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Auto & Verkehr Flotter Feger statt Lademeister
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00:30 26.03.2011
Der Kombi, der eigentlich ein Coupé sein möchte: Die stark abfallende Dachlinie verleiht dem V60 neuen Schick, frisst drinnen aber auch viel Platz. Volvo
Der Kombi, der eigentlich ein Coupé sein möchte: Die stark abfallende Dachlinie verleiht dem V60 neuen Schick, frisst drinnen aber auch viel Platz. Volvo
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Unterwegs auf der Autobahn. Das Navi spinnt. „Biegen Sie links ab!“, sagt die Dame mit bestimmter Stimme immer wieder. Wohin? Mitten durch die Leitplanke auf die Gegenspur? Dann verlangt sie: „Biegen Sie rechts ab!“ Ich will aber nicht in die City. Diese Navigation hat ihre Tücken. Dabei war ich froh, als mein Beifahrer das Ding endlich eingestellt hatte. Tipp: Nie ans Navi, wenn sie schon losgefahren sind. Es müssen mittels Rädchendreh auf einer Art Wählscheibe die richtigen Buchstaben gefunden werden. Russisches Roulette auf Schwedisch … Wir sitzen nämlich in einem Volvo.

Ja, ich weiß: Den fahren doch nur Lehrer, die bei Ikea einkaufen. Besser, Sie werfen Ihre Vorurteile gleich über Bord. Denn dieser Volvo hat was. Der neue V60 ist ein Lifestyleprodukt durch und durch. Schlank und schnittig steht er da. Rundungen, wo früher Kanten waren. Statt Lademeister flotter Feger. Und eines gleich vorweg: nur für kleine Familien geeignet. Sportlichkeit und Design kontra Ladevolumen: Die schick abfallende Dachlinie lässt drinnen für Kinderwagen keinen Platz. Gerade mal 430 Liter passen in den Kofferraum, bei geklappter Rückbank (40:20:40) immerhin 1241 Liter. Trotzdem: Da sieht der Volvo gegen seine Konkurrenten alt aus, wie der Vergleich mit dem BMW 3er Touring (460/1385 Liter), Audi A4 Avant (490/1430 Liter) oder dem Mercedes C-Klasse T-Modell (485/1500 Liter) zeigt.

Vorn sitzt man in kühler Eleganz, im Testmodell in weichen Ledersitzen, die sich elektrisch verstellen lassen. Die „schwebende“ Mittelkonsole ist bekanntes Volvo-Design, das Ablagefach dahinter so sinnlos wie in allen anderen Modellen auch. Ablageflächen sind ansonsten Mangelware, das Handy kann man nur im Türfach versenken (wo es dann auch gern mal vergessen wird) oder in den Becherhalter in der Mittelkonsole stecken. Hier muss nachgebessert werden. Die Bedienung der Multimediaanlage erschließt sich nicht auf den ersten Blick, ist dann aber komfortabel und bietet alles, was der modern vernetzte Mensch so braucht.

Auf der Straße ist der V60 flott unterwegs, zieht beim Tritt aufs Gaspedal problemlos davon. Dabei schluckt der Testwagen, ein 2,0-Benziner mit 149 kW/ 203 PS, ungeniert. Egal ob Stadt oder Autobahn, er kommt im Schnitt nie unter zehn Liter Super. Ansonsten: Fahrwerk straff abgestimmt, gute Federung, Lenkung leichtgängig und genau.

Beim Rückwärtsfahren hilft eine Kamera fürs passgenaue Rangieren. Bei Dunkelheit ist das Bild allerdings so grieselig-grau, dass man doch besser dem Rückspiegel vertraut. Eindrucksvoll ist das Sicherheitspaket: Geschwindigkeits- und Abstandsregelsystem, Tote-Winkel-Assistent und Driver Alert System, das bei Übermüdung des Fahrers Laut gibt. Der Clou ist aber das neue Kollisionswarnsystem mit automatischer Notbremsfunktion, das der Volvo als weltweit erster Kombi an Bord hat. Das radar- und kameragestützte System erkennt Fußgänger und warnt den Fahrer akustisch und optisch. Wird nicht sofort reagiert, bremst der Wagen selbstständig ab. Das System soll in der Lage sein, bis zu einer Geschwindigkeit von Tempo 35 Kollisionen mit Fußgängern zu verhindern.

In der Praxis warnte unser System allerdings auch gerne mal, wenn gar nichts im Weg war. Vielleicht wollte es ja nur mal üben. Schön laut war’s allemal.

Von Ingrid Lundberg-Piper

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