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Auto & Verkehr Der Angriff auf die Tradition
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17:00 11.02.2011
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Der neue Freelander: Am Blech wurde nur wenig verändert, der Verzicht auf den Allradantrieb ist dagegen eine kleine Revolution. Foto: Werk
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Es ist schon erstaunlich: Eigentlich mäkeln wir ja gern an den dicken Allrad-Offroadern herum, weil die Dinger wegen ihres Antriebs so schrecklich viel Sprit verbrauchen. Jetzt baut Land Rover, die Allrad-Offroad-Marke schlechthin, bei seinem Einstiegmodell Freelander brav den Hinterradantrieb aus – und spart lächerliche zwei Zehntelliter an Kraftstoff ein. Sechs Liter je 100 Kilometer konsumiert Land Rovers erster Zweiradler, der neue Freelander eD4 mit ausschließlichem Frontantrieb, im normierten Prüfzyklus. Auf 6,2 l/100 km kommt die weiterhin lieferbare Allradversion.

Und für das Schnapsglas voll Leichtöl soll man auf die Vorzüge der Vierradtraktion verzichten? Als wollte uns die Geländewagen-Traditionsmarke die Antwort vorgeben, durften wir dem eD4 in der noch gut zugeschneiten österreichischen Bergwelt auf den Traktionszahn fühlen. Ketten waren auch schon montiert – und trotzdem packte der Fronttriebler die fein präparierte Tiefschnee-Steigung nicht. Auf festgefahrener Piste oder gar auf schlichtem Asphalt hingegen – und natürlich ohne Ketten – konnten wir dem Zweirad-Land-Rover nichts Unschickliches nachsagen. Antriebstechnische Hausmannskost à la Golf & Co.

Die zulässige Anhängelast wird vom Werk für beide Varianten mit einheitlich zwei Tonnen angegeben. Ausnutzen möchten wir diesen Grenzwert aber wirklich nur mit der allradangetrieben Ausgabe des Freelander. Und auf die Übung „Herausziehen des Pferdeanhängers von der nassen Koppel“ mit dem eD4 verzichten wir gern. Jedenfalls bei den 0,2 Litern Dieselöl, die der Traktionsverzicht bringt.

Ausgedrückt in der heute angesagten Umweltbelastungsgröße „Kohlendioxidausstoß in Gramm je Kilometer“ beträgt der Fortschritt dann sieben Gramm. Auf 158 g/km kommt der eD4, während es der TD4 bei 165 g/km bewenden lässt. Für leer immerhin 1,7 beziehungsweise knapp 1,8 Tonnen schwere Automobile mit einem eigentlich unsäglichen Luftwiderstandsbeiwert von 0,39 bei reichlich Stirnfläche sind das gar keine so schlechten Werte. Die Effizienz des überarbeiteten 2,2-Liter-Turbodiesels scheint ganz okay zu sein. Schön ruhig läuft er auch, allenfalls ganz oben neigt er zu etwas knurrigen Lebensäußerungen.

Zumindest bei Handschalter – sechsgängig und beim eD4 obligatorisch, für den Allrad-TD4 gibt’s auch eine Automatik – wird das Antriebsaggregat beim Ampelstopp automatisch kurz stillgelegt. Ebenfalls der sorgsamen Energienutzung zuträglich ist das Generator- und Batterie-Management. Wie heute immer öfter üblich, schiebt die „Lichtmaschine“ bevorzugt in den Motorschubphasen Strom in den Energiespeicher.

Die Fahrleistungen des Land Rover Freelander eD4 scheinen ausreichend. Die 110 kW/150 PS und 420 Nm starke Maschine macht den Softroader bis zu 181 km/h schnell. Den Standardsprint aus dem Stand auf 100 km/h erledigt der Wagen in 11,7 Sekunden. Erstaunlich: Trotz 75 Kilogramm Mehrgewicht erreicht der Allradler TD4 laut Werksmessungen exakt dieselben Fahrleistungskennzahlen. Zusätzlich zu der 150-PS-Version offerieren die Engländer einen 140-kW/190-PS-Treibsatz. Das ausschließlich mit einer weiterentwickelten Sechsstufenautomatik lieferbare Triebwerk entpuppt sich in dieser Kombination als feine Alternative zur Basiskost. Besonders die trotz erheblicher Mehrleistung um 500 auf 3500 Touren abgesenkte Nenndrehzahl lässt schon von der Papierform her auf den bulligen Charakter schließen. Das nominale Zugkraftmaximum hingegen wird für beide Motorvarianten einheitlich mit 420 Nm angegeben. Dass es auch einen Sechszylinder Benziner für den Freelander gibt, sei nur am Rande erwähnt.

An der Freelander-Karosserie hat sich ein wenig Schminke breitgemacht. Akzente soll ein neues Design an Frontstoßfänger und Kühlergrill setzen, dazu strahlt der Softie jetzt aus geänderten Front- und Heckleuchten. Im Innenraum bietet der Freelander 2011 verschiedene neue Designs und Bezüge der Sitze sowie eine neu gezeichnete Armaturentafel mit aufgefrischtem Look und besser ablesbaren Instrumenten. Der Freelander-Modelljahrgang 2011 kann ab sofort bei den deutschen Land-Rover-Händlern bestellt werden. In der Liste der unverbindlichen Preisempfehlungen markiert der Freelander eD4 in E-Ausstattung mit 28 200 Euro das günstigste Angebot.

Von HJ. Wildhage