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Meine Stadt Hannover: Wo sich Trauernde austauschen können
Hannover Meine Stadt Hannover: Wo sich Trauernde austauschen können
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08:15 17.11.2019
Machen es sich behaglich: Trauerbegleiterin Petra Mahncke (rechts) spricht im Trauercafé mit Witwe Maria-Anna über den Tod deren Mannes. Quelle: Foto: Wilde
Hannover

Bis dass der Tod uns scheidet. Das Versprechen kennen alle, die sich kirchlich trauen. Es beruht auf einem Zitat aus dem Markusevangelium, Kapitel 10, Vers 9: „Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“ Ein Versprechen, das auf der Hoffnung beruht, in Liebe miteinander alt zu werden, den schwächeren Partner vielleicht sogar zu pflegen, sollte er das brauchen. Eben das Leben miteinander zu teilen, bis der Tod die Partner voneinander trennt.

Das erleben längst nicht alle Ehepaare, für das Jahr 2018 gab das Statistische Bundesamt zum Beispiel bekannt, dass etwa jede dritte Ehe geschieden worden sei. Die meisten nach 14,9 Jahren miteinander. Bei Maria-Anna war das anders: Sie hatte 34 Jahre mit ihrem Partner zusammengelebt, bevor er im Alter von 93 Jahren verstarb. Die beiden hatten zwar nie geheiratet, wenn sich Maria-Anna an ihn erinnert, nennt sie ihn aber dennoch „meinen Mann“.

„Eine verheiratete Witwe“

Im Jahre 2007 war eine Demenz bei ihm festgestellt worden, die heute 80-jährige Maria-Anna, pflegte ihn. Die letzten anderthalb Jahre verbrachte er in einem Heim, Maria-Anna besuchte ihn täglich, war für ihn da. „Zu dem Zeitpunkt“, erzählt sie, „habe ich einer Freundin mal erzählt, ich hätte manchmal das Gefühl, ich sei eine verheiratete Witwe.“ Sie schlief ja allein zu Hause, ihr Mann blieb im Heim. Ob ihr die Pflege je zu viel geworden sei? „Nein“, betont die gelernte Krankenschwester, schüttelt ihre kurzen weißen Haare und sagt: „Ich habe ihn doch geliebt.“

Im Dezember 2017 ist er verstorben. Maria-Anna fehlt er immer noch, sie trauert nach wie vor um ihre große Liebe. „Einerseits wächst zwar das Gefühl von Dankbarkeit für so viele gute, gemeinsame Jahre mit ihm, andererseits kommt aber das Einsamkeitsgefühl bei mir verstärkt wieder hoch“, erzählt sie im Trauercafé. Das leitet die ausgebildete Trauerbegleiterin Petra Mahncke im Bestattungshaus Wiese an der Baumschulenallee 32 in Misburg. Seit zehn Jahren gibt es das, seit dem vergangenen Jahr leitet es die 64-Jährige. Aktuell betreut sie 41 Trauernde. Sie treffen sich in geschlossenen Gruppen, die größte besuchen aktuell 16 Teilnehmer. Eine Gruppe ist speziell für Töchter, die ihre Mütter verloren haben. Zusätzlich bietet Mahncke das Trauercafé als offene Gruppe an.

Weitere Trauercafés

Außer dem Misburger Unternehmen Wiese (05 11/95 78 57, wiese-bestattungen.de) gibt es noch einige weitere Anbieter von Trauercafés. Das Diakonische Werk lädt zum Beispiel jeden zweiten Montag im Monat von 14.30 bis 16.30 Uhr ein ins Trauercafé Lichtblick an der Burgstraße 10. Infos erteilt Hedda Beißner unter 05 11/3 68 71 19 oder per Mail unter hedda.beiszner@dw-h.de.

Die Gemeinde Sankt Bernward veranstaltet ein Trauercafé im Ansgarhaus an der Olberstraße 4–10 an jedem dritten Donnerstag im Monat von 15 bis 17 Uhr. Infos unter 05 11/8 38 90.

Der Hospizdienst für Burgdorf, Sehnde, Lehrte und Uetze bietet jeden ersten Sonnabend im Monat von 15.30 bis 17.30 Uhr ein Trauercafé im Gemeindehaus der Matthäus-Kirchengemeinde An der Marsch 26 in Lehrte an. Mehr Infos beim Diakonieverband Hannover-Land unter 0 51 09/51 95 42.

Und auch das Hospiz Luise lädt ein zum Trauercafé an jedem ersten Sonntag im Monat von 15.30 bis 17.30 Uhr in den ka:punkt an der Grupenstraße 8 in der Nähe der Marktkirche. Infos gibt’s beim Ambulanten Hospizdienst Luise unter 05 11/52 48 76 14.

Petra Mahncke hat das Trauercafé selbst kennengelernt, als sie trauerte: Auch sie hat ihren Mann überlebt. 2015 war er verstorben, 2016 begann sie, die damalige Leiterin manchmal zu vertreten. Und als Petra Mahncke 2018 ihre Stelle als Pflegedienstleiterin aufgab und in den Ruhestand ging, ließ sie sich beim Trauer- und Traumaexperten Dittmar Rostig in Dresden zur Trauerbegleiterin ausbilden und übernahm die Gruppe in Hannover schließlich ganz.

Wie das Leben in ein Loch fällt

„Trauerbegleitung geht nur, wenn die Trauererfahrung das eigene Leben schon einmal aus der Bahn geworfen hat“, findet Petra Mahncke. Wenn jemand erfahren hat, wie ein Trauernder bis zur Beisetzung des geliebten Menschen funktioniert, auch danach noch viel Organisatorisches zum Beispiel mit Versicherungen und Banken klärt. Wie er danach aber in ein Loch fällt, sich kaum noch konzentrieren kann, Schlüssel verlegt, Namen vergisst, schlecht schläft. „Auf der Arbeit habe ich in der Zeit für jeden Vorgang dreimal so viel Zeit gebraucht wie vorher“, beschreibt Mahncke.

An die Konzentrationsprobleme erinnert sich auch Journalistin Erika (64). Ihr Mann war vor zweieinhalb Jahren im Alter von 65 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben. „Ich habe so vieles vergessen am Anfang“, berichtet sie über einer Tasse grünem Tee und einem Stück Streuselkuchen im Trauercafé. Und die plötzliche Stille in ihrer Wohnung habe ihr zu schaffen gemacht. „Ich hatte ständig den Fernseher laufen“, veranschaulicht sie, „ich wollte etwas Lebendiges hören.“ Petra Mahncke nickt: „Das ging mir genauso. Ich habe schon das Frühstücksfernsehen eingeschaltet, obwohl ich das nie vorher geguckt hatte. Und Schnulzen mochte ich auf einmal.“ Erika lacht: „Ja, alles, was mit einem Happy End ausgeht, Filme, in denen das Leben wieder in Ordnung kommt.“

Einander zuhören, miteinander weinen

Im Trauercafé kennen alle Besucher diese Erfahrungen, tauschen sich aus, geben sich Tipps darüber, was ihnen gut tut. Sie hören einander zu, weinen miteinander. „Davor hatte ich vorher große Angst“, gesteht Maria-Anna. „Ich bin sehr nah am Wasser gebaut und eigentlich müsste ich Haltung wahren. Weinen in der Öffentlichkeit oder zumindest vor Fremden habe ich als peinlich empfunden. Allerdings nur, bis ich hier in die Trauergruppe kam und gemerkt habe: Hier darf ich das. Das war sehr befreiend.“

„Wir fassen hier zusammen einen Plan für den Rest des Lebens ohne den verstorbenen Partner“, erläutert Petra Mahncke. „Die Trauernden lernen auch, dass sie sich durchaus wieder freuen dürfen, dass sie wieder Spaß haben und lachen dürfen.“ Darum geht die Gruppe schon mal ins Theater, die Oper oder auch zum Rudelsingen ins Pavillon am Raschplatz. Oder sie gehen auf Erlaubnisreise: Sie erlauben sich, auch ohne Partner zu verreisen, ohne allerdings dabei allein sein zu müssen, denn sie haben ja den Halt der Gruppe. So soll es im kommenden Jahr zum Beispiel Tagestouren nach Lüneburg, Goslar oder Bückeburg geben und dazu auch Reisen übers verlängerte Wochenende an Ziele wie Helgoland, Leipzig, Lübeck oder Potsdam.

Bis dass der Tod sie schied, haben die Trauernden mit ihren geliebten Menschen zusammen gelebt. Im Trauercafé lernen sie, wie es mit dem Weiterleben funktionieren kann.

Das Friedhofsmuseum

Anlässlich des Volkstrauertags am Sonntag, den 17. November, und des Totensonntags am 24. November wird das Friedhofsmuseum auf dem Stadtfriedhof Seelhorst an der Garkenburgstraße 43 jeweils von 10 bis 16 Uhr geöffnet sein. Mitarbeiter führen durch die Ausstellung und erklären, wie sich die Friedhofs- und Bestattungskultur über die Jahre verändert hat. An beiden Tagen besteht außerdem jeweils um 11 und 15 Uhr die Möglichkeit, die Kapellen und Verabschiedungsräume auf dem Stadtfriedhof anzuschauen.

Von Verena Koll

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