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40 Jahre NP Exklusiver Einblick: So arbeitet NP-Fotograf Rainer Dröse
Mehr 40 Jahre NP Exklusiver Einblick: So arbeitet NP-Fotograf Rainer Dröse
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16:33 26.10.2018

Und bereitwillig stehen sie für ihn bereit – Starkoch Alfons Schuhbeck, Gabi und Klaus Meine, Anke und Sigmar Gabriel, Dirk Roßmann und, und, und. Nur Frank-Walter Steinmeier wollte nicht – nützte ihm nichts. Dröse bekam einen Tipp, dass der Bundespräsident durch den Hintereingang kam. Abgelichtet. „Exklusiv“, sagt Dröse mit dem verschmitzten Lächeln.

Exklusiv – das liebt der 60-Jährige. Dafür bringt er eine Menge Geduld mit: „Sieben Stunden haben wir vor dem Hotel gewartet. Die hatten ja alle schon eingecheckt, und man weiß ja nie, wann einer wieder rauskommt.“

Der Trip nach Berlin war eine Kür. Eher Routine ist der Termin in der Oststadt. Es geht um eine Zwangsräumung. Eine kleine Menschenmenge steht vor einem Hauseingang. Dröse hält eine seiner beiden Kameras einfach mal hoch. Einmal draufgedrückt, fertig ist eine Reihe von Fotos. Zurück zum Auto, zurück in die Redaktion.

Genau 100 Fotos hat er so geschossen. Die schaut er sich in seinem abgedunkelten Büro an, löscht, sucht aus, entscheidet. „15 Bilder bleiben übrig“, sagt Dröse. Die stellt er in den sogenannten Pool – und die Kollegen können nun darauf zurückgreifen. Zuerst für  eine Online-Bildergalerie zum Beispiel. Dann für die gedruckte Ausgabe.
100 Fotos – klingt viel, ist es auf der anderen Seite aber nicht. Denn auf eine seiner Speicherkarten passen locker 2000 drauf. „Das macht das Arbeiten natürlich viel einfacher. Man kann einfach draufhalten – und hat eine Menge Bilder.“

100 Fotos – das war früher fast undenkbar. In einer Zeit, in der mit Filmen gearbeitet wurde, und die in den 90er-Jahren endete. Wer kennt das nicht noch aus dem Sommerurlaub? „Da waren 36 Bilder auf einem Film. Da musste man sich genau überlegen, welches Motiv man nimmt.“ Der Film ging ins Fotolabor, dann wurden auf dem Negativ Fotos ausgesucht. Und abends mussten die Fotografen halt noch selber entwickeln. Das dauerte. Heute geht’s dagegen um Schnelligkeit: „Das ist das Wichtigste. Bilder schnell ab­setzen, am besten mit einem Laptop ins Redaktionssystem.“ Sei es vom Hotel Adlon oder aus der Oststadt.

Die digitale Welt bringt neue Aufgaben mit sich – neben dem Fotografieren auch noch ein Video drehen. Alles für den modernen Internetauftritt der Neuen Presse.
Sein Fotografen-Leben ist dennoch leichter geworden durch die Digitalisierung: „Klar ist es einfacher geworden, die Bilder sind nun auch qualitativ besser.“ Aber die neue Qualität birgt auch Gefahren – Fotos können schneller bearbeitet werden. Da gibt der NP-Fotochef aber eine klare Linie vor: „Wer ein Bild verändert, hat bei uns keine Zukunft!“

Rainer Dröse ist im kommenden Jahr vier Jahrzehnte  dabei. Sein Berufsleben präsentiert er auf Fotos. Sein Start am 1. September 1979 bei der damals noch jungen Neuen Presse war für den Polizeifotografen gleich ein schauriger: „In Mardorf wurde eine Reiterin vom Pferd gezogen, vergewaltigt und er­mordet.“

Das Verbrechen blieb lange sein Begleiter. Dazu kamen Einsätze in Gorleben, das Gladbeck-Drama erlebte er, er schickte von den Chaostagen in der Nordstadt Bilder, „die um die Welt gingen, sogar in China haben sie das gedruckt“. Nach der Bahnkatastrophe in Eschede reichte es ihm: „Irgendwann macht es dich kaputt, dann hältst du das nicht mehr aus.“ Dann lieber Promis.

Volontiert hat er in Celle. Damals besuchte die britische Königsfamilie die dort stationierten britischen Soldaten – und Dröse entdeckte seine Leidenschaft fürs Adelsgeschlecht. Die 1981 einen Höhepunkt erlebte – er reiste zur Hochzeit von Prinzessin Diana für die NP nach London. Und auch bei der Trauung von William und Kate war er dabei.

Auch heute gilt: Termine mit Gerhard Schröder, Christian Wulff, Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe oder Angela Merkel auf der Messe sind Pflicht für Dröse. Dann kommt er auch gern zu den Kollegen an den Newsdesk und wirbt dafür, dass sein Schuss Titelbild wird. Vor allem, wenn das Foto exklusiv ist.

Von Christian Lomoth