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00:49 10.11.2012
Chevrolet Spark: Ein günstiger Stadtflitzer im attraktiven Design. Quelle: Dan MacMedan
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Hannover

Die Formulierung „Billigauto“ gibt es im Wortschatz von Europas größtem Autohersteller nicht. Volkswagen bezeichnet Pkw im untersten Preissegment nämlich als „Low-Budget-Autos“, wenngleich die Wolfsburger Konzernzentrale jüngst verkündete, auf dem europäischen Markt vorerst kein solches Modell anzubieten. Gleichwohl finden sich auf dem deutschen Markt gleich drei Hersteller, die einen Neuwagen unter 8000 Euro Listenpreis anbieten.

Chevrolet und Lada sowie Dacia mit sogleich zwei Billigheimern offerieren Autos für - ja, für wen eigentlich?

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Den sparbewussten Autofahrer, der seinen fahrbaren Untersatz nur für gelegentliche Einkaufsfahrten nutzt? Oder greift der klassische Zweitwagenkäufer in Zeiten einer angespannten Wirtschaftslage zu einer günstigen Alternative? So mancher Autofahrer empfindet die von der Industrie aufgezwungenen Extras als derart überflüssig, dass er bewusst zu einem Modell ohne diese Spielereien greift. Wer braucht schon elektrische Fensterheber oder gar eine auf Knopfdruck automatisch schließende Heckklappe? Und den Weg zum Supermarkt kann ein Autofahrer schließlich auch ohne ein mehrere Tausend Euro teures Navigationsgerät finden.

Ein Blick auf die angebotenen Neuwagen bis 8000 Euro zeigt: Günstig muss nicht gleich billig bedeuten. Auf sicherheitsrelevante Ausstattungsmerkmale wie ABS muss auch der Käufer des günstigsten Neuwagens auf dem deutschen Markt nicht verzichten. So bietet die rumänische Renault-Tochter Dacia den Sandero 1.2 16V 75 für gerade einmal 6990 Euro an. ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent sowie Front-airbags für Fahrer und Beifahrer sind serienmäßig an Bord. In der nun vorgestellten zweiten Generation des Sandero ist auch ESP serienmäßig dabei. Dadurch hat sich der Preis zum Vorgängermodell zwar um 200 Euro erhöht, doch auch so verteidigt Dacia noch immer den Preisrekord als günstigstes Auto Deutschlands.

Der 1,2-Liter-Ottomotor mit 55 kW/75 PS schafft immerhin eine Höchstgeschwindigkeit von 164 km/h und verbraucht nach der kombinierten DIN-Norm 6,0 Liter Superbenzin. Die Euro-5-Abgasnorm erfüllt der Dacia ebenso. Die Aufpreisliste ist freilich lang bei solch einem Sparmodell und reicht von der 19 Euro günstigen Auspuffblende bis hin zur 1027 Euro teuren Standheizung mit Vorwahluhr. Auf die Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber indes muss der Fahrer ebenso verzichten wie auf die Klimaanlage. Diese Extras sind beim günstigsten Dacia-Modell nicht einmal gegen Aufpreis lieferbar.

Mit dem Dacia Logan MCV 1.6 MPI 85 bieten die Rumänen noch ein weiteres Low-Budget-Modell unter 8000 Euro an. Der 1,6-Liter-Motor leistet 62 kW/84 PS und beschleunigt den Kombi auf eine Höchstgeschwindigkeit von 163 km/h. Zwar verfügt der Logan über ABS und Frontairbags, auf die Klimaanlage muss jedoch ebenfalls verzichtet werden. Auf deutschen Straßen gehört der billige Großraumwagen allerdings längst zum gewohnten Bild. Als Familienkutsche wird der Dacia-Logan-Kombi ebenso geschätzt wie als Handwerkerwagen.

Mit einem maximalen Kofferraumvolumen von 2350 Litern bei umgeklappter Rückbank lässt sich schließlich so einiges transportieren. Wurden Dacia-Fahrer vor wenigen Jahren noch belächelt, so gilt insbesondere der Logan-Kombi längst als gesellschaftsfähig. Wer auf Prestige verzichten mag und sich an dem nüchternen Innenraum nicht stört, kann äußerst preiswert ein praktisches Auto fahren.

Mit dem Lada 1119 Pur bietet sich dem preisbewussten Autointeressenten ein weiteres Modell aus Osteuropa für weniger als 8000 Euro an. Der 1119 Pur ist dabei die Billigvariante des baugleichen Lada Kalina. Schon im Modellnamen verrät Lada, dass es sich beim Pur um ein spartanisch ausgestattetes Gefährt mit vier Rädern und einem festen Dach handelt. Der 1,4-Liter-Motor mit 66 kW/90 PS und einem kombinierten Benzinverbrauch von 6,4 Litern ist sicherlich nicht jedermanns Sache, doch mit ABS sowie Fahrer- und Beifahrer-Airbag sind die wichtigsten Sicherheitsausstattungsmerkmale serienmäßig dabei. Ein höhenverstellbares Lenkrad, Servolenkung, elektronische Wegfahrsperre sowie Colorverglasung sind ebenfalls im Serienumfang enthalten. Was braucht der sparbewusste Autofahrer mehr?

Als vierter Kandidat im Segment der Billigautos bis 8000 Euro offeriert Chevrolet das Modell Spark zum Finanzierungssonderpreis ab 7503 Euro. Die frühere Denkweise „größer, breiter und stärker“ ist auch bei US-Herstellern längst der Vernunft gewichen, günstige Autos für sparbewusste Käuferschichten anzubieten. Auch beim kleinen Amerikaner müssen die Fahrer auf Sicherheit nicht verzichten. Fahrer- und Beifahrer-Airbags schützen die Insassen in der ersten Sitzreihe ebenso wie die elektronische Stabilitätskontrolle (ESC), die in allen Ausstattungsvarianten serienmäßig an Bord ist. Der 995 Kubikzentimeter kleine Vierzylinder begnügt sich in der 50 kW/68 PS-Variante mit lediglich fünf Litern Benzin (kombinierte DIN-Norm). Chevrolet preist den 152 km/h schnellen Spark als „Stadtflitzer mit ausdrucksvollem Design“ an.

Optisch macht der kleine Chevy im Vergleich mit seinen osteuropäischen Billigkonkurrenten tatsächlich den frischesten und modernsten Eindruck. Ein Low-Budget-Auto muss demnach keinesfalls ein exotischer Sonderling sein. Wer also bereit ist, bei der Ausstattung Abstriche zu machen, kann auch auf dem deutschen Markt durchaus fündig werden. Und dass in wirtschaftlich weniger rosigen Zeiten eine Nachfrage nach Billigautos vorhanden ist, beweisen nicht nur die Verkaufszahlen, sondern zeigt vor allem der tägliche Blick aufs Straßenbild.

Markus Beims