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Meine Stadt Vorzeige-Soldat betrügt Bundeswehr
Hannover Meine Stadt Vorzeige-Soldat betrügt Bundeswehr
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18:28 28.11.2018
VERURTEILT: Michael G. mit seinem Anwalt Jörgen Breckwoldt.
VERURTEILT: Michael G. mit seinem Anwalt Jörgen Breckwoldt. Quelle: Villegas
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HANNOVER

Michael G. (44) lebte für die Armee. Etwa 1000 Überstunden habe er im Jahr gemacht, sagte er am Mittwoch im Amtsgericht. Er bezog regelmäßig Leistungsprämien. Seine Frau machte ihm Vorwürfe: Du bist doch mit Deinem Divisionskommandeur verheiratet. Umso unerklärlicher, dass der Soldat aus Leidenschaft seinen Arbeitgeber um mehr als 47 000 Euro betrogen hatte. Wegen gewerbsmäßigen Betruges in 53 Fällen verurteile ihn Richter Michael Siegfried zu 18 Monaten Haft auf Bewährung. Bleibt es bei diesem Urteil, wird der Personalstabsoffizier bei der Truppe ausgekleidet.

Von Dezember 2012 bis Juni 2017 bezog der Oberstleutnant Mietzuschüsse und Trennungsgeld. Das Problem: Der Oberstleutnant (3000 Euro Netto im Monat) bezog das Geld für Wohnungen, die er gar nicht nutzte. Der Offizier bekam 495 Euro Monatsmiete für eine Wohnung in Hannover. Gleichzeitig gab er als Heimatadresse seine Wohnung in Heidenheim an der Brenz an, doch dort wohnte er seit Ende 2011 nicht mehr. Nach seinem Dienstschluss in der 1. Panzerdivision fuhr er an den heimischen Herd nach Lehrte.

Diese Nummer zog er auch 2016 in Oldenburg durch, als die Panzerdivision umziehen musste. Als er im April 2017 nach Potsdam ins Einsatzführungskommando der Bundeswehr versetzt wurde, flog der Schwindel auf. Laut eines Zeugen hat er für die Wohnung in Oldenburg sogar einen gefälschten Mietvertrag vorgelegt.

„Ich wollte mich nie bereichern", meinte der Angeklagte. Die erschwindelte Summe zahlte er in einem Betrag zurück. „Ich lebe sparsam", erzählte er. Seit März 2018 ist er vom Dienst suspendiert. Sein Gehalt wurde um die Hälfte gekürzt.

Vor Gericht versuchte der Offizier seine Schuld herunterzuspielen. Er habe die Anträge immer ein Jahr im Voraus ausgefüllt. Selbst ein Bundeswehr-Psychiater konnte das Motiv des Angeklagten nicht ergründen. Doch es gibt Hinweise. So sagte er dem Psychiater: „Mir war nicht bewusst, dass ich etwas falsch gemacht habe." Soll das heißen, er hat es gemacht, weil er es konnte? Und warum betrügt ein gut verdienender Soldat seinen geliebten Arbeitgeber, wenn nicht aus Gier.

„Sie haben mit erheblicher krimineller Energie gehandelt“, urteilte Richter Siegfried. Als Personalstabsoffizier sei ein solches Verhalten nicht zu dulden. Eine kleine Ironie steckt in der Bewährungsauflage für „Soldat Gierig“: Er muss jeden Wohnsitzwechsel dem Gericht mitteilen.

Von Thomas Nagel