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Auto & Verkehr Besser als der Elfer - der neue Cayman
Mehr Auto & Verkehr Besser als der Elfer - der neue Cayman
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00:00 23.02.2013
Der neue Cayman von Porsche ist extrem agil.
Der neue Cayman von Porsche ist extrem agil. Quelle: Hersteller
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Portimao

Caramba - was für eine Rennstrecke! Für die Präsentation des neuen Cayman hat sich Porsche mit dem Autódromo Internacional do Algarve bei Portimao, Portugal, einen der anspruchsvollsten Rundkurse Europas ausgesucht: schnelle Kurven, die in tiefe Täler abkippen, Kuppen, die geradeaus in den Himmel zu führen scheinen. Bernie Ecclestone möchte den Autódromo gerne für die Formel 1 haben. Doch heute sind wir hier unterwegs. Denn Porsche ist überzeugt, dass die zweite Generation des Cayman für die Kurve gebaut ist wie kaum ein anderer Sportwagen. Und auch Rennfahrerlegende Walter Röhrl, seit Jahren in Diensten der Schwaben, legt sich fest: „Der Cayman ist vom Handling her besser als der Elfer.“ Eine Aussage von einiger Sprengkraft. Denn dass der kleine Bruder des Elfers die Sportwagen-ikone in dieser Disziplin schlagen kann, stellt die Welt von Porsche auf den Kopf.

Natürlich hat der Sportwagenhersteller darauf geachtet, dass zwischen Cayman und Elfer noch ein Abstand bleibt: Der Elfer hat mehr Kraft, beschleunigt schneller und hat eine höhere Endgeschwindigkeit. Aber wer auf der Straße Spaß haben will, für den ist der extrem agile Cayman eine Alternative mit großer Sogwirkung. Dazu kommt, dass der Wagen ein ausgesprochen schönes Auto ist. Schöner als der Elfer.

Doch momentan macht Röhrl ein Gesicht, das Bedenken zeigt. Über Nacht hat es geregnet, die Strecke ist feucht. Hier mit einer Schar neugieriger Motorjournalisten durch die Gegend zu heizen ist nicht ohne Risiko. Also: Überholen ist verboten. Wir machen uns in Gruppen von je vier Autos auf den Weg.

Schon nach den ersten Kurven wird klar, um was für eine Art Sportwagen es sich beim Cayman handelt: Stocksteif liegt der Wagen auf der Fahrbahn und rührt sich auch nicht, wenn man ihn mit brachialer Gewalt behandelt. Vollgas und harte Tritte in die Bremsen setzt das Auto mit stoischer Gelassenheit um. Um die ist es allerdings in dem Augenblick geschehen, in dem man sich verbremst oder von der Ideallinie abkommt. Dann fängt das Heck auf der feuchten Fahrbahn doch verdächtig an zu wackeln, und man muss zusehen, dass man auf der Strecke bleibt. Während Röhrl in einem Elfer das Tempo vorgibt, ist es faszinierend, dabei zuzusehen, wie sauber und rund der Mann die an einigen Stellen gemeine Strecke nimmt. Wo man selbst doch einiges zu tun hat, um an ihm dranzubleiben. Über die Nordschleife des Nürburgrings hat ein Testfahrer den neuen Cayman in 7:55 Minuten geprügelt - elf Sekunden schneller als der Vorgänger.

Um die wirklich beeindruckende Performance zu erreichen, haben die Ingenieure in Weissach an diversen Stellschrauben gedreht. Die Karosserie wurde deutlich versteift, Türen und Heckklappe sind aus Aluminium. Der Wagen wiegt jetzt 1310 Kilogramm, was einem Leistungsgewicht von 4,8 Kilogramm pro PS (Cayman 202kW/275PS) bzw. 4,1 Kilogramm pro PS (Cayman S 239kW/325 PS) entspricht. Das Mittelmotorkonzept wurde nochmals optimiert, das Gewicht verteilt sich jetzt von 46 auf 54 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse. Das alles führt zu der beachtlichen Steigerung von Längs- und Querdynamik.

Doch die ganze Geschichte lässt sich noch weiter auf die Spitze treiben: Das PDK-Doppelkupplungsgetriebe, die mechanische Hinterachsquersperre und das Sport-Chrono-Paket mit diversen Abstimmungsmodi für Fahrwerk und Maschine setzen noch eins drauf. Zumal es im Sport-Plus-Betrieb noch diese knatternden Zwischengasstöße beim Herunterschalten gibt, die für Sportwagenfans wie Musik klingen.

Fairerweise muss man erwähnen, dass die Maschinen trotz der Leistungssteigerung sparsamer geworden sind - um bis zu 15 Prozent. Porsche gibt den Normverbrauch mit 8,2 bzw. 8,8 Litern (SechsGang-Handschaltgetriebe) an.

Als wir nach einigen schnellen Runden mit heiß gefahrenen Bremsen wieder in die Boxengasse einbiegen, zeigt der Bordcomputer einen Verbrauch von 21,3 Litern an. Tja, das muss einem der Spaß schon wert sein. Der hört allerdings schnell auf, wenn man einen Blick auf die Preisliste wirft: 51385 Euro für den Cayman und 64118 Euro für den Cayman S sind happig. Zumal es ganz einfach ist, an Sonderausstattungen für den optimalen Fahrspaß noch einmal 30000 Euro hinzublättern. Dann doch ein Elfer?

Gerd Piper