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Meine Stadt Wünschewagen: Vor dem Sterben noch einmal fliegen
Hannover Meine Stadt Wünschewagen: Vor dem Sterben noch einmal fliegen
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18:56 01.11.2018
Einmal mit dem Zeppelin fliegen: Fahrgast Julius, links ASB-Helferin Andrea Lutter und rechts Wünscheerfüller Robin Pardey aus Hannover. Quelle: ASB
Hannover

„Am Ende des Tages war er total glücklich und sagte: ,Das war so ein geiles Ding, das hat solchen Spaß gemacht’. Und er ging freudestrahlend ins Haus.“ Robin Pardey (21) hat dem siebenjährigen Julius zu diesem Strahlen verholfen, denn der Student arbeitet ehrenamtlich für den Wünschewagen des niedersächsischen Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) und hat Julius mit anderen ASB-Helfern zusammen seinen letzten Wunsch erfüllt. Für Julius wird es vermutlich nicht mehr viele Tage geben, da zählt jede Stunde, die besonders ist. Die Fahrt mit dem Zeppelin war für den krebskranken Jungen so besonders, dass er seine tödliche Krankheit zwischendurch vergessen konnte. Ein unbezahlbarer Moment. Für ihn. Für seine Eltern. Und für Robin Pardey.

Mit 99 Jahren noch einmal ins Geburtshaus

Am 2. November gibt es den niedersächsischen Wünschewagen schon ein ganzes Jahr lang. Julius war nicht der Einzige, auch nicht der jüngste Gast. Die ebenfalls schwer an Krebs erkrankte Josie aus Edemissen bei Peine war vier Jahre alt. Der Wünschewagen fuhr sie mit Schwester Lina und den Eltern Janina und Björn Vieregge zum Flughafen Hannover, wo eine Rundfahrt, die Besucherplattform und der Flugsimulator auf die Kleine warteten. Die Älteste war eine 99-jährige krebskranke Frau aus Hannover, die noch einmal ihr Geburtshaus in Marburg besuchen wollte. „Es gab auch eine Fahrt, als eine alte Dame noch ein letztes Mal das Meer sehen wollte“, erzählt Robin Pardey über die Fahrt eines Kollegen. „Sie hatte noch diesen schönen Tag und ist dann am selben Abend eingeschlafen.“

„Es ist einfach ein tolles Projekt“

Wenn er nicht mit dem Wünschewagen (in den Semesterferien) unterwegs ist, dann studiert Ron Pardey Medienmanagement in Hannover. „Wenn es zeitlich möglich ist, bin ich auch bei weiteren Fahrten mit dem Wünschewagen dabei.“ Wieder mit sterbenskranken Menschen unterwegs, wieder mit dem Tod konfrontiert. Warum macht so ein junger Mensch das? „Es ist einfach ein tolles Projekt. Würde es mich treffen, wäre ich auch froh, wenn sich jemand so um mich kümmern würde.“ Außerdem mache es ihm klar, „wie wichtig es ist, jeden Tag seines Lebens zu nutzen und zu leben. Das Leben als etwas besonderes zu sehen“.

Drang zum Ehrenamt durch Erziehung

Der ausgebildete Sanitäter Robin Pardey meint, als Studierender könne er nicht mit Geldspenden helfen, „aber ich kann meine Zeit spenden für Menschen, die vom Schicksal schwerer gebeutelt sind. Mir geht es doch gut“. Und was sagen seine Eltern? „Der Drang zum Ehrenamt kommt schon durch meine Erziehung. Ich bin auch bei der Freiwilligen Feuerwehr in Wülferode, ich komme halt vom Dorf, da hilft man sich gegenseitig.“ Diese Selbstverständlichkeit ist in Zeiten der Konsumfreude durchaus nicht selbstverständlich. Aber der 21-Jährige meint: „Würde ich jetzt irgendwo Regale einräumen, bekäme ich Geld dafür. Aber von dem, was ich da kriege, habe ich weniger als von einem Tag mit Julius.“

So können Sie helfen

Seit November 2017 erfüllt der ASB Niedersachsen mit seinem Wünschewagen letzte Wünsche von schwerstkranken und sterbenden Menschen, 81 Fahrten gab es bisher mit insgesamt 84 ehrenamtlichen Wunscherfüllern. Viele von diesen sind ausgebildete Rettungssanitäter, kommen aus der Pflege und auch der Hospizarbeit. 127 Anfragen für die „letzte Fahrt“ gab es bisher –in einigen Fällen verstarb der Fahrgast zuvor oder der Arzt gab kein grünes Licht für eine solche fahrt. „Wunschfahrten“ führen die Reisenden an Sehnsuchtsorte wie dem Meer, die alte Heimat oder auch zu einem Fußballspiel des Lieblingsvereins – und wenn der gesundheitliche Zustand es erfordert, auch im Rollstuhl oder mit Beatmungsgerät und Magensonde. Denn das Fahrzeug ist ein auf die speziellen Bedürfnisse der Fahrgäste konstruierter Krankentransporter. Ausgerüstet ist er mit notfallmedizinischer Ausstattung, speziellen Stoßdämpfern, Musik- und Lichtanlage. Eine verspiegelte Rundum-Verglasung erlaubt einen Panoramablick nach draußen, während neugierige Blicke ins Innere des Wagens ausgeschlossen sind.

Das Projekt finanziert sich ausschließlich über Spenden und ASB-Mitgliedsbeiträge und durch das Engagement freiwilliger „Wunscherfüller“, die die Fahrten begleiten. Reisenden und ihren vertrauten Begleitpersonen entstehen keine Kosten. Am Freitag feiert der Arbeiter-Samariter-Bund den „1. Geburtstag“ des „Wünschewagens Niedersachsen“ ab 12 Uhr im Panoramic Nord in der HDI-Arena. Neben vielen weiteren Festgästen haben auch Projekt-Schirmherr Ministerpräsident Stephan Weil und ASB-Präsident Franz Müntefering ihr Kommen zugesagt. Wer für den Wünschewagen spenden möchte: Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE12 2512 0510 0007 4570 00, BIC: BFSWDE33HAN

Wer den Wünschewagen für sich oder einen nahen sterbenskranken Menschen in Anspruch nehmen möchte, wende sich an Wünschewagen Niedersachsen, Arbeiter-Samariter-Bund Hannover, Peterstraße 1-2, 0511/358 54 36

Von Petra Rückerl

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