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Meine Stadt Zum Schein selbstständig?
Hannover Meine Stadt Zum Schein selbstständig?
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00:18 23.09.2017
  
   Quelle: picture alliance / dpa
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hannover

 Der hannoversche Verkaufssender Channel 21 bringt normalerweise Halsketten oder Kochgeschirr an die Frau. Nun trennte sich die Firma von Jörg Lienau (44, Name geändert). Ein teurer Deal für den Sender. Der Bildingenieur war 15 Jahre für das Unternehmen tätig. Channel-21-Anwalt, Martin Cohnen, meinte: „Der Kläger hat einen Kollegen beleidigt.“ Alle anderen Mitarbeiter könnten mit dem cholerischen Mann nicht mehr zusammenarbeiten. In Briefen wird seine Unpünktlichkeit und ungebührliches Verhalten beschrieben. Der Anwalt des Technikers, Michael Timpf, hält diese Bekundungen für inszeniert. Als Freiberufler hätten die Kollegen selbst Angst um ihren Job. Deshalb machten sie gute Miene zum bösen Spiel.

Doch die Kündigung aus dem Februar war nicht das Entscheidende. Viel wichtiger ist: War Jörg Lienau freier Mitarbeiter oder scheinselbstständig? Sein Anwalt zählt auf: „Er war in Dienstplänen aufgeführt. Er benutzte die Arbeitsmittel des Arbeitgebers und war weisungsgebunden.“ Zudem handle es sich um eine rein technische Tätigkeit „mit null Kreativität“. Anwalt Cohnen hielt dagegen. Da der Mitarbeiter die Bildregie geführt habe, sei er sehr voll kreativ tätig und nicht an Weisungen gebunden gewesen. Außerdem seien die Mitarbeiter im Studio aus freien Stücken freiberuflich tätig. „Ihr Verdienst ist so viel höher“, meint Cohnen. Der Kläger verdiente für zwölf Tage Arbeit im Monat 4583 Euro netto. Anwalt Timpf erklärte, dass sein Mandant seit 2015 nur noch Channel 21 als Arbeitgeber gehabt hätte. Arbeitsrichter Michael Seutemann: „Ich habe Zweifel an der freien Mitarbeiterschaft.“ Auch mit der außerordentlichen Kündigung sehe er Probleme. Allerdings halte er es nicht für sinnvoll, wenn der Beschäftigte ins Studio zurückkehre. Also gab es einen Vergleich. Der Gesprächsverlauf verkürzt wiedergegeben: Arbeitgeber: 20 000 Euro. Kläger-Anwalt: Nicht attraktiv! 60 000 Euro. Arbeitgeber-Anwalt: 40 000 Euro. Richter: Ein Vergleich ist für beide Seiten sehr sinnvoll. Ich schlage 50 000 Euro vor.

Das akzeptieren beide Seiten. Beide Seiten haben jetzt zwei Wochen Zeit, den Vergleich zu akzeptieren.

Von Thomas Nagel