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Meine Stadt Pflegenotstand: Weil macht der MHH Hoffnung
Hannover Meine Stadt Pflegenotstand: Weil macht der MHH Hoffnung
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17:01 26.11.2018
Hat ein offenes Ohr: Ministerpräsident Stephan Weil hörte bei den Schilderungen des MHH-Personals bezüglich der Situation in der Pflege genau hin. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Harte Arbeitsbedingungen, schlechtere Bezahlung und viel zu wenig Personal: Vor wenigen Wochen hatte die MHH Alarm geschlagen, nachdem der Leiter der Kinderintensivstation bestätigt hatte, dass allein in 2018 bislang rund 300 Kinder abgewiesen werden mussten. Zwar wurde diese Darstellung durch das MHH-Präsidium mittlerweile ein Stück weit relativiert: Demnach seien keine Notfälle abgewiesen worden. Doch die strukturellen Probleme sind für Belegschaft und Patienten weiterhin spürbar – und drohen zukünftig noch drastischer zu werden.

Auf Einladung des MHH-Personalrates kam am Montag nun Ministerpräsident Stephan Weil zum Gespräch mit den Angestellten in die Klinik hinter verschlossenen Türen. Die Hoffnung der Arbeitnehmervertreter: „Wir wollten dem Ministerpräsidenten deutlich machen, wie drastisch sich der Pflegenotstand hier bemerkbar macht“, sagt die zweite Vorsitzende des Personalrates, Christiane Grams. Die Betreuungsrelation, also die Anzahl an Patienten, die auf einen Pfleger kommen, sei schlechter als Weil es erwartet hatte. „In Abteilungen wie der Kinderintensivstation haben wir ein Verhältnis von zwei Patienten pro Pfleger vorgeschrieben“, erklärt Grams. Diese Vorschrift ist auch der Grund dafür, dass Betten auf der Station zuletzt auch leer blieben – es mangelt am Personal. In anderen Abteilungen hingegen gibt es keine festen Quoten: „Da wäre ein Verhältnis von eins zu zehn schon traumhaft für die MHH, derzeit liegen wir da meiner Schätzung nach deutlich drunter“, betont Grams.

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Tarifverträge sollen angeglichen werden

Als ersten Schritt will der Ministerpräsident nun offenbar prüfen, ob die Pflegebediensteten der landeseigenen MHH nicht mehr nach dem bisher gültigen Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes der Länder (TVL), sondern nach dem besser entlohnten Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) bezahlt werden können: „Das war uns ein sehr wichtiges Anliegen und das hat er von der Veranstaltung mitgenommen“, sagt Grams. Das würde je nach Abteilung und Berufsjahren zwischen 50 und 200 Euro mehr bedeuten für die Angestellten. Bereits zuvor hatte die niedersächsische Landesregierung angekündigt, Kinderpflegern eine Zulage zahlen zu wollen, um die Lohnlücke zwischen der MHH und anderen Kliniken zu schließen, die nach TVöD entlohnen.

Arbeitsbedingungen müssen besser werden

Doch reichen diese Maßnahmen, um den Pflegenotstand langfristig in den Griff zu bekommen? „Die Attraktivität des Pflegeberufs muss gesteigert werden“, betont die Personalratsvorsitzende Jutta Ulrich. „Man muss den Job machen können, bis man alt ist.“ Das sei unter den derzeitigen Voraussetzungen nicht möglich. Lange Schichtdienste, umfangreiche Ausbildung, schlechte Bezahlung, fachfremde Aufgaben wie die zeitraubende Dokumentationspflicht und Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie – das alles sorge laut Ulrich dafür, dass die Arbeitnehmer durchschnittlich nur siebeneinhalb Jahre im Job bleiben: „Es gibt eine Flucht aus dem Beruf.“ Was da helfen könne, wären etwa mehr Kitaplätze auf dem Gelände der MHH. Derzeit stellt die Klinik ihren Angestellten 185 Plätze zur Verfügung. „Es gibt aber eine deutlich höhere Nachfrage“, erklärt Christiane Grams. Auch aus dem Ausbildungsberuf des Pflegers ein Studium zu machen, könne das Ansehen und die Bezahlung fördern und die Zukunft der Branche sichern.

Von Janik Marx