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Meine Stadt „Das ist doch ein Fehler im System“ – Warum soll dieses Mädchen das Land verlassen?
Hannover Meine Stadt „Das ist doch ein Fehler im System“ – Warum soll dieses Mädchen das Land verlassen?
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15:22 05.09.2019
Comfort Z. (18) kickt gern beim 1. FFC Hannover 04, soll jedoch bis 13. September das Land verlassen – obwohl sie eine Ausbildungsstelle in Aussicht hat und Fachkräftemangel besteht. Quelle: Franson
Hannover

Comfort Z. (18) ist eine fröhliche junge Frau. Sie lacht gerne, freut sich jeden Dienstag und Donnerstag auf das Fußballtraining beim 1. FFC Hannover 04. Doch seit Mitte August ist alles anders – Comfort, die ursprünglich aus Ghana stammt, soll bis zum 13. September das Land verlassen soll. Und das, obwohl sie seit knapp drei Jahren bei ihr Schwester in Deutschland lebt. Ihre Mutter verlor die 18-Jährige bereits im Alter von fünf Jahren, als sie 15 war, erlag ihr Vater einer schweren Krankheit. Zunächst lebte sie daraufhin bei einer Freundin ihrer Mutter. „Aber sie konnte das irgendwann nicht mehr leisten“, sagt Comfort. Und so habe sie sich ins Flugzeug gesetzt und auf den Weg nach Deutschland gemacht. „Meine Schwester wusste nicht Bescheid, ich habe dann am Flughafen jemanden nach dem Handy gefragt und sie angerufen.“ Die sei etwas überrascht, aber voller Freude gewesen. Seit dem wird Comfort in Deutschland geduldet. Der Grund für die Zwangsausreise: Ghana gilt als sicheres Herkunftsland.

Hannover, Comfort Z. (18) droht die Zwangsabschiebung nach Ghana. Quelle: Christian Behrens

Den Brief der Behörden habe Comfort zunächst nicht verstanden, auf dem Fußballplatz erklärten ihr die Mitspielerinnen schließlich was das bedeutet, erzählt Lara Müller (24), die sich mit drei anderen Spielerinnen intensiv um Comfort kümmert. Ein Schock für die 18-Jährige. „Ich habe seit dem Angst und bin sehr traurig.“ Auch im Verein ist seit dem nichts mehr wie es einmal war. „Uns war klar, dass wir sofort versuchen, zu helfen.“ Der Verein, sogar die jüngsten Spielerinnen im Alter von neun Jahren, fingen an Unterschriften zu sammeln. Die älteren informierten sich bei der Ausländerbehörde und dem Flüchtlingsrat, posteten Beiträge in sozialen Netzwerken.

Comfort möchte Altenpflegerin werden und geht zur Schule

Schließlich hat die junge Frau schon ganz konkrete Zukunftspläne. Derzeit absolviert sie ein Berufsvorbereitungsjahr an der Anna-Siemsen-Schule. „Und dann möchte ich Altenpflegerin werden“, erzählt Comfort. Es sei wichtig, dass ältere Menschen versorgt sind und ein schönes Leben haben. „Ich will so gerne zur Schule gehen, arbeiten und meine Träume verwirklichen, um meine verstorbenen Eltern glücklich zu machen.“ In Ghana habe sie keine Verwandten mehr. Auch für die ältere Schwester ist Comfort eine große Hilfe, in dem sie gelegentlich auf ihre Nichten und Neffen (15, 8 und 5 Jahre alt) aufpasst.

Comfort im Gespräch mit Mannschaftskameradin Lara Müller (links). Quelle: Christian Behrens

Mit Untersützung des Vereins hat Comfort nun einen Härtefallantrag aus humanitären Gründen gestellt. „Sie hat in Ghana keine Existenz und kein Geld, um dort zu Leben“, so Müller. Parallel dazu wird nach einem Ausbildungsplatz gesucht, damit könnte die Abschiebung hinausgezögert werden. Inzwischen liege sogar die Bescheinigung einer Pflegeeinrichtung vor, in der sie nach dem Berufsvorbereitungsjahr den praktischen Teil der Pflegeassistenzausbildung machen könnte. „Wir haben auch schriftlich, dass sie dort im Anschluss die Ausbildung zur Altenpflegerin machen könnte.“ Das kurzfristige Ziel sei das Erwirken einer Ausbildungsduldung, ein Schulbesuch reiche dafür nicht aus, so Müller. Wer einen Ausbildungsplatz im Bereich Pflege anbieten kann, der keinen Schulabschluss voraussetzt, solle bitte eine Mail an info@ffc-hannover.de schreiben. „Langfristig gesehen wollen wir natürlich, dass Comfort für immer hier bleiben kann“, so Müller.

Unverständnis für Behörden-Reaktion: „Wir haben einen Fachkräfte-Mangel!“

Die 24-Jährige versteht das Vorgehen der Behörden nicht. „Wir haben einen Fachkräftemangel und holen Altenpfleger aus dem Ausland, aber jemand, der das unbedingt machen möchte, wird abgeschoben.“ Das mache sie wütend. „Das ist doch ein Fehler im System.“ Comfort, die fließend Englisch und gutes Deutsch spricht, leidet unter der Situation. „Ich kann nicht gut schlafen und habe ständig Kopfschmerzen“, erzählt sie traurig mit Blick auf den Boden.

Der 1. FFC Hannover 04 setzt sich für die 18-Jährige ein- Quelle: privat

Auch über die Vereinsgrenzen hinaus melden sich inzwischen Fußballvereine aus Hameln und Braunschweig mit weiteren Tipps. „Die Petition wurde sogar von einer Person aus Zürich unterschrieben“, so Müller. Diese soll in der kommenden Woche mit den handschriftlichen Unterschriften bei der Ausländerbehörde und dem Bundesrat eingereicht werden. Für die Unterstützung ist Comfort sehr dankbar: „Ich bin glücklich, dass die Menschen das alles für mich machen und hoffe, dass ich hier bleiben darf.“

Von Cecelia Spohn

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