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Auto & Verkehr Neuer Glanz für den Shooting Brake
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00:10 13.10.2012
Mit dem CLS Shooting Brake setzt Mercedes-Benz seine Verjüngungskur fort. Quelle: Hersteller
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Stuttgart

Ja, irgendwie ist er auch schön. Der neue CLS Shooting Brake von Mercedes-Benz. Es scheint manchmal schon zwanghaft, mit welcher Akribie die Autobauer nach Neuem Ausschau halten. Die Schwaben sind dabei auf einen alten Hut gestoßen: den Shooting Brake. Er brachte es in England in den sechziger und siebziger Jahren unter der wohlhabenden Landbevölkerung, die in ihrer Freizeit gerne zur Jagd aufbrach oder dem Golfsport nachging, zu einiger Beliebtheit. Ein gewisser David Brown ließ 1963 deshalb eigens einen Aston Martin DB5 zum Kleinlastwagen umbauen, der es dann auf immerhin zwölf Exemplare brachte. Der bekannteste Vertreter dieser Gattung kam dann allerdings aus Schweden und ist mit dem Volvo P1800 ES als „Schneewittchensarg“ legendär geworden. Und nun der CLS Shooting Brake von Mercedes.

In Stuttgart arbeitet man derzeit mit Hochdruck daran, das Markenimage zu verjüngen. Die üblichen Kombis sind zwar praktisch, inzwischen auch in ihrem Auftritt dynamisch, aber immer noch nicht sonderlich spektakulär. Da kam die Idee mit dem Shooting Brake gerade recht. In der Essenz handelt es sich um eine so noch nie da gewesene Form eines Sportwagens mit fünf Sitzplätzen und einer großen Heckklappe - für Menschen, die sich von der großen Masse unterscheiden wollen. Bei Mercedes hofft man, dass der Kombi, der kein Kombi sein will, ein neues Marktsegment eröffnet.

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Und diese Hoffnung ist nicht ganz unberechtigt. Auf dem Pariser Autosalon schob Porsche jetzt mit dem Sport Tourismo eine Kombiversion des Panamera auf die Bühne. Was vor wenigen Jahren noch undenkbar schien, wird inzwischen ganz offen propagiert: Warum soll ein Porsche-Fahrer, dem ein mächtiges SUV wie der Cayenne vielleicht zu gewöhnlich ist, nicht auch mal etwas mehr zuladen dürfen, ohne gleich auf das sportliche Image verzichten zu müssen? Die Lösung, die sich als Antwort geradezu aufdrängte, heißt Shooting Brake. Zwar handelt es sich beim Sport Tourismo noch um ein Konzeptfahrzeug, doch geht man in Zuffenhausen davon aus, dass der Wagen 2016 in den Handel kommt. Design-Spielereien weitab von der Wirklichkeit könne man sich gar nicht leisten, heißt es dazu.

Für Mercedes bedeutet das einen ziemlichen Vorsprung, denn der CLS Shooting Brake kann gekauft werden und steht seit wenigen Tagen in den Showrooms. Auch wenn der praktische Aspekt bei der Entwicklung des Fahrzeugs nur eine untergeordnete Rolle spielte, so sind doch gewisse Vorzüge im Vergleich zum Coupé oder der Limousine nicht von der Hand zu weisen. 590 bis 1550 Liter Lade-raumvolumen sind eine Ansage - denn das sind immerhin 50 Liter mehr als beim aktuellen T-Modell der C-Klasse. Aber daran, dass jemand auf die Idee kommen könnte, den Shooting Brake wirklich einmal vollzuladen, denkt sowieso niemand - ein Indiz dafür ist ein besonders extravagantes Detail: Mercedes bietet für den Kofferraum optional einen Ladeboden aus amerikanischem Kirschbaumholz mit Intarsien aus Räuchereiche an. Der leicht dekadente Spaß kostet 4700 Euro.

Ein Verkratzen sollen Aluminiumschienen verhindern, die in das Holz eingelassen sind. Der Boden solle an die Eleganz eines hölzernen Jachtdecks erinnern, sagt man in Stuttgart. Also viel zu schade, um etwas darauf abzustellen. Und: Was nützt der teuerste Quadratmeter aus Holz in der jüngeren Automobilgeschichte, wenn ihn niemand sehen kann?

Porsche ist da nicht ganz so abgehoben: Der Sport Tourismo wird von einem Plug-in-Hybrid angetrieben, der rein elektrisch 130 km/h schnell sein soll. Diesen Antrieb wird es bereits im kommenden Jahr im Panamera geben. Insgesamt bringt es die Maschine auf 306 kW/416 PS. Wie der Laderaumboden im Sport Tourismo beschaffen sein wird, ist nicht bekannt. Deshalb darf man gespannt sein, was da noch kommen wird.

Gerd Piper