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Meine Stadt Wegen Saufgelagen: Stadt verzichtet auf Bänke am Marstall
Hannover Meine Stadt Wegen Saufgelagen: Stadt verzichtet auf Bänke am Marstall
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07:00 23.04.2019
Schickes Wasserspiel: Am Marstall hat die Stadt einen neuen Brunnen installieren lassen. Sitzend können den Blick zurzeit aber nur zahlende Kunden der Gastronomie genießen.
Schickes Wasserspiel: Am Marstall hat die Stadt einen neuen Brunnen installieren lassen. Sitzend können den Blick zurzeit aber nur zahlende Kunden der Gastronomie genießen. Quelle: Behrens
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Hannover

Rund vier Millionen Euro hat die Stadt Hannover in den Umbau des Marstalls investiert. Einen schicken Brunnen gibt es, neues Pflaster, großzügige Beete und mehr Bäume, ein Großteil der Parkplätze fiel dafür weg. „Mehr Aufenthaltsqualität“ hatte die Verwaltung versprochen. Aktuell ist es aber gar nicht so einfach, sich am Marstall aufzuhalten. Bänke gibt es keine. Und daran wird sich nicht viel ändern.

Nur zahlende Kunden des Burger-Restaurants am Platz können zurzeit sitzend die Sicht auf den neuen Brunnen genießen, der wechselndes Wasserspiel und im Dunkeln bunte Farben bietet. Zwar will die Stadt dort nach Ostern zwei Bänke aufstellen. Zwischen den beiden Neubauten am Platz, also auf dem Großteil der Fläche, sind jedoch „bisher keine Bänke vorgesehen“, bestätigt Sprecher Dennis Dix.

Anlieger in Sorge wegen Trinkergruppen

Die Verwaltung will erst abwarten, wie sich die Nutzung des neu gestalteten Marstalls entwickelt. Im Rahmen der Planungen seien „Bänke in diesem Bereich von Anliegern eher kritisch gesehen“ worden berichtet Dix. Sie fürchten, dass sich dort Trinkergruppen niederlassen oder an den Wochenenden Feiernde bis spät in die Nacht durchzechen. Keine Bänke, keine Party auf dem Platz – so offenbar das Kalkül der Verwaltung.

Alles neu: Die Stadt hat den Marstall umbauen lassen. Bänke wird es auf dem Großteil des Marstalls aber nicht geben. Quelle: Behrens

Bei Dirk Machentanz von den Linken stößt das auf Unverständnis. „Es muss auch öffentliche Räume geben, wo die Menschen ohne Konsumzwang ausspannen können. Wir brauchen Bänke auf dem Platz“, fordert er. Das sieht auch Bezirksbürgermeisterin Cornelia Kupsch (CDU) so. „Man sollte das Aufstellen von Bänken nicht von der Frage abhängig machen, wer sich dort theoretisch hinsetzen könnte“, sagt sie.

Händler: Ordnungsdienst soll Schlafen auf Bänken unterbinden

Martin Prenzler, Geschäftsführer der Citygemeinschaft, geht davon aus, „dass das nicht der Endzustand ist“. Schöne Plätze bräuchten Sitzgelegenheiten, „damit sie wahrgenommen werden“. Allerdings dürften Bänke auch „nicht zu Schlafgelegenheiten werden“. Das zu verhindern, sei Aufgabe des städtischen Ordnungsdienstes, so Prenzler.

CDU-Bauexperte Felix Semper wünscht sich „mehr Bänke in Hannovers Innenstadt“. Am Marstall will er ihre Zahl jedoch „auf ein Mindestmaß reduzieren“. Er fürchtet, dass Bänke „zum Campieren und zu Saufgelagen einladen würden“. Auch FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke will diese am Marstall „nur sehr sparsam einsetzen“. Schließlich könne man ja auch ein Getränk bestellen und die Außengastronomie des Burger-Restaurants nutzen. Lars Kelich (SPD) sagt, er verstehe „die ganze Aufregung nicht“. Für ihn gehören „Bänke zur Aufwertung des Platzes dazu“. Ihm reichen aber die zwei, die im Bereich des Brunnens geplant sind.

Von Christian Bohnenkamp