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Meine Stadt Scheitert Hannovers Verkehrswende?
Hannover Meine Stadt Scheitert Hannovers Verkehrswende?
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18:46 05.11.2018
Am Rand: Radfahrer an der Königsstraße. Die Region will ihnen mehr Raum geben – zu Lasten des Autoverkehrs. Quelle: Behrens
Hannover

Verpasst Hannover die Verkehrswende? Und was tun, dass sie doch noch klappt? Darüber ist heftiger Streit zwischen der Region und der SPD in Hannovers Rat entstanden. Anlass sind neue Zahlen aus dem Bundesverkehrsministerium, aus denen hervorgeht, dass der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) und der Radverkehr stagnieren (Text unten).

Ulf-Birger Franz, Verkehrsdezernent der Region, fordert die Stadt Hannover auf, „mehr Mut“ zu zeigen. Für ihn steht fest: Wenn die Verkehrswende funktionieren soll, reicht es nicht aus, Radverkehr und öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen. „Wir brauchen eine Einschränkung des Autoverkehrs und des Parkraums“, fordert Franz. Der aktuelle Beschluss des Ampelbündnisses im Rat, das die Parkgebühren im Innenstadtbereich pro Stunde von 1,80 auf 2,60 Euro erhöhen will, ist für ihn „ein Schritt in die richtige Richtung“.

Einer, der aber nicht ausreiche. „Es geht so nicht weiter“, sagt der Verkehrsdezernent und bietet der Stadt an, „gemeinsam ein Konzept zu erarbeiten“.

Verkehrswende: SPD im Rat sieht Region auf der Bremse

Für die SPD in Hannovers Rat ist hingegen die Region selbst die Bremse in Sachen Verkehrswende. „Offenbar ist da im Kopf einiger Leute der Strom ausgefallen“, wettert SPD-Verkehrsexperte Lars Kelich in Richtung Franz und wirft diesem vor, „von eigenen Fehlern abzulenken“.

Hinter den Plänen zum barrierefreien Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs hinke die Region „Lichtjahre hinterher“, kritisiert Kelich. Im Umland streiche sie Buslinien und weigere sich, die Wasserstadt Limmer an das Stadtbahnnetz anzuschließen sowie – wie in Wien – ein 365-Euro-Jahresticket für den öffentlichen Nahverkehr einzuführen.

Franz weist das entschieden zurück. Gestrichen würden nur Linien, mit denen fast niemand fahre, beliebte hingegen ausgebaut. Er rechnet sogar mit einem Fahrgastplus bei der Regiobus. Beim barrierefreien Ausbau sei Hannover „ganz vorne mit dabei“. Und bei der Diskussion um das Wiener Ticketmodell würden gerne wichtige Fakten unterschlagen. Zum Beispiel habe Wien auch das Autofahren unbequemer gemacht. Die Einnahmeverluste durch die günstigen Jahrestickets seien dort zu großen Teilen durch höhere Parkgebühren ausgeglichen worden, so Franz.

„Schlicht falsch“, sei diese Behauptung, sagt Kelich. Parken in Wien koste pro Stunde nur gut zwei Euro. Er wirft der Region „eine Drangsalierung der Autofahrer“ vor.

Nahverkehrs-Zwangsticket für Autofahrer?

Für Irritationen bei der Rats-SPD sorgt auch der Vorschlag der Regionsgenossen, dass Autofahrer, die in die Innenstadt wollen, künftig ein Jahresticket für den Nahverkehr lösen sollen. Ergebnis einer Zukunftsdebatte, die Vorschläge für die Bundespartei liefern sollte.

„Mit mir als Verkehrsexperten der SPD hat das niemand besprochen“, ärgert sich Kelich. Er hält von der Idee „nichts. Das ist Zwangsbeglückung“.

Der Vorschlag sei „lediglich ein Diskussionsbeitrag und nicht ansatzweise festgeschrieben“, betont Matthias Miersch, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Hannover. Es gehe nicht darum, „Autofahrer zu finanziell Leidtragenden zu machen. Unser Ziel ist es, den ÖPNV auszubauen und damit unsere Lebensgrundlage zu schützen“, erklärt Miersch.

Stagnation beim öffentlichen Nahverkehr und Radverkehr, bei jeweils 19 Prozent. Nur ein minimales Plus von einem Prozent bei den zu Fuß zurückgelegten Strecken: Der aktuelle Modal Split, die Nutzung der verschiedenen Verkehrsmittel im Vergleich, ist für Hannover eine große Enttäuschung. Zwischen 2011 und 2017 ist es nicht gelungen, den Anteil des Autoverkehrs zu Gunsten umweltfreundlicherer Verkehrsmittel zu verringern. Er liegt laut der vom Bund in Auftrag gegebenen Studie „Mobilität in Deutschland“ unverändert bei 38 Prozent.

Etwas besser sieht die Entwicklung im Umland aus. Dort stiegen die Nutzung von ÖPNV und Fahrrad um jeweils zwei auf 13 und 14 Prozent, der Fußgängerverkehr um ein auf 19 Prozent. Der Anteil der Autofahrten sank um vier auf 55 Prozent.

Von Christian Bohnenkamp

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