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Auto & Verkehr Luxusklassen präsentieren sich in Paris
Mehr Auto & Verkehr Luxusklassen präsentieren sich in Paris
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00:33 06.10.2012
Jaguar präsentiert in Paris den neuen F-Type.
Jaguar präsentiert in Paris den neuen F-Type. Quelle: dpa
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Paris

Auffällig ist allerdings, dass kaum ein Hersteller Zahlen nannte, sonst eine Lieblingsdisziplin auf Messen. Es mag daran liegen, dass die Branche bereits die nächste schwere Krise der Automobilindustrie am Horizont ausmacht: Die Rabattschlachten im Kampf um Neuwagenkunden, die von Sergio Marchionne, dem Präsidenten des europäischen Autoindustrieverbandes, schon als „Blutbad“ bezeichnet wurden, sind ebenso wie riesige Überkapazitäten tatsächlich ein Indiz dafür. Doch noch regiert die Hoffnung.

BMW: Die Bayern zeigen in Paris ein Konzeptcar im Van-Format mit dem Namen Active Tourer. Eine kleine Sensation: Denn wegen des Raumkonzeptes wird der Wagen 2014 mit einem Dreizylinder und Frontantrieb kommen. Allerdings wird abgewiegelt, wenn es um die Frage geht, ob das ein Schnitt in der Antriebsphilosophie von BMW ist. Der Heckantrieb, ein wichtiges Element für sportliche Fahrzeuge, wird bei den anderen Modellen nicht angetastet. Allerdings ist die Plattform so variabel, dass in den Ingenieurbüros bereits mit neuen Modellen „gespielt“ wird. Auch Mini könnte davon profitieren.

Audi: An der Seine präsentieren die Ingolstädter den A3-Sportback, also die Kombiversion des Kompaktwagens. Außerdem ist das neue RS5-Cabriolet zu sehen. Als Ausblick auf das künftige Audi-Design, das die unterschiedlichen Modelle wieder stärker voneinander abgrenzen soll, ist ein Konzeptfahrzeug im A2-Format mit dem hübschen Namen Crosslane Coupé zu sehen.

Mercedes-Benz: In Stuttgart schwimmt man momentan auf der Erfolgswelle, die offensichtlich die neue A-Klasse ausgelöst hat: 70000 Bestellungen in Europa sind der beste Anlauf eines Mercedes-Modells in der Geschichte von Daimler-Benz. Außerdem setzt man konsequent auf neue Antriebe. Eine Erdgasversion der B-Klasse wurde genauso vorgestellt wie das Konzept eines Elektrowagens auf der gleichen Plattform. Und als ultimativen Kracher präsentieren die Schwaben die elektrische Version ihres Supersportwagens SLS. Das Auto bringt es auf ein Drehmoment von 1000 Newtonmetern, soll 250 Kilometer weit fahren oder zumindest drei schnelle Runden (ca. 66 Kilometer) auf der Nordschleife des Nürburgrings schaffen. Wer das über 400000 Euro teure Auto kaufen soll, bleibt ein Geheimnis der Schwaben. Ebenfalls im Gepäck: der neue Shooting Brake, ein Crossover aus Limousine, Kombi und Coupé.

Smart: Der Stadtfloh leidet unter akutem Modellmangel. Der Smart Fortwo ist das einzige Fahrzeug, das man momentan im Angebot führt. Deshalb behilft man sich mit Showcars, die witzig und innovativ sind, aber genauso zuverlässig wieder in der Versenkung verschwinden. In Paris steht ein Mikro-Crossover als Konzeptfahrzeug, das zumindest Designelemente des künftigen Viersitzers trägt und auch schon in etwa dessen Größe hat.

Porsche: Neuer Antrieb, neues Design - mit dem Sport Tourismo zeigt die Sportwagenschmiede ein Konzeptfahrzeug auf Panamera-Basis, das wie der Shooting Brake von Mercedes Limousine, Kombi und Coupé miteinander vereint. Wie schön schön ist, sei einmal dahingestellt - Tatsache ist, dass der Wagen an den Pressetagen des Automobilsalons stundenlang von Motorjournalisten aus aller Welt umlagert wurde. Dass der Sport Tourismo, der von einem Plug-in-Hybrid angetrieben wird und sich wie ein echter Porsche fahren soll, kommen wird, steht eigentlich außer Frage: „Wir haben überhaupt nicht das Geld für kostspielige Spielereien“, sagte ein Porsche-Mann am Rande der Präsentation. Bleibt die Frage, wann es so weit ist. Frühestens 2016, wird gemunkelt.

Jaguar: Mit dem F-Type präsentieren die Engländer das vielleicht schönste Auto des Pariser Autosalons: einen lupenreinen kleinen Roadster in der Tradition des legendären E-Types, der vor allem dem Porsche Boxster Konkurrenz machen dürfte. Egal, von welcher Perspektive man das Auto auch betrachtet, es bleibt immer ein Traumauto. Und mit einer Leistung von 250 kW/340 PS bzw. 294 kW/400 PS dürfte er den meisten anderen Autos spielend leicht davonfahren.

Opel: Bewundernswert ist, mit welchem Optimismus die Rüsselsheimer neue Autos präsentieren - schließlich könnte man als ständiger Verlustbringer von GM auch ganz einfach verzweifeln. Der neue Hoffnungsträger heißt Opel Adam und ist ein Kleinwagen, der ab 11400 Euro Fahrzeugen wie dem Mini oder dem Fiat 500 Konkurrenz machen soll. In Paris stehen verschiedene Ausstattungsvarianten, die schick gestaltet sind und einen hochwertigen Eindruck machen. Die Motoren sind allerdings nicht aktuell. So verfügt die Marke noch immer nicht über kleine aufgeladene Benzindirekteinspritzer.

VW: Wolfsburg powert den neuen Golf, der in Paris bereits in der GTI-Version zu bewundern ist. Vor allem die VW-Designer schwärmen von ihrem neuen Produkt, das dem Konzernvorstand ganz offensichtlich nicht ganz einfach zu verkaufen war. Inzwischen spricht auch VW-Boss Martin Winterkorn vom „besten Golf aller Zeiten“, was das Kernprodukt der Marke zusätzlich adeln dürfte. Etwas befremdlich wirkt dagegen, dass der generationsübergreifende Bestseller im Internet bereits mit Abstrichen von bis zu 20 Prozent zum Listenpreis beworben wurde - noch bevor das Auto überhaupt im Handel zu haben ist. Das kann Winterkorn nun überhaupt nicht gefallen.

Gerd Piper