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Meine Stadt Verwaltungshochschule lehrt in Gebäude ohne Baugenehmigung
Hannover Meine Stadt Verwaltungshochschule lehrt in Gebäude ohne Baugenehmigung
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00:19 06.12.2018
DIE VILLA: Das NSI soll Vorschriften des Baurechts und des Brandschutzes in der Wielandstraße 5 (Mitte) missachtet haben. Quelle: Foto: Behrens
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HANNOVER

Dort, wo die künftigen Verwaltungsfachleute ausgebildet werden, wird offenkundig das geltende Recht mit Füßen getreten. Das Niedersächsische Studieninstitut für kommunale Verwaltung (NSI, Träger der Hochschule für Verwaltung in Niedersachsen) betreibt ein Gebäude, für das es keine Genehmigung gibt und für das der Brandschutz unzureichend ist. Das geht aus Unterlagen hervor, die der NP vorliegen. Die Rede ist vom Gebäude in der Wielandstraße 5 (intern die „Villa“ genannt).

„Es gibt keine ernsthaften Mängel“, sagt Ralf Grabowski, NSI-Geschäftsführer und Hochschulkanzler. Von größeren baulichen Mängeln könne keine Rede sein. Er vermutet, dass ein suspendierter Mitarbeiter versuche, die Hochschule anzuschwärzen.

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Aus der Stellungnahme eines Architekten vom 18. September 2018 geht hervor, dass die Nutzung der „Villa“ als Büro- und Hörsaalgebäude nicht genehmigt sei. Die Baugenehmigung liegt nur für eine Nutzung als Wohnraum vor. Ein Brandsachverständiger stellte sieben baurechtswidrige Fakten fest. „Das Büro im Dachgeschoss, welches nur durch den Treppenraum erschlossen wird, ist umgehend zu sperren“, heißt es weiter. Wegen eines fehlenden zweiten Fluchtweges müsse dieses Büro sofort aufgegeben werden.

Nach NP-Informationen haben NSI-Geschäftsführer und Präsident die Stellungnahme der Sachverständigen ignoriert. Aus Protest darüber sollen Mitarbeiter dem städtischen Bauamt die Papiere überreicht haben. Im Bauamt tut man so, als sei das keine behördliche Angelegenheit. Stadtsprecherin Michaela Steigerwald: „Es handelt sich bei dem Studieninstitut um eine private Institution. Wir sind nicht berechtigt, Auskunft über Dritte zu geben.“

Es geht auch weniger um Informationen als um behördliches Handeln. So wie in Braunschweig. Im März 2015 untersagte das städtische Bauamt dem NSI „mit sofortiger Wirkung“ große Teile der Nutzung eines Gebäudes in der Wendenstraße.

Der Architekt, der sich die „Villa“ angesehen hat, spricht im Falle eines Brandes von „einer konkreten Gefahr“. So fehlt ein Treppenraum im Keller, der „zur Sicherstellung des ersten Flucht- und Rettungsweges aus dem Erdgeschoss und den Obergeschossen (...) erforderlich sei“.

Wie lax das NSI mit den Vorschriften umgeht, zeigt die Nutzung des ersten Stocks in der Wielandstraße 5. In den Plänen ist von einer Bibliothek die Rede, mittlerweile wird das Stockwerk als Seminarraum für etwa 60 Studenten genutzt. So sei auch nicht geprüft worden, ob bei den vielen Umbauten nicht auch tragende Wände entfernt worden seien, sagt ein NSI-Mitarbeiter. Wie auch, ohne Überprüfungen.

Keine Baugenehmigungen, unzureichender Brandschutz, vielleicht auch eine fehlende Statik: So einen Umgang mit den Vorschriften des Baurechts können sich private Bauherren nicht erlauben.

Von Thomas Nagel

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