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Meine Stadt Wie das kleine Clementinenhaus in Hannover schwarze Zahlen schreibt
Hannover Meine Stadt Wie das kleine Clementinenhaus in Hannover schwarze Zahlen schreibt
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11:22 07.11.2019
CHEFARZTWECHSEL: Dr. Andreas Kuthe (links) geht in Rente, Dr. Christoph Strey leitet künftig die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Foto: Quelle: Clementinenhaus
HANNOVER

Die Erfolgsgeschichte des DRK-Clementinenhaus ist mit einem Namen verbunden: Dr. Andreas Kuthe (65). Der Bauchchirurg hat in seiner 20-jährigen Tätigkeit seine Klinik zum Referenz-Zentrum für minimalinvasive Chirurgie (2008), zum Kompetenz-Zentrum für Adipositas-Chirurgie (2009) und zum Referenz-Zentrum für Hernien-Chirurgie (2013) gemacht. Nach 20.000 Operationen und der Behandlung von 50.000 Patienten wurde der Chirurg am Mittwoch in den Ruhestand verabschiedet.

„Ohne Dr. Kuthe würde unser Krankenhaus heute nicht so erfolgreich sein, wie es ist“, sagt Geschäftsführerin Birgit Huber. Der Chirurg will künftig seine Freizeit für kulturelle Angebote und spontane Ausflüge nützen. „Ich freue mich darauf, nicht mehr diese Verantwortung tragen zu müssen.“ 41 Jahre sei er fremdbestimmt gewesen, nun könne er spontan beschließen, mal auf den Brocken zu wandern. Seine Frau, Ricarda Flade-Kuthe (Leiterin des Adipositas-Zentrums im Clementinenhaus), geht auch in Rente.

Skepsis gegenüber OP-Robotern

Neuer Klinik-Chef wird Dr. Christoph Strey (52) an. Am Mittwoch meinte der bisherige Chefarzt im Friederikenstift. „Ich bin ein wenig gerührt, diese Nachfolge antreten zu können.“ Künftig möchte er die Eingriffsmöglichkeiten in der Klinik für Allgemein- und Viszeral-Chirurgie erweitern. Er will die Zahl der Eingriffe in der Bauchspeichel-, Leber- und Dickdarmchirurgie erhöhen. Ziel sei es dabei, die minimal-invasive Chirurgie so oft wie möglich einzusetzen. „Diese Technik ist schonend für den Patienten, der nach solchen Eingriffen besser genesen kann“, sagt Strey.

Das passt auch zum Konzept des Clementinenhauses. Es hat sich als kleines Haus in einer Landschaft von Mega-Krankenhäusern behauptet. Insofern ist Geschäftsführerin Huber auch skeptisch gegenüber Robotern am OP-Tisch. „Das lassen wir erstmal die Anderen machen“, sagt sie. Zumal die Roboter-Medizin unterfinanziert ist, und derzeit keine besseren Ergebnisse liefert.

Bürokratie nimmt immer mehr zu

„Noch können wir Empathie nicht programmieren“, sagt Chefarzt Strey. Im Clementinenhaus ist man stolz auf die gute Teamarbeit und den sorgsamen Umgang mit den Patienten. Die Spezialisierung auf Viszeral- und Gelenk-Chirurgie hat auch zum Erfolg beigetragen. „Wir sind seit 20 Jahren in den schwarzen Zahlen, das hat kein großes Haus geschafft“, sagt Andreas Kuthe.

Und das, obwohl es Fehlentwicklungen im Gesundheitssystem gebe. Anstatt Pflegekräfte aus Rumänien oder Vietnam zu holen, sollte man die stillen Reserven im eigenen Land heben, erklärt Huber. Das gehe aber nur, wenn man den Beschäftigten vernünftige Arbeitsplätze biete – so wie im Clementinenhaus.

Zunehmende Bürokratie und die permanente Unterstellung, falsch abzurechnen, täten ihr Übriges. „In diesem Jahr hat unser der Medizinische Dienst der Krankenversicherung 500 000 Euro an Leistungen nicht erstattet“, sagte die Geschäftsführerin. Dabei seien die Leistungen erbracht worden, aber vielleicht in der Hektik des Geschehens nicht richtig dokumentiert worden.

Dabei muss sich das Clementinenhaus nicht verstecken: Laut der Focus-Klinikliste gilt es 2020 als „Top Regionales Krankenhaus Niedersachsen“ und als „Top Nationales Krankenhaus Hernienchirurgie“.

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Von Thomas Nagel

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