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Meine Stadt Zu strenger Brandschutz in Hannover?
Hannover Meine Stadt Zu strenger Brandschutz in Hannover?
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13:11 16.05.2019
Wird teuer: Der Brandschutz im Sprengel-Museum. Nur ein Beispiel, das zeigt, wie die Auflagen die Kosten explodieren lassen. Quelle: Foto: Behrens
Hannover

Allein beim Sprengel-Museum sind die Kosten für den Brandschutz von vier auf elf Millionen Euro explodiert. Und auch für private Bauherren sind die Auflagen immer wieder ein teures Ärgernis. Sind die Anforderungen übertrieben? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Politik am Mittwoch im Bauausschuss.

Die CDU hatte das Thema auf die Tagesordnung gesetzt und Experten dazu eingeladen. Die hatten viel Kritik mitgebracht. „Die Anforderungen werden immer höher“, beklagte der Ingenieur Ralf Abraham, der sich auch in der Architektenkammer Niedersachsen engagiert. Durch die Vorgaben in der Niedersächsischen Bauordnung reduziere sich der „Ermessensspielraum auf Null“.

Laut dem Architekten Willy Dittmar ist ein großes Problem, dass sich bei der Stadt „die Feuerwehr und die Bauordnung die Verantwortung gegenseitig zuschieben“. Es sei „nicht festzustellen, dass da ein Zusammenwirken passiert“.

Der Wuppertaler Brandschutzexperte Matthias Dietrich ist selbst in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Aus seiner Sicht lässt sich „das Restrisiko nie auf Null reduzieren“. Er wies darauf hin, dass es pro Jahr in Deutschland nur 400 Tote durch Brände gebe. Im Verkehr seien es 3200. Ohnehin seien „die meisten Brandtoten beim Eintreffen der Feuerwehr bereits verstorben“.

Wie hoch die Hürden durch den Brandschutz im privaten Wohnungsbau sind, machte Friedhelm Birth vom hannoverschen Architekturbüro „bauart“ deutlich. Vor allem, wenn es um den Ausbau von Dachgeschosswohnungen gehe. Birth sieht darin ein „riesiges Potenzial“ zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Allein in seinem Architekturbüro habe es jedoch in den letzten zwei Jahren 17 Beispiele gegeben, bei denen der Ausbau von Dachgeschossen am Brandschutz scheiterte.

Etwa in der Jakobistraße. Dort hätte die Feuerwehr keine Einwände gehabt, wenn Bäume am Gebäude regelmäßig beschnitten würden. Das allerdings habe der städtische Fachbereich Umwelt- und Stadtgrün abgelehnt.

Lars Kelich, baupolitischer Sprecher der SPD, sah in der von der CDU initiierten Expertenreunde „Theoretiker, die vor allem Gutachten erstellen“. Für ihn ist das Thema „eine moralische Frage. Da bin ich eher auf der Seite vom Brandschutz und der Feuerwehr“, sagte er.

Brandschutzexperte Dietrich betonte, dass „hier niemand mit Menschenleben spielt“. Viele Anforderungen im Brandschutz hätten jedoch „nur einen Placebo-Effekt“. Er glaubt, dass die Anforderungen auch deshalb so hoch seien, „weil in der Brandschutzbranche unendlich viel Geld verdient wird“. Offenbar steckt dahinter auch erfolgreiche Lobbyarbeit. „Die Firmen schreiben zum Teil ihre Normen selbst“, sagte Dietrich.

„Für die Landeshauptstadt Hannover hat die Sicherheit von Personen, die sich in Bauwerken in Hannover aufhalten, oberste Priorität“, teilte Stadtsprecherin Michaela Steigerwald mit.

Der Rückgang der Brandtoten von über 800 Personen im Jahr 1992 in Deutschland auf 300 bis 400 pro Jahr seit 2006 zeuge davon, dass das mitunter kritisierte strenge gesetzliche Schutzniveau „durchaus erfolgreich ist“.

Die Verwaltung vermutet, dass „durch eine Deregulierung im Bereich des Brandschutzes aus wirtschaftlichen Aspekten“ die Folgekosten für Bauherren und Sachverständige stiegen. Als Gründe dafür führt sie „Planungsunsicherheit“ und „erhöhte Haftungsrisiken sowie durch mögliche Brände verursachte Kosten“ an.

Von Christian Bohnenkamp

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