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Meine Stadt Zeugen Jehovas fassen Mut bei Kongress in Hannover
Hannover Meine Stadt Zeugen Jehovas fassen Mut bei Kongress in Hannover
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00:17 02.07.2018
MIT BABY: Catarina Mauerberger will beim Kongress „Kraft schöpfen“.
MIT BABY: Catarina Mauerberger will beim Kongress „Kraft schöpfen“.
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Hannover

„Auf Gottes Reich die Zeichen weisen deutlich. Wir helfen gern, sie zu verstehen. Richtet euch auf, denn Gott wird bald befreien!“ Der Gesang von knapp 9000 füllt die Tui-Arena. Aus ganz Niedersachsen, Nordhessen, Sachsen-Anhalt, Bremen und Ostwestfalen sind Gläubige gekommen – zum dreitägigen Kongress der Zeugen Jehovas. Unter dem weltweiten Motto „Sei mutig“ will man hier noch bis Sonntag Texte aus der Bibel sowie Vorträge hören und neue Gläubige im großen Becken taufen.

Die Bibel ist wichtig. Sie ist immer mit dabei, wenn sich die Zeugen auf den Rängen der Arena versammeln. Inzwischen vor allem digital, fast jeder Besucher hat ein Tablet oder ein Handy auf dem Schoß. Die entsprechende App mit der Neue-Welt-Übersetzung könne sich jeder öffentlich herunterladen, erklärt Tanja Gräf, die Besucher von der Presse über den Kongress begleitet.

Vorne auf der Bühne steht der „reisende Prediger“ und Vorsitzende des Kongresses, Peter Serafin. Über die große Leinwand lächelt er die Gemeinschaft an, während er davon spricht, dass echter Mut nur von Jehova kommt. Zitiert er eine Bibelstelle, schlagen die Gläubigen digital nach. „Wir prüfen gerne nach, ob die Stelle richtig wiedergegeben wird“, erklärt Sprecherin Gräf.

Die große Arena ist schon zu Beginn des Kongresses am morgen fast gefüllt – einen Zustand, wie ihn sich so mancher Pfarrer für den sonntäglichen Gottesdienst in seiner kleinen Kirche nur wünschen kann. Ebenfalls auffällig: Die Zeugen Jehovas sind fast ausnahmslos adrett gekleidet: Die Männer in Hemd und Krawatte, die Frauen in schicken Sonntagskleidern, auch die Kinder werden in der Regel herausgeputzt. Zur Anbetung gehöre, dass man sich schön macht, erklärt Gräf. „Für uns ist der Kongress ein Feiertag.“

Bereits zum fünften Mal füllt man die Tui-Arena. Oliver Schubert, einer der Pressesprecher: „Die Kongresse selber gehen bis auf die Gründung in das 19. Jahrhundert zurück.“ In Hannover versammle man sich seit den 1930ern. „Mutig sein“, wie es das diesjährige Motto vorgibt, sei aktueller denn je, glaubt auch Kongress-Sprecher Ruben Gräf. „Es braucht Mut in einer Welt, in der es immer schwerer wird, für seinen Glauben einzustehen.“ Das wisse man als Zeuge Jehovas, schließlich gehe man auf andere Menschen zu, um sie vom eigenen Glauben zu überzeugen. Und noch einmal: „Das erfordert Mut.“

Vielleicht mehr Mut, denn je. Denn die Zahl der Zeugen Jehovas in Deutschland stagniert bei rund 163 000 (Zahl aus 2014), weltweit werden etwa 7,8 Millionen Mitglieder gezählt. Neue Täuflinge sind da willkommen.

In der Tui-Arena sollen es diesmal etwa 30 sein. Sie werden am heutigen Samstag in einem großen Pool ganz unter getaucht – und so getauft. Babys sind nicht unter den Täuflingen. „Wir lehnen die Kindertaufe ab. Der Mensch soll sich bewusst entscheiden können“, sagt Ruben Gräf.

Bewusst entschieden hat sich vor Jahren schon Catarina Mauerberger aus Sarstedt, die gerade ihre kleine Tochter vor der Halle wiegt. Auf dem Kongress könne sie „Kraft schöpfen und viel über Jehova lernen“, sagt die 30-Jährige. Und wie versteht sie das Motto des Kongresses? Mut brauche man heutzutage in vielen Richtungen – „nicht nur religiös“, sagt sie.

Peter Wollenberg aus Kassel besucht seit 20 Jahren die Kongresse. Er weiß: „Man ist mutig, wenn man als Zeuge Jehovas Menschen anspricht.“

Von Simon Polreich