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Meine Stadt Zoff um Bumke-Bau: Bürger steigen aus Dialog mit Investor aus
Hannover Meine Stadt Zoff um Bumke-Bau: Bürger steigen aus Dialog mit Investor aus
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00:23 29.06.2019
Protest in der Nordstadt: Das Wohnbauprojekt auf dem Bumke-Gelände sorgt für Zoff. Bürger kritisieren das Beteiligungsverfahren. Quelle: André Pichiri
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Hannover

Ein Wohnungsbauprojekt spaltet die Nordstadt. Die Bürgerbeteiligung zum geplanten Wohnquartier auf dem ehemaligen Bumke-Gelände (Engelbosteler Damm) hat noch gar nicht richtig Fahrt aufgenommen, da sind die ersten Beteiligten zumindest vorerst schon wieder abgesprungen. Demonstrativ verließen Teile der engagierten Bürgerschaft am Montag die zweite öffentliche Diskussionsrunde. Zu groß ist weiterhin das Misstrauen gegenüber dem Investor Theo Gerlach Wohnungsbau.

Wer soll das bezahlen? Diese Frage steht bei vielen Nordstädtern über allem. Die Initiative „Bumke selber machen“ und das Jugendzentrum Korn etwa fürchten, dass Mieten in dem neuen Quartier explodieren könnten, wenn von privater Hand gebaut wird. Sie fordern unter anderem dauerhaft preiswerten Mietwohnraum, vielfältige Wohnformen, gemeinnütziges Wohnen, nichtkommerzielle Räume und Flächen für Begegnung und Kommunikation.

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Investor nennt keine Zahlen

Entsprechend aufgeheizt war die Stimmung bei der Veranstaltung in der Christuskirche. „Wir wollen nicht wissen, ob hier am Ende Häuser mit roten oder gelben Steinen stehen. Wir wollen wissen, was das kostet?“, stellte eine aufgebrachte Bürgerin klar. Die Forderung von „Bumke selber machen“: Der Investor müsse offen legen, was er für das Gelände samt Immobilien bezahlt hat, damit die Öffentlichkeit Rückschlüsse auf das zu erwartende Niveau Miet- oder Kaufpreise ziehen könne. Gerlach-Geschäftsführer Helmut Kummer ließ sich nicht darauf ein. Als „abwegig“ bezeichnete er auch die zweite Forderung, stattdessen die Bürger ein eigenes Konzept ausarbeiten zu lassen, bei dem der Investor außen vor bleibt. „Wir reichen doch die Hand und beziehen alle ein. Als Bauherr nehme ich es mir aber durchaus heraus, hier mit am Tisch zu sitzen“, hielt Kummer dagegen. Die Kritiker hatten genug gehört und verließen aus Protest die Veranstaltung.

Das Bumke-Gelände: Auf 8300 Quadratmetern will Investor Theo Gerlach Wohnungsbau ein neues Wohnquartier errichten. Quelle: Foto: Katrin Kutter

Enttäuscht reagierte Bezirksbürgermeisterin Edeltraut Geschke (SPD) auf den Ärger: „Bei den Arbeitskreisen haben die Leute noch engagiert mitgearbeitet und Vorschläge zur Gestaltung eingebracht. Dass sie den Prozess jetzt abbrechen wollen, finde ich schade.“

Gerlach-Wohnungsbau hatte das 8200 Quadratmeter große Areal Ende 2017 vom Elektro-, Heizungs- und Sanitärgroßhandel Hermann Albert Bumke gekauft, der wegen der beengten Verhältnisse und der nicht mehr zeitgemäßen Gewerbebauten in ein Gewerbegebiet in Groß Munzel zieht. Um das Gelände in ein Wohnquartier zu verwandeln, muss der Bebauungsplan geändert und ein städtebaulicher Vertrag zwischen Stadt und Investor geschlossen werden.

Stadt will mindestens 30 Prozent sozialen Wohnungsbau

Mindestens 30 Prozent sozialer Wohnungsbau – mit dieser Position gehe laut Stadtbaurat Uwe Bodemann die Stadt in die weitere Planung. Dass diese günstigen Wohnungen durch teurere Wohnungen querfinanziert werden müssten, sorgte wiederum für Unruhe bei den Bürgern. „Die werden sich ein Großteil der Nordstädter nicht leisten können“, warf ein Anwesender ein. Als „hanebüchenen Blödsinn“, bezeichnete dagegen Rats- und Bezirksratsmitglied Robert Nicholls (SPD) die Vorstellung von unbezahlbaren Mieten, die den sozialen Wohnraum querfinanzieren müssen: „Dafür stellen wir jede Menge Geld in den Haushalt ein. Was gibt es daran nicht zu verstehen?“

Bumke-Fassade am Engelbosteler Damm: Der Großhändler zieht um und hat sein Areal in der Nordstadt verkauft. Quelle: Tim Schaarschmidt

Schließlich stellte die Architekten von „Gruppeomp“ vor, wie das Konglomerat aus verschiedensten Gebäuden in ein modernes Wohnquartier verwandelt werden könnte. Geschäftsführer Sven Martens machte kein Hehl daraus, dass dies ohne Abriss der Bestandsgebäude „schwierig“ wird. Zu dunkel, ungünstig geschnitten und angeordnet seien die Häuser. Auch die heutigen Brandschutzauflagen würden die Gebäude nicht mehr erfüllen.

Stattdessen stellten die Architekten anhand von Modellen vier mögliche Varianten für das neue Wohnquartier vor. Hoch und eher luftig, oder weniger Geschosse und dafür stärker verdichtet – je nach Variante könnten zwischen 95 bis 120 Wohnungen (68 Quadratmeter Durchschnittsgröße) entstehen. Mal sehen sie größere öffentliche Flächen vor, mal liegt der Schwerpunkt auf einem eher privaten Quartier-Charakter. Auch die Menge an potenziellen Gewerbeflächen und der Anteil versiegelter Flächen variiert. „Noch ist das aber alles nur Papier“, betonte Stadtbaurat Bodemann. „Diese Variantendiskussion müssen wir jetzt erstmal gemeinsam führen.“

Ob dabei künftig auch wieder Vertreter von „Bumke selber machen“ mit am Tisch sitzen, ist offen. Auf NP-Nachfrage sagte Bodemann am Dienstag, dass mit ihnen ohnehin ein Gespräch vorgesehen war. Die Verwaltung werde in den nächsten Tagen auf die Initiative zugehen, um das Gespräch zu terminieren. „Wir sind sehr daran interessiert, dass die Initiative weiter in den Prozess involviert ist. Wie das geschehen kann, wird sich aus den Gesprächen ergeben“, so der Stadtbaurat.

Von André Pichiri