Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Das passiert bei Hannover 96, wenn der Profi-Traum platzt
Hannover Meine Stadt Das passiert bei Hannover 96, wenn der Profi-Traum platzt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:33 01.03.2019
Mehr als nur Fußball: In der Akademie von 96 wird Wert auf eine berufliche Perspektive gelegt, falls es mit der Profi-Karriere nichts wird.
Mehr als nur Fußball: In der Akademie von 96 wird Wert auf eine berufliche Perspektive gelegt, falls es mit der Profi-Karriere nichts wird. Quelle: Florian Petrow
Anzeige
Hannover

Als der Traum vom Profifußballer platzte, ging es für Markus V. abwärts. Jetzt endete der tiefe Fall des einstigen Ausnahmetalents im Gefängnis. Die Verurteilung des 29-Jährigen zu einer viereinhalbjährigen Haftstrafe wegen Betrugs zeigt, dass nicht jeder junge Spieler auf ein Leben ohne Fußball vorbereitet ist. Entsprechend wichtig ist für die „Akademie“, das Nachwuchsleistungszentrum von Hannover 96, das Thema soziale Verantwortung. „Hier wird sehr viel dafür getan, dass sich unsere Spieler auch ein sicheres zweites Standbein aufbauen“, sagt Christopher von Moltke, Medienverantwortlicher der Akademie.

Ein Sportpsychologe für die jungen Talente

Den Spielern abseits des Fußballplatzes ein stabiles Umfeld bieten, präventive Arbeit leisten, damit Talente nicht auf die schiefe Bahn geraten – „das ist neben dem Fußball das A und O unserer Arbeit“, erklärt von Moltke. So beschäftigt das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) von 96 unter anderem einen eigenen Sportpsychologen, der schon bei kleinen Problemen rund um die Uhr für die jugendlichen Leistungssportler da ist. Dazu werden in der Einrichtung regelmäßig Vorträge rund um Schule, Beruf und soziale Themen gehalten.

Nur wenige schaffen es in den Profi-Bereich

Doch was passiert mit den Talenten, wenn die Zeit in der Fußball-Akademie endet und der erhoffte Sprung in den Profibereich ausbleibt? Das Thema Ausbildung nehme man bei 96 „sehr ernst“. Nicht umsonst kooperiere das NLZ in Hannover mit zwei „Eliteschulen im Bereich Sport“, der KGS Hemmingen und der Dr.-Buhmann-Schule, wo die Jugendlichen in eine Ausbildung gebracht werden oder sogar ein Studium beginnen können. Trotzdem: Um einen stabilen Plan B anstelle der Profikarriere in der Tasche zu haben, sind die jungen Spieler selbst gefordert, die Angebote auch anzunehmen. Denn so viel steht laut von Moltke fest: „Nur ganz wenige schaffen am Ende tatsächlich den Sprung in den Profifußball.“

„Nicht alles auf die Karte Fußball setzen“

Sehr realistisch schätzt man daher bei A-Jugend-Bundesligist TSV Havelse die Situation ein. Im Vergleich zu den großen Klubs Hannover 96 oder VfL Wolfsburg, schaffen Spieler hier den Durchmarsch in den Profifußball deutlich seltener. „Daher ist es auch unsere Philosophie, dass die Jungs hier nicht alles einzig und allein auf die Karte Fußball setzen. Hier brauchen sie einen Plan, was sie mit ihrem Leben machen wollen“, sagt Matthias Limbach, stellvertretender Geschäftsführer der Liga-Abteilung der Havelser A-Jugend.

Schon im Gespräch mit den Eltern soll für jeden Jugendlichen die Zukunft individuell geplant werden. Manche wüssten auch schon ganz konkret, was sie beruflich vorhaben. Für andere gebe es ein ganzes Repertoire an Möglichkeiten. Da hilft es ungemein, dass Limbach als Akademieleiter an der Dr.-Buhmann-Schule tätig ist. Sieben Spieler aus dem aktuellen Kader habe er aktuell dort untergebracht – vom Freiwilligen Sozialen Jahr bis hin zum Studium für Sportmarketing reicht die Bandbreite. Ganz wichtig laut Limbach: „Die Angebote dürfen keine Notlösung sein, um den Spieler einfach irgendwas anzubieten. Das muss auch zu ihm passen, daran werden wir gemessen.“

Dazu ein Kommentar von Chefredakteur Bodo Krüger.

Von André Pichiri