Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Hannover Sommerfest für Drogenabhängige
Hannover Sommerfest für Drogenabhängige
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:35 25.08.2019
Hannover, Sommerfest Neues Land, Raschplatzbrücke, Kontaktcafé Bauwagen (Foto: Frank Wilde) Quelle: Frank Wilde
Anzeige
Hannover

Bratwürstchen liegen auf dem Grill unter der Raschplatzbrücke, Musik schallt von der kleinen Bühne daneben und die aufgestellten Bierzeltgarnituren sind voll besetzt. Der Verein „Neues Land“ feiert mit ca. 200 Besuchern aus der Drogen- und Obdachlosenszene Hannovers zum 25. Mal sein Sommerfest. Es ist gleichzeitig auch der Abschluss der „Summer in the city“-Woche.

Etwa 60 Ehrenamtliche aus ganz Deutschland haben sich dieses Jahr daran beteiligt. „Ich war sehr überrascht über die große Offenheit in der Szene“, erzählt Michael Lenz (48), Mitarbeiter im Neuen Land. Täglich sind die Ehrenamtlichen zu den Brennpunkten der Hannoverschen Drogenszene gegangen, wie zum Beispiel dem Stellwerk, dem Raschplatz oder dem Steintor. „Überall war es so, dass wir direkt in tiefere Gespräche gekommen sind und das einige Leute auch von Plänen berichtet haben, dass sie gern aus der Sucht aussteigen würden“, so Lenz.

Anzeige

Drogenszene ist brutaler geworden

Dabei fragen die Helfer Betroffene auch immer wieder, was ihnen helfen würde und was sie brauchen. „Wir waren dieses Mal sehr erschrocken über den Zustand vom Stellwerk, also der Bereich hinter dem Amtsgericht“, berichtet Lenz, „Die Drogenszene ist nicht nur größere geworden, sondern auch brutaler, menschenentwürdigender“.

Lenz sieht dabei auch bei den Dealern einen entscheidenden Part. „Wir haben auch eine Person erlebt, die wir hier am Bahnhof in einen Zug gesetzt haben, weil sie in unsere Therapieeinrichtung zurückkehren wollte“, erzählt Lenz, „Der Dealer, der für diese Person vor einigen Wochen „zuständig“ war ist in den Zug mit hinein und hat die Person dann quasi wieder zum Drogenkonsum überredet“, so Lenz weiter. Die Drogenhändler seien aggressiver und aufdringlicher geworden, was Lenz auch als eine Ursache für die Probleme rund um den Hauptbahnhof sieht. Zudem habe die Schließung von „Connection“ dazu geführt, dass eine Art der soziale Kontrolle von einem Brennpunkt der Szene verschwindet.

Mehr Crack und Koks

Auch die vermehrt konsumierten Drogen könnten im Zusammenhang mit der steigenden Aggressivität stehen. „Crack und Koks, das ist ja auch eine Drogensubstanz, die sehr aggressiv und heftig wirkt“, erklärt Lenz. Diese Stoffe werden in der Szene vermehrt konsumiert. „Das sind so ein bisschen auch „Modeerscheinungen“, was gerade gut auf dem Markt in Amerika geht, kommt auch bei uns an“, sagt Peter Zwecker (39), er ist zum 19.Mal ehrenamtlich bei „Summer in the city“ dabei. „Crack betäubt, es lässt kurz vergessen“, beschreibt Zwecker die Wirkung der Droge. Dabei sind nicht nur Obdachlose Konsumenten, sondern zum Beispiel auch Berufstätige, die die Substanz nutzen, um ihre Leistung zu halten. „Es geht wirklich durch jede gesellschaftliche Schicht“, so Zwecker.

Mit den verschiedenen Mitgliedern der hannoverschen Szene wollten die Ehrenamtlichen in der „Summer in the city“-Woche in Kontakt kommen. Dabei haben sie jeden direkt zum Sommerfest am Bauwagen eingeladen. „Was uns als „Neues Land“ ganz wichtig ist, sind die konsumfreien Räume“, erzählt Lenz. Der Bauwagen sei ein solcher Raum, wo auch Kontakte zu anderen, nicht drogenabhängigen Personen, geknüpft werden können. So sollen auch die Nichtabhängigen ihre Ängste vor den Betroffenen abbauen können. „Es ist wichtig, die Angstschwelle zu überwinden und in dieser Begegnung mit den Menschen festzustellen, ja, das sind ganz normale Menschen“, sagt Jörg Macheil (47), Pastor der Koinonia Gemeinde, der ehrenamtlich bei der Aktion dabei ist. Gespräche und das Gefühl dazu zu gehören, sei für von der Sucht betroffene sehr wichtig. „Man kann mit schon mit einem zehnminütigen Gespräch soviel verstehen“, so Zwecker.

Von Stella-Sophie Wojtczak

24.08.2019
19.08.2019
12.08.2019