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Meine Stadt Zu hohe Miete: Fleischerei Rohde in Hannover schließt
Hannover Meine Stadt Zu hohe Miete: Fleischerei Rohde in Hannover schließt
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19:44 21.04.2014
CHEFIN: Doris Jeske steht seit zehn Jahren hinter dem Tresen der Fleischerei Rohde. Jetzt soll sie 80 Prozent mehr Miete zahlen - das geht nicht. Quelle: Nigel Treblin
Hannover

Zehn Jahre lang verkauften Doris Jeske und ihre Mitarbeiterinnen selbstgemachte Lammbratwürste, Lammkeulen und Mortadella. Nun läuft der Mietvertrag aus und der neue Eigentümer möchte fast 80 Prozent mehr Miete im Monat haben. „Das können wir nicht machen“, sagt „Frau Jeske“ - deren Name über die Nordstadt hinaus schon längst eine richtige Marke geworden ist.

Vor 25 Jahren übernahmen Frau Jeske und ihr Mann den Betrieb ihrer Eltern. Den betreiben sie auch heute noch, unter altem Namen - Fleischerei Grotefendt in Anderten. Seit 40 Jahren stehen sie mit Ständen von Grotefendt auf Märkten. Beides bleibt mit gewohnter Qualität bestehen. Ebenso die Produktionsstätte in Linden. Nur das Hauptgeschäft mit seinem Charme aus vergangenen Jahrzehnten wird geschlossen.

An der Decke hängen noch Rotwürste zum Trocknen, der Tresen ist voll mit Wurstwaren und feinstem Fleisch. In der Küche in einem der hinteren Räume stehen alte Kaffeetassen mit Goldrand auf dem langen Tisch. Nebenan im Büro gibt es ein altes Sofa und schwere Schränke aus dunklem Holz. Der frühere Inhaber Gerhard Rohde macht dort noch immer die Buchführung: „Jetzt sitzt der ständig dahinten und ist traurig, und vor dem Laden steht meine Verkäuferin und weint“, erzählt Frau Jeske. Da zeige sie den beiden aber den Vogel - „die sollen arbeiten.“ Im Fenster hat die Inhaberin einen Zettel mit der Erklärung, warum sie schließt, aufgehängt. „Der Vermieter ist darüber nicht so glücklich“, sagt sie und macht mit der Hand eine Geste, die zeigt, dass ihr das herzlich egal ist.

Frau Jeske hat nicht nur bei der Herstellung von Fleischwaren eine klare Linie: „Was ich will, das will ich.“ Da müsse sich selbst ihre Familie fügen. Jeskes Mann, die beiden Söhne und eine Schwiegertochter arbeiten mit im Geschäft. Fünf Verkäuferinnen werde sie wegen der Schließung nun kündigen müssen - das falle ihr sehr schwer. Andere, so hoffe sie, gehen mit ihr auf die Marktstände am Moltkeplatz (List), in Misburg und am Klagesmarkt: „Und wenn ich jetzt nicht mehr jede Nacht um drei Uhr im Laden anfange, nehme ich mir die Zeit, den alten Stammkundinnen, die nicht mehr ausreichend laufen können, die Sachen zu liefern.“ Sie könne denen doch nicht zumuten, dass die nach 30 Jahren auf einmal im Supermarkt kaufen müssen - „die wissen doch gar nicht, wo da was steht“.

Eva-Maria Weiß