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Meine Stadt „Wir haben gewonnen“ – IGS List feiert
Hannover Meine Stadt „Wir haben gewonnen“ – IGS List feiert
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19:25 14.05.2018
SIEGERLACHEN: Oswald Nachtwey, Direktor der IGS List, nimmt von Moderatorin Eva-Maria Lemke die Auszeichnung für den zweiten Platz Quelle: dpa
Berlin

Bereits 2007 und 2013 hatte sich die Gesamtschule beworben, war jedoch beide Male leer ausgegangen. Statt aufzugeben, legte sich das Lehrerteam weiter ins Zeug und entwickelte den Unterricht und den Alltag an der Schule an vielen Punkten weiter. Das sah auch die Jury des Deutschen Schulpreises. Gestern gab es endlich den Lohn für die Mühen.  

Und eine ganze Schule fieberte mit. An Unterricht war am Montagmittag nicht zu denken. Ab zwölf Uhr verfolgten die insgesamt 660 Schüler sowie zahlreiche Lehrkräfte in der schuleigenen Mensa sowie in der Aula der Leibnizschule die Live-Übertragung der Preisverleihung. Beide Schulen liegen nebeneinander, teilen sich unter anderem die Sporthalle. Eine aufgeregte Anspannung lag in der Luft, als nacheinander Filme der 15 Finalisten über die Leinwand flimmerten. Der stellvertretende Schulleiter Martin Hahnheiser beschrieb die Stimmung so: „Heute ist der Hype da. Wir haben vorher versucht, uns nicht zu sehr auf diesen Tag zu fokussieren. Weil wir wissen, dass wir zwar gut sind, es aber auch jede Menge andere gute Schulen gibt.“

45 Minuten später ist die Entscheidung offiziell. Schüler und Lehrer klatschen, johlen und jubeln gemeinsam. Zweiter Platz. Geschafft. „Ich bin froh, dass es jetzt endlich geklappt hat“, hört man Schulleiter Oswald Nachtwey auf der Leinwand sagen. Dann streckt er den Preis nach oben. Wieder Applaus und Jubel in Hannover. Von Enttäuschung, dass es am Ende nicht für den ersten Platz, der sogar mit 100 000 Euro dotiert ist, gereicht hat, keine Spur. „Es ist einfach nur krass, dass wir es in diese Auswahl geschafft haben und nun offiziell zu den besten Schulen Deutschlands zählen“, sagt Zehntklässlerin Josephine. „Warum sollten wir enttäuscht sein? Wir haben gewonnen“, sagt ihr Mitschüler Marcel.

Doch was genau macht die vierzügige IGS List, die zusammen mit den Gesamtschulen Vahrenheide und Büssingweg eine gemeinsame gymnasiale Oberstufe führt, eigentlich zu einer Spitzen-Schule? An der Integrierten Gesamtschule stehe das Übernehmen von Verantwortung für das eigene Lernen, für Mitschüler und für die Gesellschaft insgesamt im Mittelpunkt, heißt es in der Erklärung der Jury. Dazu zählten etwa der inklusiv angelegte Unterricht, Neigungsprofile, etwa Forscher- und Bläserklassen, ab der fünften Klasse soziale Projekte, Forschungsprojekte oder der eigene Schulzoo mit Kaninchen, Hühnern und Echsen. Zudem unterstützten Schüler der neunten und zehnten Klasse jüngere Schüler als sogenannte Lerncoaches. Der stellvertretende Schulleiter Hahnheiser sieht in der „Feedback-Kultur“ einen wichtigen Eckpfeiler des Erfolgs. „Die Schüler bekommen dabei regelmäßig eine pädagogische Rückmeldung zu ihren Lernleistungen, es gibt verbindliche Verabredungen zwischen Schülern, Eltern und Lehrern. Damit am Ende die Eltern eben nicht aus allen Wolken fallen, wenn es plötzlich eine Fünf im Zeugnis gibt“, erklärt Hahnheiser.

Auch Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne, der mit nach Berlin gereist war, lobte das Konzept der IGS: „Die IGS List steht für Kooperation, eine hohe Unterrichtsqualität und ein sehr gutes Lernklima. Und sie steht für eine individuelle Förderung ihrer Schüler, damit diese ihr Potential bestmöglich entfalten können.“

Wie sehr Schüler und Lehrer an der IGS List Hand in Hand arbeiten, zeigt sich auch bei der Frage, wofür das Preisgeld ausgegeben wird. Nachtwey: „Das werden wir alle gemeinsam bestimmen, schließlich sind wir eine demokratische Schule.“ So reden nur echte Gewinner.

Greifswalder Martinschule siegt

Ohrenbetäubender Jubel, Luftsprünge und Freudentränen in Greifswald: Das Evangelische Schulzentrum Martinschule holt sich den Deutschen Schulpreis 2018.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) überreichte die mit 100 000 Euro dotierte Auszeichnung an Schulleiter Benjamin Skladny, der mit einer kleinen Delegation nach Berlin gereist war. In Greifswald verfolgten die Schüler und Lehrer diese Bilder auf einer Videoleinwand. „Es ist einfach nur großartig“, sagte Grundschulkoordinatorin Anne Jeschke.

„Inklusion ist anstrengend, aber sie lohnt sich“, begründete der Sprecher der Jury und Erziehungswissenschaftler Michael Schratz die Preisvergabe an das Greifswalder Schulzentrum. An der Martinschule hat laut Robert-Koch-Stiftung fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler einen sonderpädagogischen Förderbedarf. Außerdem seien die Abschlussergebnisse der Jugendlichen seit Jahren besser als der Landesdurchschnitt. Auch Schüler mit Handicap, die an anderen Schulen häufig kein Zeugnis erhalten, bekämen an der Martinschule einen schulinternen Abschluss.

Birgit Hesse (SPD), Bildungsministerin in Mecklenburg-Vorpommern, gratulierte der Schule. „Auf diese Auszeichnung können Schüler und Lehrer stolz sein. Sie zeigen, dass Inklusion gelingen kann, wenn sich alle dafür einsetzen.“ Greifswalds Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) freute sich über den Preis. „Ich bin stolz, dass wir dieses Schulzentrum in unserer Stadt haben“, sagte er.

Fünf weitere Preise gehen in diesem Jahr an die Gesamtschule Bremen Ost, die Franz-Leuninger-Schule in Mengerskirchen, das Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium in Münster, die Matthias-Claudius-Schule in Bochum – und eben die IGS List.

Von Britta Luers

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