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Meine Stadt Weil überreicht Zeugnisse – und muss sich einiges anhören
Hannover Meine Stadt Weil überreicht Zeugnisse – und muss sich einiges anhören
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18:19 30.01.2019
Besondere Ehre: Louis (14) bekommt sein Zeugnis von Ministerpräsident Stephan Weil überreicht.
Besondere Ehre: Louis (14) bekommt sein Zeugnis von Ministerpräsident Stephan Weil überreicht. Quelle: Nancy Heusel
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Langenhagen

Zeugnisvergabe – und dann auch noch ein prominenter Besucher: Die Aufregung in der Klasse 9.5 der IGS Süd (Langenhagen) am Mittwochmorgen war groß. Denn Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) höchstpersönlich überreichte den Schülern die Halbjahreszeugnisse – und hatte für jeden ein passendes Sprüchlein parat: „Da ist noch Luft nach oben“, attestierte er den einen, „ein schönes Zeugnis“, den anderen.

Dann sagt Weil noch, er sei „ausgesprochen gerne in Schulen unterwegs.“ Das freut die Schüler, die den Politiker umgehend mit Fragen löchern. Rauchen Sie? Sind Sie mit Ihrem Amt zufrieden? Wie viel verdienen Sie? Darauf antwortet Weil exakt: „Ich verdiene 10 500 Euro netto.“ Ali gibt sich damit nicht zufrieden: „Finden Sie, dass das zu viel oder zu wenig ist?“ Das sei immer eine Frage des Maßstabs, erwidert Weil. „Gemessen an einem Manager verdiene ich sehr wenig. Gemessen an einer Krankenschwester im Nachtdienst verdiene ich sehr viel.“ Schlussendlich müsse gute Arbeit gut bezahlt werden, das gelte für alle Berufe.

Weil bekam früher „Blaue Briefe“

Es geht aber auch nicht nur um Persönliches, sondern auch um Politisches. So möchte Louis (14) vom Ministerpräsidenten wissen, warum es so schwer ist, sich auf ein Klimaabkommen zu einigen. „Die Situation ist in einzelnen Ländern durchaus unterschiedlich“, erklärt Weil und gibt zu: „Wir hinken mit unseren Zielen spürbar hinterher.“ Auf die Frage, ob er die AfD möge, hat Weil eine klare Antwort. „Nein“, sagt er. „Ich habe Respekt vor anderen Meinungen, aber die AfD versucht immer zu spalten.“

Weil selbst war nicht immer ein guter Schüler. Auch er habe mehrere „Blaue Briefe“ bekommen. „Mir hat die Schule erst ab der 11. Klasse Spaß gemacht.“ Seine Lieblingsfächer waren Deutsch und Geschichte. Sport mochte er dagegen nur im Sommer. „Im Turnen war ich eine echte Pfeife. Die Turngeräte und ich sind nie Freunde geworden.“

Nimmt sich Zeit: Ministerpräsident Stephan Weil im Gespräch mit den Schülern. Quelle: Heusel

Unter einer Voraussetzung kommt der Ministerpräsident wieder

Die Schüler waren mit der Fragerunde im Klassenraum zufrieden: „Es war ein schönes Gefühl, dass Herr Weil da war. Er ist ein Vorbild, weil er für uns Menschen in Niedersachsen spricht“, sagt Louis. Der 14-Jährige kann sich vorstellen, später Politiker zu werden. Einen konkreten Berufswunsch habe er aber noch nicht. Mit seinem Zeugnis ist er in diesem Halbjahr nicht ganz zufrieden. „Ich habe mich in Englisch und Mathe verschlechtert.“

Nach der Fragenrunde gab Weil zwei Schülern mit „Luft nach oben“ noch ein Versprechen: Wenn sie sich verbessern, komme er wieder.

Schulleitung hat Wünsche an die Politik

Doch Weil war nicht nur zum Vergnügen in der IGS Süd : Nach der Zeugnisübergabe setzte er sich mit Schulleiterin Mascha Brandt und ihren Kollegen zusammen, um über die Wünsche ihrer Schule zu sprechen. Rund zehn Prozent der Schüler haben nach Angaben von Brandt einen Inklusionsbedarf – und werden doppelt gezählt. In der Regel werde der Inklusionsbedarf aber erst bei Untersuchungen im fünften Jahrgang festgestellt. „Wenn eine Klasse mit 30 Schülern dann schon voll ist, werden die Kapazitäten übertroffen. Wir wünschen uns einen Puffer, so dass die Klasse beispielsweise schon bei 28 Schülern voll ist, um den Inklusionsbedarf zu decken“, so Brandt. Auch eine Funktionsstelle speziell für den Bereich Inklusion wünscht sich die Schule.

Weil lässt sich Mängel auflisten

Ein weiterer Kritikpunkt war das Ende der Finanzierung des Berufsorientierungsprogramms durch Bund und Länder, bei dem die beruflichen Kompetenzen der Schüler ermittelt werden. Künftig soll diese Potenzialanalyse von den Lehrkräften selber durchgeführt werden. „Das müssen wir dann mit Lehrstunden umsetzen. Außerdem ist es für die Schüler wichtig, dass sie rauskommen und mal nicht ihre Lehrer sehen“, sagte Stefan Fleer, didaktischer Leiter der Schule. Das sieht der Ministerpräsident ein. „Das ist ein interessantes Thema. Besonders für die zurückgehenden Ausbildungszahlen ist das wichtig“, sagt er. Zuletzt hatte Brandt noch eine spezielle Bitte an Weil. „Die Grundschule wird als Zweig geführt und ist nicht fest integriert.“ Das führe vor allem im Lehrerzimmer zu Unmut, da die Grundschullehrer 28 Stunden unterrichten, die übrigen Lehrer aber nur 24,5 Stunden. „Wir wünschen uns eine Überprüfung des rechtlichen Konstrukts.“ Weil versprach, die Bitte an die zuständigen Stellen weiterzuleiten. Und ein Lob für die Lehrer hatte er zum Abschied auch noch übrig: „Ich weiß, was Sie für eine schwere Arbeit leisten.“

Von Cecelia Spohn