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Auto & Verkehr Lancia Flavia - ein Cabriolet mit Stil
Mehr Auto & Verkehr Lancia Flavia - ein Cabriolet mit Stil
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10:00 16.07.2012
Das Flavia-Verdeck braucht quälend lange 28 Sekunden – dann haben die Insassen viel Sonne, zumindest in Italien. Quelle: Hersteller
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Rom

Das markante Lancia-Logo stand von jeher für das gewisse Edle unter den italienischen Automobilmarken. Zumindest auf dem deutschen Markt trug jedoch dieses Image schon lange nicht mehr. Das soll sich jetzt nicht zuletzt durch diesen neuen Freilufter ändern, beflügelt durch die Kooperation mit dem US-Partner Chrysler. Der spendete nicht nur das Herzstück, den 2,4-Liter-Vier-Zylinder-Motor, sondern im Wesentlichen die gesamte Basis, nämlich den Chrysler 200, den Nachfolger des hierzulande erfolglosen US-Cabrios Sebring. Dennoch gibt sich das Auto weitgehend italienisch - man assoziiert deutlich eher Espresso als Coca-Cola, und das nicht nur wegen des auffälligen Lancia-Kühlergrills und der unvermeidlichen Lancia-Analoguhr im Armaturenbrett.

Allein das US-Triebwerk ist es, das weit entfernt von italienischer Dolce-Vita-Leichtigkeit liegt. Die tonlosen125 kW/170 PS vermögen dem Schwergewicht (1,8 Tonnen) mit seiner serienmäßigen Sechsgangautomatik nur wenig Temperament einzuhauchen. Entsprechend liegen die Fahr- und Verbrauchswerte unter beziehungsweise über dem Schnitt der Konkurrenz.

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Doch auf Tempo und Pfennigfuchserei sollte es bei der anvisierten Käuferklientel nicht unbedingt ankommen. Der Flavia (es gab übrigens schon einmal in den sechziger Jahren einen Lancia Flavia) strahlt seinen Charme an anderen Stellen aus. Gesamtlinienführung und Designdetails sind gelungen. Das Auto hat Auftrittstalent, ist vor allem angesichts der zunehmend gesichtslosen Stahldach-Allerweltscabrios, die trotz modernster Cabrio-Technik letztlich häufig nur Limousinen mit gekapptem Dach darstellen, ein echter Hingucker.

Und doch ist der frontgetriebene Viersitzer mit fernsteuerbarem vollautomatischen Stoffverdeck ein vollwertiges Alltagsauto. Mit einer Ausstattung, die getrost als komplett bezeichnet werden kann: Navigationssystem mit 6,5 Zoll großem Bildschirm, CD- und DVD-Laufwerk, USB-Schnittstelle sowie Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Tempomat, Ledersitze, Klimaautomatik, elektrische Sitzverstellung und vieles mehr gibt es für 36900 Euro. Wer hält da mit? Mercedes (E-Klasse), Audi (A5) oder Volvo (C70) mit ihren Cabriolet-Varianten jedenfalls nicht.

Mit dieser Das-Beste-aus-zwei-Welten-Mixtur, geschickter Preispolitik und vielleicht dem kleinen Vorteil des Augenblicks (Alfa Romeo hat seine Spider-Produktion eingestellt) hofft Lancia, nun im Frischluftsektor zu punkten. Italophile Cabrio-Fans dürften demnach kaum an der „bella figura“ eines Flavias achtlos vorbeigehen können. Denn dieses Cabrio hat durchaus Verführungstalente. Ob sich für Lancia die Kooperation gerade mit den völlig anders orientierten Amerikanern auf lange Sicht auszahlt, bleibt dahingestellt.

Das, was Chrysler an solider Cruiser-Qualität mitbringt, nimmt wiederum der sensiblen Italomarke einiges an eigenständigem Flair. Wo Lancia draufsteht, ist eben nicht mehr Lancia allein drin. Doch gerade die zweifelhaften inneren Werte waren es, die in den vergangenen Jahrzehnten die (deutsche) Kundschaft haben davonlaufen lassen.

Die jüngsten Verkaufszahlen geben der Lancia-Kooperation mit Chrysler recht: Die sehr amerikanisch wirkenden neuen Lancia-Modelle Voyager und Thema weisen mit die besten Zahlen auf. Nun müsste nur noch durchgreifend an der unverständlich restriktiven Händlernetzpolitik gearbeitet werden, liebe Fiat-Strategen. Dann könnte es klappen mit der Parole: Kommt ins Offene, Freunde!

Michael Willig