Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Wasserstadt: Stadt will „endlich Kräne sehen“
Hannover Meine Stadt Wasserstadt: Stadt will „endlich Kräne sehen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 26.11.2018
Im Einsatz: Ein Sicherheitsdienst auf dem Gelände der Wasserstadt Limmer. Engagiert hat ihn die Stadt, um illegales Eindringen in die historischen Gebäude zu verhindern. Eigentümer Günter Papenburg soll zahlen – und ist sauer. Quelle: Wilde
Anzeige
Hannover

Die Stadt lasse ihn „im Regen stehen“, klagt Günter Papenburg, Eigentümer der Wasserstadt Limmer. Ein Vorwurf, den die Stadt nicht auf sich sitzen lassen wollte. Am Freitag hatte sie zu einer Pressekonferenz in die Bauverwaltung geladen. Dort erklärte Stadtbaurat Uwe Bodemann, dass nicht sein Bauamt die Arbeiten verzögere. „Wir wollen endlich Kräne sehen, Herr Papenburg“, forderte er.

In dem Konflikt geht es vor allem um die historischen Conti-Gebäude, die noch auf dem Grundstück stehen. Immer wieder drangen Menschen darin verbotenerweise ein, auch zu schweren Unfällen ist es schon gekommen. Die Stadt sieht Papenburg als Eigentümer in der Pflicht, das zu verhindern. Der habe das allerdings „nicht in der Konsequenz gemacht, in der das erforderlich wäre“, sagt Bodemann.

Anzeige

45000 Euro im Monat kostet der Sicherheitsdienst

Deshalb handelte die Stadt im August selbst und engagierte einen Sicherheitsdienst. Die Rechnung, pro Monat rund 45000 Euro, hat sie Papenburg geschickt. Und weil sich der weigere zu zahlen, will sie sich das Geld per Zwangsvollstreckung zurückholen. Drei bis fünf Mitarbeiter seien rund um die Uhr im Einsatz, sieben Tage in der Woche. Dadurch habe sich die Situation deutlich verbessert, sagt Bodemann. „Das hat uns auch die Polizei bestätigt“, so der Stadtbaurat.

Eine Dauerlösung sieht die Stadt in dem Sicherheitsdienst allerdings nicht. Sie hat deshalb eine Firma beauftragt, sämtliche Fenster und Zugänge im Keller und Erdgeschoss der historischen Gebäude mit Holz zu versperren, um das illegale Eindringen zu verhindern. Auch die Kosten dafür, bis zu 60000 Euro, soll Papenburg tragen. Der soll wiederum eine Kameraüberwachung des Geländes angeboten haben. Aus Sicht der Stadt sei das aber „nicht ausreichend“, erklärte Bodemann.

Schon zu: Fenster im Erdgeschoss der Gebäude. Im Auftrag der Stadt versperrt eine Firma sämtliche Zugänge. Papenburg habe sich nicht gekümmert, so der Vorwurf. Quelle: Wilde

Einen weiteren Konflikt gibt es um den Abriss des flacheren Gebäudes, das in das Gelände hereinragt. Dieses steht nicht unter Denkmalschutz. Die Genehmigung für den Abriss hat Papenburg schon im August beantragt. Erteilt hat die Stadt diesen noch nicht. Zum einen, weil der Eigentümer noch nachweisen müsse, dass dadurch die angrenzenden Gebäude nicht einstürzen. Außerdem seien die Bauten wegen der nahe gelegenen Güterumgehungsbahn derzeit noch als Lärmschutz unverzichtbar. Das wird sich wohl erst Anfang nächsten Jahres ändern, wenn die Lärmschutzwand an der Bahn fertig werden soll.

Stadt: Arbeiten hätten längst beginnen können

Dafür, dass die Arbeiten im ersten Bauabschnitt des riesigen Wohngebietes immer noch nicht begonnen haben, macht die Stadt vor allem Papenburg selbst verantwortlich. Teilbaugenehmigungen, die den Aushub von Kellern möglich machen, lägen schon längst vor. „Seit September kann man buddeln. Es ist aber nichts passiert“, kritisiert Bodemann. Der Stadt sei bisher auch nur der Verkauf eines einzigen der acht Baufelder des ersten Bauabschnittes bekannt. Teilweise lägen noch gar keine Pläne vor.

Investor Papenburg will sich am Montag auf einer Pressekonferenz zu Details seiner Vorwürfe äußern. Er sieht auch die Stadt in der Pflicht, mit ihrem Ordnungsdienst das illegale Eindringen in die historischen Gebäude zu verhindern.

Von Christian Bohnenkamp