Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hindenburgstraße: Politik stimmt für Umbenennung
Hannover Meine Stadt Hindenburgstraße: Politik stimmt für Umbenennung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 23.08.2018
Bekommt einen neuen Namen: Die Hindenburgstraße im Zooviertel. Das hat der Bezirksrat Mitte in seiner Sitzung am Montag beschlossen.
Bekommt einen neuen Namen: Die Hindenburgstraße im Zooviertel. Das hat der Bezirksrat Mitte in seiner Sitzung am Montag beschlossen. Quelle: Dröse
Anzeige
Hannover

 Paul von Hindenburg taugt aus Sicht des Bezirksrates Mitte nicht mehr als Namensgeber für eine Straße in Hannover. In seiner Sitzung am Montag hat das Gremium die Umbenennung der Straße im Zooviertel beschlossen.

Die SPD hatte das Thema auf die Tagesordnung gesetzt, nachdem bereits im Herbst 2015 eine vom hannoverschen Rat eingesetzte Kommission die Umbenennung der Straße empfohlen hatte. Hindenburg habe Adolf Hitler in seiner Funktion als Reichspräsident zur Macht verholfen und sei „einer der maßgeblichen Verbrecher, die die Weimarer Demokratie beseitigt haben“, sagte SPD-Mann Michael Sandow.

Seine Fraktion wirft Hindenburg zudem Kriegsverbrechen im Ersten Weltkrieg vor. Außerdem habe dieser 1933 gemeinsam mit Hitler auf Plakaten Wahlwerbung für die NSDAP gemacht. „Wir möchten, dass eine der schönsten Straßen Hannovers einen besseren Namen bekommt“, erklärte Sandow.

Die Grünen sehen das genauso. „Schwer belastet“ sei dieser, sagte ihr Vertreter Fabian Feil. Er findet es „erschütternd, dass es noch nicht dazu gekommen ist, die Straße umzubenennen“.

Für eine Mehrheit hätten die Stimmen von SPD und Grünen allerdings noch nicht gereicht. Diese kam zustande, weil auch die Parteilose Gunda Pollok-Jabbi für eine Umbenennung votierte – wie auch der Linke Axel Hogh. „In einer Zeit, in der die AfD im Bundestag sitzt, sind wir aufgefordert, Stellung zu beziehen“, forderte Pollok-Jabbi. Auch Hogh sah „gute Argumente für die Umbenennung“.

Anders CDU, FDP und Piraten. Die Parteien lehnten eine Umbenennung ab. Ihnen hätte es gereicht, ein Schild anzubringen, das auf das problematische Wirken Hindenburgs hinweist. Zudem forderten sie, die Bürger in der Straße dazu zu befragen.

CDU-Vertreterin Katja Sommer, selbst Geschichtslehrerin, forderte, „nicht alles zu verdrängen, was nicht in unser Wertekonzept passt“. Ihr Parteikollege Joachim Albrecht verteidigte Hindenburg, weil dieser zunächst lange versucht habe, Hitler als Reichskanzler zu verhindern. FDP-Fraktionschef Rolf Schmidt kritisierte, dass es vor allem die SPD nicht Ernst nehme mit der Bürgerbeteiligung, die diese sonst immer fordere.

Zumindest bei der Suche nach einem neuen Namen sollen nach Vorstellung der SPD allerdings „die Anwohner mit einbezogen werden“, verspricht Sandow. Zudem kann sich auch seine Fraktion eine Informationstafel zu Hindenburg vorstellen, die sich mit dessen Geschichte auseinandersetzt.

Von Christian Bohnenkamp