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Auto & Verkehr Der Seat Ibiza Cupra - ein spanischer Temperamentbolzen
Mehr Auto & Verkehr Der Seat Ibiza Cupra - ein spanischer Temperamentbolzen
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00:48 16.02.2013
Am markanten Grill kann man ihn gut erkennen: Der Seat Ibiza Cupra verinnerlicht die sportliche Seele der Spanier.
Am markanten Grill kann man ihn gut erkennen: Der Seat Ibiza Cupra verinnerlicht die sportliche Seele der Spanier. Quelle: Hersteller
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Hannover

Spanier gelten gemeinhin als lebensfrohe Menschen. Wenn ihr sonniges Naturell mit kühler Technik aus der norddeutschen Tiefebene verschmilzt, muss man sich die bange Frage stellen, wie wohl das Resultat aussehen mag. Doch da haben die Spanier gleich einen Riegel vorgeschoben: „Enjoyneering“ heißt das Zauberwort, das die unterschiedlichen Temperamente so einfach vereinigt, als gäbe es die Alpen, die Pyrenäen und Frankreich dazwischen gar nicht. Das jüngste Ergebnis dieser ersprießlichen Zusammenarbeit heißt Seat Ibiza Cupra und soll vor allem junge Leute wild machen.

Cupra steht für „Cup Racing“ und zeichnet seit 1996 die besonders sportlichen Ausführungen der Großserienmodelle aus dem Hause Seat aus. Im Fall des Ibiza sind das 180 doppelt aufgeladene Pferdchen, die recht eindrucksvoll losheulen, sobald man ihnen die Sporen gibt. Schlaue Menschen werden jetzt den Finger heben und sagen: „Das ist doch ein VW Polo GTI in einem anderen Blechkleid.“

Jein! Klar, es kommt ganz viel Technik aus dem Volkswagen-Regal, beispielsweise der Motor oder das Doppelkupplungsgetriebe. Aber ein Spanier ist eben auch stolz - und so grenzt man sich doch deutlich von den Niedersachsen aus Wolfsburg ab. Der Cupra sieht geschliffener und sportlicher aus, wobei es die Designer vermieden haben, ihm zu viel Zierrat in Form von Spoilern oder Hutzen mitzugeben. Im Ibiza Cupra sehen sie ihre Marken-DNA wie in keinem anderen Fahrzeug aus dem aktuellen Katalog verinnerlicht: das eindrucksvolle Heck mit dem mächtigen mittigen Endrohr, der große Diffusor oder die scharf und aggressiv geschnittene Frontschürze. Und die edel designten Sitze - ganz ohne Karos!

Okay, die Luftausströmer wirken billig, die eine oder andere Chromspange wäre auch ganz schön, und Materialmix sowie Verarbeitung sind im Polo überzeugender. Aber das ist der Markenpolitik des Konzerns geschuldet. Und so schlecht sieht der Cupra von innen ja auch nicht aus. Bloß das viele Schwarz macht auf Dauer etwas depressiv. Und dann gibt es da noch ein Argument, das sich nur schwerlich widerlegen lässt: Während der Polo gerade versucht, durch die Teilnahme am WRC-Rallye-Cup das Image als solider, aber braver Biedermann abzustreifen, sind 42 Prozent der Cupra-Fahrer jünger als 29 Jahre. Etwas für junge Wilde also!

Bevor wir uns in den Wagen setzen, um damit loszubrausen, machen wir noch einen kleinen Erkundungsgang ums Auto - und werden fündig: Da ist beispielsweise die relativ einfache Verbundlenker-Hinterachse. Aha, denken wir, an der Stelle haben sie also gespart. Und schon wieder: Jein! Natürlich ist eine solche Konstruktion günstiger als eine aufwendige Mehrlenkerachse. Aber in diesem Fall hat sie auch Vorteile: Sie ist leichter und hat kürzere Federwege, was wiederum dem sportlich abgestimmten Fahrwerk zugutekommt. Und da auf den hinteren Sitzen des Ibiza Cupra noch nicht mal ein mittelgroßer Spanier Platz hat, braucht sie auch nicht die Komfortvorteile einer Mehrlenkerachse auszugleichen, die diese zweifellos besitzt, sobald mehr Gewicht auf ihr lastet. „Drehen Sie ein paar Runden und Sie werden sehen, dass Sie feuchte Hände bekommen, lange bevor das Fahrzeug instabil wird,“ rät uns ein Ingenieur. Na gut, dann mal los.

Wir starten die Maschine, legen den Wahlschalter des DSG-Getriebes auf den Sportmodus - und ab geht die Post. Der Cupra legt vom Start weg mächtig los. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt der Temperamentbolzen in 6,9 Sekunden, aber das sagt noch nicht viel aus über seine wahren Qualitäten. Denn die zeigt das Fahrzeug, wenn es durch die Kurven geht. Wir staunen, wie leicht sich der Wagen bewegen lässt. Er hängt hervorragend am Gas und lässt sich präzise durch jede Biegung zirkeln. Die Souveränität, mit der das Auto jede erdenkliche Situation meistert, ist erstaunlich - was der Cupra zu einem guten Teil der elektronischen Quersperre verdankt. Sie verhindert die Tendenz zum Untersteuern und sorgt dafür, dass der Wagen wie an einer Schnur gezogen jede Kurve meistert.

Obwohl wir den Cupra auf engen Bergstraßen nicht geschont haben, konnten wir in keiner Sekunde einen Einfluss des Vorderradantriebs auf die Lenkung spüren. Kein Zerren beim Gasgeben, nicht einmal ein leichtes Ziehen. Wobei wir manchmal dachten, dass ein kleines Auto mit so einem famosen Motor, bitte schön, doch etwas giftiger sein könnte. Aber den Gefallen hat es uns nicht getan. So gesehen, ist der Ibiza Cupra das ideale Sportgerät für den Alltag, er fordert dem Fahrer nicht allzu viel ab, ist sicher und macht Spaß. Garantiert in jeder Kurve.

Der Spaß hört allerdings auf, wenn man auf den Preis schaut: Mindestens 23590 Euro sind für einen Kleinwagen happig. Damit ist der Spanier um 1090 Euro teurer als der aktuelle Polo GTI, der ab 22500 Euro zu haben ist. Okay, dafür gib‘s beispielsweise das Xenonlicht im Cupra serienmäßig. Trotzdem: Nachvollziebar ist das nicht.

Gerd Piper