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Meine Stadt Von der Steinzeit bis zu den Römern: Mit Mofa und Spürsinn auf der Jagd nach Funden
Hannover Meine Stadt Von der Steinzeit bis zu den Römern: Mit Mofa und Spürsinn auf der Jagd nach Funden
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17:57 16.09.2019
Germanische Nachbarn: Diesen Feuerschutz (links) und die große Schale hat Wolfgang Bauer in einer Siedlung unweit des Römerlagers bei Wilkenburg entdeckt. Quelle: Dröse/König-Landesamt für Denkmalpflege
Hannover

Rund 20.000 Legionäre campierten in den Jahren nach Christi Geburt im Römerlager bei Hemmingen-Wilkenburg. Und so viel darf als sicher gelten: Sie bewegten sich in unmittelbarer Nachbarschaft von Germanen, die dort lebten. Nur 500 Meter entfernt befand sich eine Siedlung. Dass deren Existenz belegt und in die römische Kaiserzeit eingeordnet werden kann, ist auch Wolfgang Bauer zu verdanken.

Dessen Hobby war die Archäologie. Mit dem Mofa und dem Rad war der heute 86-Jährige zwischen Hemmingen und Giesen immer entlang der Leine unterwegs, auf der Suche nach Relikten aus vielen Tausend Jahren lokaler Siedlungsgeschichte. 60 Fundstellen hat er in rund 40 Jahren untersucht. Seine schönsten und wichtigsten Funde sind nun in einer Ausstellung im Landesamt für Denkmalpflege an der Scharnhorststraße zu sehen.

Hobby-Archäologe setzte sogar Gefäße zusammen

Bauer hat seine Sammlung dem Land übergeben, weil er mittlerweile ins westfälische Beckum in eine kleinere Wohnung gezogen ist. Und dessen Archäologen haben diese gerne übernommen. „Er hat sich wirklich immer vorbildlich verhalten und jeden seiner Funde gemeldet. Wir haben dadurch viele neue Erkenntnisse gewinnen können“, versichert der für die Region zuständige Bezirksarchäologe Friedhelm Wulf.

Sogar als Restaurator konnte Bauer glänzen. Als gelernter Stuckateur wusste er, was er tat, wenn er gefundene Bruchstücke von Gefäßen und Schalen wieder zusammensetzte und fehlende Teile ergänzte. Etwa die Butte aus der Zeit von 5000 vor Christus, die er bei Barnten entdeckte. Ein großes Gefäß mit Henkeln zum Aufhängen, das vor dem Brennen des Tons per Fingernagel mit Linien verziert wurde. Linienbandkeramische Kultur werden die ersten Bauern genannt, die sich – aus Anatolien kommend – in der Gegend niederließen und hier Ackerbau und Viehzucht etablierten.

40 Jahre hat Hobby-Archäologe Wolfgang Bauer (86) in der Region nach Fundstücken gesucht. Die schönsten und wichtigsten sind nun in einer Ausstellung im Landesamt für Denkmalpflege zu sehen.

Viele Funde Wolfgang Bauers sind aber noch viel älter. Der große Faustkeil etwa, den er bei Hemmingen-Westerfeld entdeckte, stammt wohl aus der Zeit um 50.000 vor Christus, als noch Jäger und Sammler die Gegend durchstreiften. Mit Erfahrung und Spürsinn – und ganz ohne Sonden – hat der Hobby-Archäologe seine Entdeckungen gemacht. Vor allem rund um Kiesgruben, die ausgehoben wurden, auf deren Abraumhalden sowie wenn neue Baugebiete erschlossen wurden.

Siedlungsfunde aus der Römerlager-Zeit gewinnen an Bedeutung

Mit dem Fund des Römerlagers bei Hemmingen haben einige der Relikte neue Bedeutung gewonnen. Die aus der 500 Meter entfernten Germanen-Siedlung müssen allerdings noch genauer ausgewertet werden. „Da besteht Handlungsbedarf“, sagt Bezirksarchäologe Wulf. Auf eine Zerstörung der Siedlung gebe es allerdings keine Hinweise. „Wir gehen davon aus, dass es dort friedlichen Austausch zwischen Römern und Germanen gegeben hat“.

Zu sehen ist die Ausstellung im Landesamt noch bis zum 25. Oktober, jeweils montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr. Danach soll sie in Nordstemmen und weiteren Orten gezeigt werden.

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Von Christian Bohnenkamp

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