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Auto & Verkehr Der neue Golf VII ist VWs ganzer Stolz
Mehr Auto & Verkehr Der neue Golf VII ist VWs ganzer Stolz
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14:12 12.09.2012
Der Neue: Der Golf VII zeigt sich mit geschärften Konturen und starker Frontschürze.
Der Neue: Der Golf VII zeigt sich mit geschärften Konturen und starker Frontschürze.Hersteller Quelle: HAZ
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Berlin

Er ist größer, breiter und dynamischer geworden. Und doch steckt in ihm unverkennbar der Ur-Golf. Mit der siebten Auflage seines Dauerbrenners, der Generationen von Autofahrern mobil gemacht und einer Fahrzeugklasse ihren Namen gegeben hat, macht Volkswagen die Ikone in vielen Bereichen zukunftsfähig. Was vor allem die Designer vor eine enorme Aufgabe stellte: Sie sollten das Kunststück fertigbringen, das Allerweltsauto attraktiver zu machen, ohne die Identität zu verwässern - was in der Vergangenheit nicht immer hundertprozentig gelungen ist. Doch dieses Mal scheint alles zu stimmen: Der Golf VII, der am 10. November auf den Markt kommt, ist ein attraktiver Kompaktwagen mit geschärften Konturen, der den vor 38 Jahren eingeschlagenen Weg fortsetzt.

Als Volkswagen 1974 den ersten Golf auf den Markt brachte, markierte das Fahrzeug einen Wendepunkt: Der Käfer hatte sich überholt, VW steuerte in die Krise. Was noch keiner ahnen konnte: Der Golf I war mit seinem Frontantrieb und dem wassergekühlten Motor ein Meilenstein. Er wurde den Wolfsburgern aus den Händen gerissen. Ein junges Auto, das nichts mehr von der Behäbigkeit der fünfziger und sechziger Jahre hatte. Das ist inzwischen Geschichte.

„Einen neuen Golf zu bauen ist eine riesige Herausforderung“, sagte VW-Designchef Klaus Bischoff bei der Weltpremiere des Golf VII in Berlin. „Wir haben vier Jahre daran gearbeitet.“ Das Problem: Der Golf ist nicht nur das wichtigste Auto im Konzern und laut Chef Martin Winterkorn „unser ganzer Stolz“, der Golf muss auch stets Golf bleiben - immer jung und die Messlatte für die Konkurrenz.

Die Eingriffe in das Design sind tiefgreifender, als es auf den ersten Blick erscheint: Die Frontschürze ist stärker modelliert als beim Vorgänger, die Motorhaube wurde etwas länger - und verfügt jetzt an den Seiten über Kanten, die an BMW erinnern. Ein VW-Mann räumte in Berlin auch freimütig ein: „Das hat uns gefallen, das wollten wir auch haben.“ Ein Baustein, der alle Generationen durchzieht, ist die breite C-Säule am Heck des Fahrzeugs.

Mit einer Länge von nunmehr 4,23 Metern ist die siebte Generation um 5,6 Zentimeter gewachsen, der Radstand verlängert sich um 5,9 Zentimeter auf 2,64 Meter. Parallel hat die Breite um 1,3 Zentimeter auf 1,80 Meter zugenommen. Das bedeutet mehr Platz im Innenraum und ein Gepäckraumvolumen, das um 30 Liter zugelegt hat und 380 Liter beträgt.

Das Fahrzeug, das auf der Basis des neuen modularen Baukastensystems von Volkswagen entstanden ist, soll in seiner Klasse erneut Maßstäbe setzen, was die Bereiche Verbrauch und Emissionen, Komfort und Sicherheit sowie Gewicht und Fahrwiderstände betrifft. VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg rechnete in Berlin vor, dass die Motoren des Golf VII insgesamt pro Jahr allein in Europa 119.000 Tonnen an Kohlendioxid einsparen können - dank Zylinderabschaltung (beim 103-kW/140-PS-TSI-Motor, der bereits im Audi A3 zu haben ist), Start-Stopp-System und Rekuperation.

Dass Winterkorn den Golf VII zum Umweltauto schlechthin erklärte, ist aber etwas hoch gegriffen: Zwar wird eine Blue-Motion-Version angeboten, die nur 85 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft abgibt und ein Erdgasantrieb ist in Vorbereitung. Doch Greenpeace-Mitarbeiter, die in Berlin vor der Nationalgalerie - dem Ort der Weltpremiere - demonstrierten, legten den Finger in eine Konzern-Wunde: Ein Hybridantrieb als Brückentechnologie ist nicht in Sicht. Gerade ein Unternehmen wie Volkswagen, das nicht weniger als die Nummer eins auf der Welt werden will, hat hier eine Verpflichtung, die nicht eingelöst werden kann. Offensichtlich hinkt man technologisch hinter den Japanern von Toyota hinterher.

Anders sieht es bei der Sicherheitsausstattung aus: Hier bringt der VW alles ein, was man bislang nur aus höheren Klassen kennt. Wie die Optionsmöglichkeiten aussehen werden, muss man abwarten, bis die ersten Preislisten vorliegen. Zur Serienausstattung des sportlich gezeichneten Fahrerplatzes gehört in jedem Fall ein neuer, fünf Zoll großer Touchscreen-Monitor in der Mittelkonsole.

Zur Markteinführung im November wird es den Golf VII mit zwei Benzinern (63 kW/85 PS und 103 kW/140 PS) sowie zwei Dieseln (77kW/105 PS und 110 kW/150 PS) geben. Dazu kommen drei Ausstattungslinien. Die Basisausstattung beginnt bei 16975 Euro. Warum darin nicht einmal ein Radio enthalten ist, bleibt ein Geheimnis der Wolfsburger.

Gerd Piper