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Meine Stadt Vonovia-Mieter sauer: Dauerbaustelle am Sporlederweg
Hannover Meine Stadt Vonovia-Mieter sauer: Dauerbaustelle am Sporlederweg
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17:35 09.05.2019
Traurig und wütend: Mieterin Marlies Sancho Rico sieht beim Blick nach draußen nur ein blaues Netz. Auch ihren Balkon kann sie seit Monaten nicht nutzen. Quelle: Fotos: Behrens
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Hannover

Marlies Sancho Rico (81) wohnt seit 30 Jahren in ihrer 3-Zimmer-Wohnung im Sporlederweg (Linden-Limmer). Liebevoll hat sie die 67 Quadratmeter eingerichtet, überall hängen Bilder an den Wänden, Dekofiguren zieren die Fensterbank. Doch so richtig wohl fühlt sich die Dame dort nicht mehr. Grund dafür sind die Modernisierungsmaßnahmen der Vonovia (NP berichtete). Rund 604 Euro zahlt Sancho derzeit für ihre Wohnung, nach Abschluss der Arbeiten sollen es 160 Euro mehr sein. Ähnliche Summen müssen bald alle Vonovia-Mieter aus dem Sporlederweg 14, 16, 18, 20, 22 und 24 drauflegen.

Abschluss der Arbeiten erst im Herbst

Das ist noch nicht alles: Die Arbeiten verlaufen nach Angaben der Mieter nur schleppend. Nun wurde ihnen sogar mitgeteilt, dass sich der Abschluss der Arbeiten um mehrere Monate verzögert. Ursprünglich sollte bei Sancho Rico bis zum 15. März alles fertig sein. In einem Brief wurde der 81-Jährigen nun der 30. Juni mitgeteilt. „Das grenzt hier an Körperverletzung“, sagt sie wütend. Die Dame ist auf einen Rollator angewiesen, kann die Treppen kaum laufen. „Der Balkon ist der einzige Ort, wo ich mal draußen sitzen kann“, klagt sie. Doch der ist seit November verriegelt. Passiert ist seit dem kaum etwas. „Ich bin sehr traurig, manchmal kommt auch Wut auf, dass alles so schleppend läuft. Ich fühle mich betrogen.“ Wenn sie aus ihrem Fenster blickt, sieht sie nur ein blaues Netz, von dem das Gerüst eingehüllt ist. „Teilweise wurde das Netz abgenommen, doch genau dort, wo ich rausblicke, hängt es noch.“

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Als nächstes steht das Badezimmer an. Wann genau, weiß sie jedoch nicht. Während dieser Zeit, müsste die Dame eigentlich einen Container mit Toiletten und Duschen im Innenhof nutzen. „Ich kann aber keine Treppen laufen. Und der zuständige Mitarbeiter von Vonovia geht einfach nicht ans Telefon. Ich werde hier niemanden rein lassen, bevor ich keine Rückmeldung dazu habe.“ Die Vonovia sagt dazu auf NP-Anfrage: „Wir nehmen die Sorgen unserer Mieter sehr ernst und kümmern uns um ihr Anliegen.“ Den Mietern seien mehrere Ansprechpartner mitgeteilt worden. Warum dort jedoch niemand ans Telefon geht, bleibt unbeantwortet.

Vonovia verspricht Entschädigungen

Die Wohnung vom Familie Backhaus – in der Cornelia Backhaus mit ihren Sohn René und ihrem Lebensgefährten Wolfgang Wessel lebt – sollte im April fertig sein, 150 Euro sollen sie mehr zahlen. „Wir bekamen ein Schreiben, dass sich alles bis Ende Juni verzögert“, sagt der 28-Jährige verärgert. Wann es weiter geht, weiß keiner. Die Vonovia begründet die Verzögerungen unter anderem mit der „Hochkonjunktur im Bauwesen und dem damit verbundenen Engpass bei den Nachunternehmerkapazitäten.“ Das Merkwürdige: „Der Bauleiter hat gesagt, dass unser Bad im September gemacht wird. Wie soll dann im Juni alles fertig sein“, fragt sich Backhaus.

Hinzukommt die Schwerbeschädigung von Wolfgang Wessel, weswegen er die Container im Innenhof nicht nutzen kann. Das habe die Familie der Vonovia mitgeteilt. „Es kam nicht mal eine Empfangsbestätigung“, so René Backhaus. Vonovia hingegen beteuert, dass sich in so einem Fall das Härtefallmanagement um eine individuelle Lösung kümmere. Die Familie hat bereits seit Beginn der Arbeiten einen Anwalt eingeschaltet, um die Miete, auch wegen der Baustelle auf dem Balkon, zu mindern. „Wir müssen aber warten. So lange nichts fertig ist, passiert nichts“, sagt Cornelia Backhaus (58). Die Vonovia versichert, dass es „für die eingeschränkte Nutzung der Balkone nach Abschluss der Baumaßnahmen selbstverständlich eine angemessene Entschädigung“ gebe.

Mindestens zwei Wochen kein Badezimmer

Zumindest bei Peter Sandmann (74) geht es endlich vorwärts. Seit Anfang der Woche wird sein Bad saniert, mindestens 14 Tage soll das dauern. Für den 74-Jährigen eine stressige Zeit: „Ich weiß gar nicht wohin ich auf den 33 Quadratmetern mit meinen Sachen soll.“ Dafür seien die Toiletten-Container in Ordnung „Da kann man hygienisch gesehen nichts sagen.“ Allerdings kann auch er seinen Balkon seit Anfang August 2018 nicht nutzen. „Ich bin nicht gut zu Fuß und mag die Sonne, kann aber nicht groß raus.“ Er hofft auf eine angemessene Entschädigung. „Es ist alles sehr langatmig.“

Angekündigte Modernisierungen abgesagt

In den Häusern 8, 8a, 10, 10a, 13, 15, 17 und 19 hingegen, werden die angekündigten Modernisierungen gar nicht mehr durchgeführt. „Aufgrund von Kapazitätsengpässen und technischen Herausforderungen, die sich bei bereits laufenden Projekten ergeben haben, wurden die Modernisierungen an diesen Häusern auf unbestimmte Zeit verschoben“, so eine Vonovia-Sprecherin. Zu den bereits laufenden Maßnahmen heißt es weiter: „Wir arbeiten daran, alle Arbeiten zügig – voraussichtlich bis September – abzuschließen.“

Von Cecelia Spohn