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Meine Stadt Zwei Ukrainer und die KGB-Bar in Hannover
Hannover Meine Stadt Zwei Ukrainer und die KGB-Bar in Hannover
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09:34 23.10.2018
Gäste unterhalten sich in der KGB-Bar, während im Hintergrund eine Flagge hängt, die den ehemaligen sowjetischen Regierungschef Wladimir Lenin zeigt. Quelle: dpa
Hannover

Trinkfeste georgische Männer, die derbe Trinksprüche zum Besten geben, ausgelassen feiernde Studenten und Stand-up-Comedy auf Russisch. Betreiber Anton Djacenko liebt das vielfältige Publikum, das in seiner KGB-Bar in Hannover zusammentrifft. Vor etwa einem Jahr hat der 29-Jährige mit einem guten Freund die Gaststätte übernommen. Was die alten Werbeplakate und die Speisekarte auf russisch und deutsch kaum erahnen lassen: Djacenko und sein Geschäftspartner sind gebürtige Ukrainer.

Nostalgie und Lebendigkeit

An der Wand hängen unter anderem Porträts des Sowjet-Führers Nikita Chruschtschow und des Gründers der Sowjetunion Wladimir Lenin. Neben den Tischen und zahlreichen Sitzecken stehen eine Vitrine mit Zigerattenschachteln aus der UdSSR und Matrjoschka-Püppchen. Am Tresen können die Gäste einen Schnaps namens „Kalaschnikow“ bestellen. Aber „nostalgisch“ hören die jungen Geschäftsführer als Beschreibung für ihre Bar ungern. Sie wollen eine lebendige Atmosphäre schaffen, lassen Musiker auftreten und laden zum Poetry Slam ein.

Der Musiker Alexander Reyzin tritt im Rahmen eines Poetry Slams in der KGB-Bar auf, während im Hintergrund die Porträts ehemaliger Staatspräsidenten hängen. Quelle: dpa

„Unser Publikum ist ganz gemischt“, beschreibt Anton Djacenko. Für ihn ist die Gastronomie neues Terrain. Djacenko studierte Management, brach ab, lebte danach zwei Jahre im Heimatland seiner Mutter, Lettland, lernte die Sprache und ließ sich einbürgern. Jetzt steht er an fünf Abenden pro Woche hinter der Theke der KGB-Bar, serviert den Gästen Essen und spricht mit ihnen. Es macht ihm Spaß, immer neue Leute kennenzulernen. Das Publikum, zu dem auch Touristen und Messe-Besucher zählen, sei überwiegend russischsprachig.

Betreiber Anton Djacenko liebt das vielfältige Publikum, das in seiner KGB-Bar in Hannover zusammentrifft.

Von den rund 1 170 000 Menschen, die in der Region Hannover leben, stammen gut 11 000 aus der Russischen Föderation. Das entspricht auch einem Anteil von gut 7,5 Prozent an der Gesamtzahl der Menschen mit Migrationshintergrund, wie die Statistikstelle der Region Hannover für das vergangene Jahr ermittelte. Die Gruppe macht damit neben türkisch- und polnischstämmigen Menschen einen großen Teil der Migranten in der Region aus. In Hannover ist das spürbar: Es gibt einige russische Restaurants und mehrere orthodoxe Gemeinden. Die russische Airline Aeroflot bietet Direktflüge nach Moskau an.

In der KGB-Bar bringt Kellnerin Bella in historischer Uniform Pelmeni und Bier an die Tische. Ob Gäste aus der Ukraine kommen und damit seine Landsleute sind, erkennt Anton meist nicht auf dem ersten Blick. Dafür sei das Publikum einfach zu gemischt. Vor allem die Jüngeren interessierten sich für die zahlreichen Relikte, mit denen die Bar dekoriert ist. „Sie fragen auch nach, wer das ist“, sagt Djacenko.

Inhaber Anton Djacenko serviert in historischer KGB-Uniform frische Wareniki "Ukraina", Teigtaschen mit Kartoffelfüllung, in der KGB-Bar. Quelle: dpa

Einen lebendigen Bezug zur Sowjetunion hat Djacenko, der Ende der Achtzigerjahre geboren ist, kaum. Zu dem ungewöhnlichen Namen der Bar sagt er: Bei solchen „Dinosauriern in der Gastronomie“ sei es besser, einen bestehenden Namen zu behalten. Seit rund fünfzehn Jahren gibt es die KGB-Bar im Zentrum der Landeshauptstadt schon.

Russische Spezialitäten und mehr

Die neuen Besitzer setzen auf kulturellen Austausch. Auf der Speisekarte stehen neben typisch russischen Gerichten Spezialitäten aus Georgien, Armenien oder der Ukraine. Wichtig sei, dass sich alle Gäste wohlfühlten. „Hier soll gelacht und getanzt werden“, sagt Djacenko. Einer der früheren Besitzer der KGB-Bar komme noch ab und zu vorbei. „Er ist begeistert“, sagt Djacenko. „Ganz früher waren die Räume hier eine Katastrophe. Es gab keine Klimaanlage oder Heizung.“ Im Winter sei es in der Bar nur 16 Grad gewesen.

Jetzt im Sommer summt die nun vorhandene Klimaanlage leise, die Toiletten sind neu gefliest, die Wände tiefrot gestrichen. Durch Lampen im Retro-Stil und die Dekoration, die Djacenko und sein Partner neu angeschafft haben, wirken die Kellerräume gemütlich. Nur nach neuen Tischen und einer großen Karte der Sowjetunion sucht der 29-Jährige noch.

In Djacenkos Heimatland sind kommunistische Symbole seit 2014 per Gesetz verboten. Das hatte unter anderem dazu geführt, dass dort massenhaft Lenin-Denkmäler abgerissen wurden. Die Ukraine hat auch viele Ortsnamen mit kommunistischem Ursprung geändert und so demonstrativ mit der sowjetischen Vergangenheit gebrochen. In der kleinen, nach dem sowjetischen Geheimdienst benannten Bar in Hannover lebt die UdSSR dagegen auf - als nostalgische Erinnerung.

Von Kristina Wienand

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