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Meine Stadt Warnstreiks bei der Gilde-Brauerei - wegen Aufspaltung
Hannover Meine Stadt Warnstreiks bei der Gilde-Brauerei - wegen Aufspaltung
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19:19 26.09.2019
Gilde-Brauerei Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Der Gilde Brauerei in der Südstadt stehen zeitnah Warnstreiks ins Haus. Sie sollen schichtübergreifend sein, also länger dauern als acht Stunden. Dafür hat sich die Belegschaft am Donnerstag in einer Betriebsversammlung ausgesprochen, teilte Lena Melcher mit, die Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Region Hannover. Bei der Versammlung waren 67 Mitarbeiter, eine Teilbetriebsversammlung ist noch für 22 Uhr geplant, an der dann voraussichtlich 20 bis 25 Gilde-Mitarbeiter teilnehmen. Es geht um einen schon seit längerem schwelenden Tarifkonflikt und die Bezahlung der Mitarbeiter, den die NGG und die Geschäftsführung der Gilde-Brauerei austragen.

Dieser Konflikt hat jetzt an Dynamik zugenommen, nachdem die Gilde-Geschäftsführung die Gespräche bei der aktuellen Tarifrunde 2019 Anfang der Woche abgebrochen hatte. Eine Fortsetzung der Tarifverhandlungen wurde frühestens im Laufe des kommenden Jahres in Aussicht gestellt, so Lena Melcher weiter. Zudem wurde bekannt, dass die Gilde-Geschäftsführung die Brauerei in drei weitere Gesellschaften zerschlagen möchte, um wirtschaftlich effizienter arbeiten zu können.

NGG: Es gibt ungerechte Arbeitsbedingungen bei der Gilde

Seit Übernahme der Gilde Brauerei durch die TCB Beteiligungsgesellchaft 2016 gibt es bereits die Gilde Brauerei GmbH mit Bierproduktion, Qualitätskontrolle und Technk sowie die Gilde Vertriebs GmbH für den Bereich Verkauf. Neu hinzukommen sollen drei weitere Gesellschaften, die es in dem Betrieb nicht gibt: die Leine Logistik GmbH, die Hannoversche Abfüllgesellschaft mbH für die Dosenabfüllung und die Fass- und Flaschenabfüllgesellschaft Hannover. Von diesen Plänen habe die Gilde-Geschäftsführung die Mitarbeiter bislang nicht unterrichtet, so die NGG weiter. „Es brodelt ordentlich in der Belegschaft. Die Stimmung reicht von Wut bis Unverständnis darüber, dass den Mitarbeitern nicht erklärt wird, was man wie wann vorhat“, sagte die NGG-Geschäftsführerin weiter. Und: Nach ihren Angaben gibt es die drei neuen Gesellschaften bereits.

Zudem sorge die Ungleichbehandlung bei der Bezahlung für Unmut unter den Gilde-Brauern. „Seit dem Erwerb der Gilde Brauerei durch die TCB Beteiligungsgesellschaft zum Jahreswechsel 2015/2016 entwickeln sich die Arbeitsbedingungen scherenhaft auseinander. Bei gleicher Tätigkeit erhalten Beschäftigte, die seit 2016 eingestellt wurden, jährlich durchschnittlich 15.000 Euro brutto weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen, die noch Ansprüche auf die vormals gültigen Tarifkonditionen haben“, so Lena Melcher weiter.

Kein Stellenabbau – aber neue, eigenständige Einheiten?

Gilde-Chef Mike Gärtner, zugleich Mit-Geschäftsführer bei der TCB Beteiligungsgesellschaft, war nicht bei der Betriebsversammlung, hatte sich am Mittwochabend auf Anfrage der NP schriftlich wie folgt geäußert: „Der Kernbereich der Brauerei, also die Bierherstellung, Qualitätskontrolle und die Technik etwa, bleibt in der Gilde Brauerei GmbH. Tätigkeitsfelder, die nicht unmittelbar mit dem Brauen verbunden sind, wie Logistik und Abfüllung werden künftig in drei eigenständigen Einheiten am Standort arbeiten.“ Hier gehe es um eine strukturelle Änderung, die nicht mit einem Mitarbeiterabbau verbunden seien. „Solche Strukturen sind auch in anderen Unternehmen ab einer bestimmten Größenordnung üblich, um spezialisiert und effizient arbeiten, beziehungsweise auch Leistungen an Dritte anbieten zu können.“

Gilde-Chef: „Brauerei ist noch immer nicht kostendeckend“

Grundsätzliches Ziel sei es, effizienter zu werden und das Unternehmen für die Zukunft besser aufzustellen, so Mike Gärtner weiter. Denn: Die Brauerei schreibt nach seinen Schilderungen rote Zahlen. „Die Gilde hat bereits vor ihrer Übernahme nicht kostendeckend gearbeitet. Nach der Übernahme 2016 stellte sich die Situation im Rahmen der Bestandsaufnahme, etwa hinsichtlich des Zustandes verschiedener Anlagen, noch wesentlich schlechter dar“, führte der Gilde-Chef weiter aus. Seitdem habe man sehr viel investiert, in Technik, Schulungen, Prozesse und Mitarbeiter. „Wir haben die Mitarbeiterzahl am Standort fast verdoppelt. Der Absatz hat sich vervielfacht. Die Marke Gilde entwickelt sich weiterhin sehr gut mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten. Dennoch erwirtschaftet die Gilde Brauerei Verluste, und wir müssen weiter an der Restrukturierung arbeiten. Ein Schritt auf diesem Weg ist die jetzige Umstrukturierung.“

Gewerkschaft zweifelt wirtschaftliche Lage bei Gilde an

Dass die Gilde Brauerei noch immer wirtschaftlich defizitär ist, will die NGG nicht hinnehmen: „Innerhalb von drei Jahren hat sich der Bierabsatz mehr als verdreifacht, Tendenz weiter steigend. Die Produktivitätssteigerung ist offensichtlich. Hingegen nicht offensichtlich ist, wo Aufträge und Gewinne in der Konzernstruktur, in der sich die Gilde seit 2016 befindet, verbucht werden“, so Lena Melcher von der Gewerkschaft. Mike Gärtner betonte, dass die Tarifverhandlungen vor dem Hintergrund des Restrukturierungsprozesses und der defizitären Lage verschoben worden seien. „Wir müssen erst einmal die Basis schaffen, um verhandeln zu können. Dazu sind wir aber nach wie vor bereit. Momentan brauchen wir aber alle Zeit und Kraft, um die notwendigen Strukturänderungen vorzunehmen. Diese verhandeln wir derzeit mit dem dafür zuständigen Betriebsrat.“

NGG: „Gilde-Chefs machen sich die Vorgaben quasi selber“

Kurios findet es die Gewerkschaft NGG, dass die Gilde-Verantwortlichen die Aufspaltung der Brauerei in viele GmbHs ihnen gegenüber mit Vorgaben der Muttergesellschaft, der TCB Beteiligungsgesellschaft aus Frankfurt/Oder, erklärt haben. Die TCB habe Strukturveränderungen bei der Gilde vorgegeben, damit man in den Standort Investitionen vornehmen könne, so die NGG. Lena Melcher: „Die Chefs der TCB, Karsten Ullmann und Mike Gärtner, sind die gleichen Personen, die auch bei der Gilde das Sagen haben. Sie machen sich die Vorgaben also quasi selber.“

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