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Meine Stadt Wer gibt Hannoverimpuls neue Impulse?
Hannover Meine Stadt Wer gibt Hannoverimpuls neue Impulse?
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11:11 26.01.2019
Geht: Zum Jahresende wird Geschäftsführer Adolf Kopp gehen –angeblich auf eigenen Wunsch.
Geht: Zum Jahresende wird Geschäftsführer Adolf Kopp gehen –angeblich auf eigenen Wunsch. Quelle: Thomas
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Hannover

Die Begeisterung am Montag wird groß sein. In der Venture-Villa, Heimat der Start-ups, entstehen Räume speziell für virtuelle Realitäten. Studierende und Unternehmen können an 20 Arbeitsplätzen branchen- und fächerübergreifend an der Technologie arbeiten.

Venture Villa: In der Walderseestraße finden Start-ups ein Zuhause, auch die für virtuelle Realitäten. Quelle: von Ditfurth

Das ist ein Termin für schöne Bilder, für demonstrierten Schulterschluss zwischen Ulf-Birger Franz, dem Wirtschaftsdezernenten der Region, und Adolf Kopp, Geschäftsführer von Hannoverimpuls. Beide werden das Engagement des anderen loben – und wissen, dass das nicht mehr häufig vorkommen muss.

Adolf Kopp geht. Der im Januar 2015 bestellte Nachfolger von Ralf Meyer (wechselte nach Bochum) verlasse die Gesellschaft auf eigenen Wunsch, um sich neuen Aufgaben zu stellen, ist die offizielle Sprachregelung. Insider aber wissen, dass es mit der sonst fälligen Vertragsverlängerung des promovierten Agrarwissenschaftlers schlecht ausgesehen hätte. Es heißt, am Ende hätte vorbehaltlos nur OB Stefan Schostok für Kopp plädiert.

Wechsel markiert Wendepunkt

Der nötige Wechsel an der Spitze wird wohl einen Wendepunkt markieren. In großen Teilen des Aufsichtsrates, in der Politik, aber auch in der Verwaltung von Stadt und Region wird zunehmend Kritik an Hannoverimpuls laut. Die Wirtschaftsgesellschaft leiste sehr gute Arbeit mit Start-ups und Internationalisierung, erkennt jeder an. In den definierten Wachstumsfeldern aber geschehe zu wenig.

„Wir müssen überprüfen, ob die Schwerpunkte noch richtig sind“, deutet Andreas Strauch, SPD-Mitglied in der Regionsversammlung, vorsichtig die Ansprüche an. Die Wirtschaftsausschüsse von Stadt und Region stünden vor der Frage, „ob man da was optimieren kann“. Angeblich sollte längst ein Zukunftspapier auf dem Tisch liegen.

Mehr Erfolg gefragt

Einen Teil der Unzufriedenheit beschreibt ein Kenner: „Hannoverimpuls gehört zu den größten Wirtschaftsfördergesellschaften Deutschlands und wird gefördert mit sechs Millionen Euro öffentlicher Mittel. Da muss man mehr Erfolge belegen und darf nicht noch so viel Externe beschäftigen.“

Info: Hannoverimpuls

Impulse geben, damit sich Menschen mit pfiffigen Geschäftsideen nicht abschrecken lassen. Ihnen Mut machen und Experten zur Seite stellen, damit sie ihre eigene Firma gründen. Gestandenen Unternehmern klar machen, dass Wachstumschancen auch im Ausland liegen und ihnen entsprechende Kontakte vermitteln. Das alles macht die Gesellschaft möglich, die Stadt und Region 2003 gegründet haben – Hannoverimpuls. 

Ihr Ziel sollte ursprünglich sein, in der von einer Wirtschaftskrise betroffenen Re­gion binnen zehn Jahren 45 000 Arbeitsplätze zu schaffen. Schon in den ersten beiden Jahren nach dem Start zeigte sich, wie groß der Bedarf an Beratung und Hilfe ist. Hannoverimpuls gelang es, 1400 neue Firmen anzusiedeln und damit 2500 Arbeitsplätze zu schaffen. Gründungswettbewerbe brachten Tausende von neuen Jobs.

Inzwischen lassen sich im Haus der Wirtschaftsförderung an der Vahrenwalder Straße jährlich gut 2000 Gründungsinteressierte beraten. Es geht um die Markt­erschließung, um das Formulieren von Businessplänen – und natürlich um Geld. Denn Hannoverimpuls er­schließt Fördermittel, die Gesellschaft verfügt über den mit 28 Millionen Euro ausgestatteten Fonds „In­vest-Impuls“. Daraus können junge Technologieunternehmen bis zu 1,5 Millionen Euro Beteiligungskapital erhalten. Das Investitionsvolumen liegt bei mehr als 100 Millionen Euro. Einige der Unternehmen siedelten sich etwa im Technologie-Zen­trum in Marienwerder an.

Zunehmend wichtiger wird die Internationalisierung – sowohl für Unternehmen, die ausländische Märkte erobern wollen, wie für ausländische Unternehmen, die hier Fuß fassen wollen. Die Gesellschaft berät in allen Fragen zur Ansiedlung.

Der Schwerpunkt aller Aktivitäten liegt auf den vier deklarierten Handlungsfeldern "Energie und Mobilität", "Digitale Wirtschaft und Produktionstechnik", "Life Sciences und Medizintechnik" sowie "Kreativwirtschaft und Multimedia".

Gesellschafter von Hannoverimpuls sind mit einem Anteil von je 50 Prozent Stadt und Region. Der 18-köpfige Aufsichtsrat setzt sich aus je sechs Vertretern aus der Regionsversammlung und dem Rat sowie der Wirtschaft zusammen. Der Aufsichtsratsvorsitz wechselt in zweijährigem Turnus zwischen OB Stefan Schostok und Regionspräsident Hauke Jagau. Derzeit hat der OB diese Aufgabe.

Angemahnt wird auch eine stärkere Verzahnung mit den Wirtschaftsförderungen von Stadt und Region, vor allem auch mit der Hannover-Marketing-und-Tourismus GmbH (HMTG) und deren Chef Hans Nolte. „Das macht Sinn“, findet der studierte Betriebswirt. Schon jetzt gehöre die Werbung um Start-ups mit zu seinen Aufgaben. „Gründungsinteressierte findet man ja nicht allein in der Region; wir werben in Emden ebenso wie in Erlangen.“

Zwei Namen von Nachfolgern im Gespräch

Wer wird Kopp folgen? Angeblich sind zwei Namen im Gespräch. Viel wichtiger, als sich auf einen neuen Chef zu einigen, erscheint Experten allerdings, Hannoverimpuls fit für die Zukunft zu machen. Da lohnt sich auch ein Blick auf Kopps Vorgänger: Ralf Meyer leitet sehr erfolgreich die Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bochum mbH und An­dreas Heyer die WFB-Wirtschaftsförderung Bremen. Gemessen an der Zahl ihrer Mitarbeiter, ihrer Finanzen und ihres Stellenwerts für den Standort scheint das, was bei Hannoverimpuls geschieht, dann doch eher wie ein Klacks.

Hier wird Unternehmern geholfen: Das Haus der Wirtschaftsförderung an der Vahrenwalder Straße 7. Quelle: Decker

Von Vera König