Fahrzeug den Asphalt und das mit einer geradezu provozierend bärigen Ruhe.

Trotzdem, das muss man ganz klar sagen, ist der Cayman R natürlich kein Rennwagen. Das sind andere Sphären. Aber er ist ein super Sportwagen, der seinem Fahrer einfach jede Menge Spaß bringt. Ein Auto, das sich von Freizeitrennfahrern ziemlich problemlos beherrschen lässt und dabei eine große aktive Sicherheit garantiert. Dafür gibt es keine Cupholder, keine Ablagen, nur wenige der üblichen Kleinigkeiten, die des Autofahrers Leben schöner machen. Natürlich kann der Cayman-R-Besitzer all diese Dinge ordern, nur dann sind die mühsam abgerungenen Kilo samt der zusätzlichen zehn PS ganz schnell zum Teufel. Nicht umsonst heißt es bei Porsche immer wieder: Weniger ist manchmal mehr.

Von Gerd Piper