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Meine Stadt Versuchter Mord: Freispruch für Rentner
Hannover Meine Stadt Versuchter Mord: Freispruch für Rentner
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14:40 05.04.2019
VOR DEM URTEIL: Gerhard W. (Bildmitte) kommt mit einer milden Bestrafung davon. Seine Anwälte Thomas Munzel (links) und Erhard Granzow hatten auf Freispruch plädiert. Quelle: Nagel
HILDESHEIM

Opfer-Anwältin Kerstin Boscheinen ist empört: „Das war ein absolutes Fehlurteil.“ Am Freitag hat die Schwurgerichtskammer Hildesheim den Rentner Gerhard W. (76) vom Vorwurf des versuchten Mordes freigesprochen. Der Angeklagte wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Wegen der „rechtsstaatswidrigen Verzögerung“ des Verfahrens werden ihm zwei Monate erlassen. Das Gericht habe zwei Jahre und acht Monate das Verfahren nicht betrieben, so Richter Peter Peschka.

Am 25. März 2014 hatte W. beim Verlassen eines Parkplatzes in Alfeld eine Fußgängerin (54) übersehen. Er touchierte sie leicht am Bein. Die Altenpflegerin ging an der Fahrerseite des Opel Corsas vorbei, um dem Wagen auszuweichen. Der Angeklagte legte einen Rückwärtsgang ein und brachte die Frau zu Fall. Der Rentner überfuhr sie rückwärts. Im Vorwärtsgang schleifte er sie anschließend mehrere Meter mit. Auf der Straße blieb die Frau schwer verletzt liegen, W. fuhr weiter. Heute ist die Frau ein Pflegefall und leidet unter Depressionen. Sie übersteht den Tag nur mit schwersten Schmerzmedikamenten, ihr droht die Amputation des linken Arms.

„Der Angeklagte hat nicht gemerkt, dass er einen Menschen überfahren hat“, so die Richter. Er habe zwar Kratzgeräusche unter dem Wagen bemerkt, aber gedacht, dass sei ein Bordstein. Das Opfer hatte immer wieder gesagt, dass sie unter dem Auto um ihr Leben geschrien habe. „Laute Schreie“ schloss das Gericht aus, weil sonst Zeugen die Rufe hätten hören müssen. Das Gericht gab der Frau eine Mitschuld an der Straftat. „Wenn sie vorneweg gegangen wäre, wäre nichts passiert“, so Peschka.

Richter Peschka legte Täter und Opfer nahe, auf Rechtsmittel zu verzichten. Er wies auf die geringe Aufhebungsquote seiner Urteile hin. Die Frau habe gesagt, dass die Therapie solange keine Fortschritte mache, bis das Verfahren abgeschlossen sei, zitierte er das Opfer. Eine Revision und ein neuer Prozess würden mindestens ein Jahr dauern. Dass der Richter das Verfahren fast drei Jahre verschleppt hat, ließ er in diesem Zusammenhang unerwähnt. Gerhard W. hat seit 6. Juni 2018 seinen Führerschein wider.

Von Thomas Nagel

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