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Meine Stadt Wasserstadt: Papenburg will nicht mehr mit Bodemann verhandeln
Hannover Meine Stadt Wasserstadt: Papenburg will nicht mehr mit Bodemann verhandeln
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14:31 26.11.2018
Sauer auf die Stadt: Wasserstadt-Eigentümer Günter Papenburg. Mit Stadtbaurat Uwe Bodemann will er nicht mehr verhandeln. Quelle: Dröse
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Hannover

Im Streit um die Wasserstadt Limmer erhebt Investor Günter Papenburg schwere Vorwürfe gegen die Stadt – und ganz besonders gegen Stadtbaurat Uwe Bodemann. Dieser erfinde „immer wieder etwas Neues“, um seine Pläne zu verhindern, erklärte Papenburg am Montag auf einer Pressekonferenz auf dem Gelände des Bauprojektes. Für ihn steht fest: „Das wird jetzt gerichtlich geklärt“.

Kern des Konfliktes sind die historischen Gebäude, die noch aus der Zeit der Conti-Reifenproduktion erhalten geblieben sind. Papenburg will diese abreißen, weil sie mit krebserregenden Nitrosaminen belastet sind und außerdem ein Sicherheitsproblem darstellen. Die Stadt verhindere das und verzögere damit das Bauprojekt, klagt er.

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Mit Bodemann will Papenburg nicht mehr verhandeln. Eine vertrauliche Zusammenarbeit mit diesem sei „nicht mehr möglich“. Er will einen „kompetenten und entscheidungsbefugten Ansprechpartner“ und fordert Oberbürgermeister Schostok auf, dafür zu sorgen, dass seine Beamten „die Genehmigungen erteilen“.

Papenburg will Stadt die Gebäude schenken

Papenburg ist mittlerweile so genervt, dass er die historischen Bauten der Stadt oder der Bürgerinitiative schenken will, die diese erhalten wollen. „Ich kann nicht Leute in krebserregenden Gebäuden wohnen lassen“, sagt er.

Unterstützung bekommt Papenburg von Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen. Diese Probleme seien „kein Einzelfall“. Die Art und Weise des Umgangs der Stadt mit Investoren mache Projekte „teuer und zieht sie in die Länge“.

Bereits am Freitag hatte Bodemann selbst zu einer Pressekonferenz eingeladen, um seine Sicht auf den Streit um die Wasserstadt darzulegen. Die Arbeiten könnten längst beginnen, sagte er. Teilbaugenehmigungen für den Aushub von Baugruben im ersten Bauabschnitt lägen längst vor. „Herr Papenburg, wir wollen endlich Kräne sehen“, hatte Bodemann gefordert.

Polizei: Videoüberwachung reicht nicht

Aus dessen Sicht macht es aber gar keinen Sinn, jetzt schon die Baugruben auszuheben. „Dafür brauchen wir nur drei Wochen, und das machen wir auch erst, wenn wir die kompletten Genehmigungen vorliegen haben“, sagte er. Er wolle „keine weiteren Gefahrenquellen“ auf dem Gelände schaffen.

Davon gibt es auch schon genug. Laut Guido von Cyrson, Leiter der Polizeiinspektion West, hatten sich die Altgebäude zu einem „Abenteuerspielplatz mit Eventcharakter“ entwickelt. Er beklagt die über Jahre „mangelnde Sicherung des Geländes“. Pro Jahr sei die Polizei zu rund 100 Einsätzen ausgerückt. Allein 2017 habe es drei Todesfälle gegeben, davon wohl zwei Suizide. Gebessert habe sich die Lage erst, als die Stadt im Sommer auf eigene Faust einen Sicherheitsdienst engagierte, der das Gelände überwacht.

Der Streit um die historischen Gebäude auf dem Gelände der Wasserstadt eskaliert. Am Montag hatte Eigentümer Günter Papenburg zu einem Pressetermin geladen, um seine Sicht der Dinge zu erklären.

Der nächste große Streitpunkt mit Papenburg. Denn der soll als Eigentümer die Kosten von monatlich 45000 Euro dafür übernehmen, ebenso die bis zu 60000 Euro für die Firma, die derzeit mit Brettern sämtliche Zugänge zu den Gebäuden verschließt. Per Zwangsvollstreckung will die Stadt das Geld eintreiben.

Papenburg will lieber eine Videoüberwachung einsetzen, die ihn nur 25000 Euro im Jahr kostet. Zumal der Sicherheitsdienst laut Stadt abgezogen werden soll, sobald die Zugänge der Gebäude dicht sind. „Das bringt nichts“, sagt der Investor. Schließlich reiche es, wenn Eindringlinge nur ein einziges Fenster öffnen, um wieder in die Gebäude zu kommen. Polizeidirektor von Cyrson warnt aber, „die Videoüberwachung allein“ könne „das Problem nicht lösen“.

Drohen der Wasserstadt mehrere Jahre Verzögerung?

Papenburg will deshalb so schnell wie möglich die historischen Gebäude loswerden, vor allem den Flachbau, der nicht unter Denkmalschutz steht. Die Bauten wurden bisher noch als Lärmschutz für den ersten Bauabschnitt benötigt. Ab Januar werde das aber nicht mehr der Fall sein. Er habe mit der Bahn den Bau einer höheren Lärmschutzwand an der Güterumgehungsbahn vereinbart, die Anfang 2019 fertig werden soll.

Papenburgs Gutachter Wolfgang Kumm betonte, dass man alles versucht habe, um Wohnen oder Büros in den historischen Gebäuden möglich zu machen. Es sei aber nicht gelungen, die Nitrosaminbelastung soweit zu reduzieren, dass sie nicht mehr nachweisbar seien.

Die Tatsache, dass er immer noch keine Genehmigung für den Abriss der Altbauten habe, verzögert aus Sicht von Papenburg die Planungen für die weiteren Bauabschnitte. Er droht: „Wenn ich hier nicht investieren kann, geht das Geld woanders hin“. Dann verschiebe sich der Bau der Wasserstadt „eben um ein paar weitere Jahre“. Sein Ziel sei das aber nicht. „Ich werde nächstes Jahr 80 Jahre alt und würde gerne noch die Wasserstadt erleben“, erklärte er.

Von Christian Bohnenkamp