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Meine Stadt Parken künftig deutlich teurer – dafür eine Brötchentaste für die City
Hannover Meine Stadt Parken künftig deutlich teurer – dafür eine Brötchentaste für die City
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00:19 30.01.2019
Easy-Park-App, Parkplatz finden - Find & Park, Nico Schlegel
Easy-Park-App, Parkplatz finden - Find & Park, Nico Schlegel Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Bevor die Parkscheinautomaten in der Landeshauptstadt auf die neuen Preise umgestellt werden, muss die Parkgebührensatzung geändert werden. Dazu muss der Rat eine entsprechende Drucksache absegnen – die muss ihm die Verwaltung noch vorlegen, was noch „Anfang 20019“ geschehen soll „Unmittelbar“, nachdem dann die geänderte Satzung veröffentlicht ist, sollen die 280 Parkscheinautomaten umgestellt werden. Die „Umstellung von Software und Hardware („Brötchentaste“) wird innerhalb einer Woche abgeschlossen sein“, erklärt die Stadtverwaltung. Die Aufträge dafür würden gerade vorbereitet.

Das Neue ist dabei die Brötchentaste: Künftig darf in Hannover zehn Minuten lang kostenlos geparkt werden – wohl ausreichend, um mal eben beim Bäcker Brötchen holen zu gehen. Diesen „Service“ gibt es andernorts schon lange, etwa in Neustadt am Rübenberge. In Stuttgart „spendiert“ die Brötchentaste gar 30 Minuten – allerdings nicht direkt im Stadtzentrum.

Sonderzone Herrenhäuser Gärten

In Hannover dürfen Elektrofahrzeuge (alle, die ein E-Kennzeichen haben, also auch Hybridfahrzeuge) kostenlos parken – allerdings nicht auf den Plätzen an den Herrenhäuser Gärten: Dort sei eine „Sonderzone“: Der Parkplatz „Ost“ etwa sei mittels Schranken gesichert, und die installierte Technik könne ja nicht unterscheiden, ob da nun tatsächlich ein E-Auto rein oder raus fahren will. Zudem seien dieser und der Platz „West 2“ baurechtlich nicht als Parkplätze festgeschrieben, würden daher nicht der Parkgebührenordnung unterliegen, weil „privatrechtlich zu betrachten“ – daher könnten dort E-Fahrzeuge auch nicht kostenlos parken. Für „West 1“ wiederum sei keine Höchstparkdauer vorgegeben – damit E-Autos nicht unbeschränkt dort parken, wurde laut Stadtverwaltung für diese Fahrzeuge hier keine Gebührenbefreiung festgesetzt.

Überhaupt ist Parken an den Herrenhäuser Gärten auch deutlich teurer als in den anderen Zonen – wenn man tatsächlich nur eine Stunde und nicht vier Stunden parken möchte. Und es wird noch teurer: Je angefangene vier Stunden sind statt drei Euro (entspricht 0,75 Euro je Stunde bei Ausnutzung der Zeitvorgabe) künftig fünf Euro fällig (entspricht 1,25 Euro je Stunde) - eine Erhöhung um rund 67 Prozent.  

Parken in Hannover

Die Parkgebühren in der Stadt Hannover (535.000 Einwohner) sind künftig so: In der Parkzone 1 steigt der Stundenpreis von 1,8 Euro auf 2,6 Euro (80 Cent mehr, Erhöhung um 44 Prozent), in Zone 2 von 1,3 auf 2,0 Euro (70 Cent, knapp 54 Prozent) und in Parkzone 3 von 0,5 auf 1,0 Euro (50 Cent, 100 Prozent).

Innerhalb des „Cityrings“ in Hannover gab es zuletzt um die 5300 öffentliche Stellplätze, meist gebührenpflichtig. Weitere 8500 Parkplätze gibt es nach Angaben aus dem Rathaus in Parkhäusern. Durch eigene Parkraumbewirtschaftung hat die Stadtkasse vergangenes Jahr etwa 7,5 Millionen Euro eingenommen (2017: 7,18 Millionen Euro). Wie sich das mit neuen Parkgebühren entwickeln wird, sei unklar – da der Umstellungszeitpunkt noch nicht genau bekannt sei und man auch nicht wisse, „ob sich das Parkverhalten in irgendeiner Weise ändert“. Aus der Ratsmehrheit war allerdings anlässlich der Haushaltsdebatte zu hören, dass man sich Mehreinnahmen von etwa drei Millionen Euro pro Jahr erwarte.

Parkgebühren im Vergleich Hannover Hamburg Bremen Braunschweig Stuttgart Januar 2018 Quelle: Ralph Hübner Sigrun Fleischhauer

  

Parken in Stuttgart

Mitten drin in Stuttgart (633.000 Einwohner) sind in der Zone „City“ mindestens 90 Cent fällig – für zehn Minuten. Die volle Stunde kostet aber „nur“ 4,0 Euro (nicht 5,40 nach dem Motto 6 mal 10 Minuten á 60 Cent). In der anschließenden Zone sind mindestens 10 Cent fällig, für sieben Minuten. Die Stunde (genauer: 59 Minuten) kostet 90 Cent. Im Rest der Stadt gibt’s 30 Minuten gratis – dank „Brötchentaste“; Die Stunde kostet dort 80 Cent. Die Landeshauptstadt Baden-Württembergs bewirtschaftet etwa 39 000 Parkplätze. Die Gebühren wurden laut der Stadtverwaltung zuletzt zum 1. Januar 2018 erhöht, die Einnahmen im vergangenen Jahr beliefen sich auf etwa 11,9 Millionen Euro. Für dieses und die kommenden Jahre wird da noch mehr erwartet, weil das Parkraummanagement auf weitere Gebiete ausgedehnt worden sei.

Parken in Braunschweig

In Braunschweig (248.000 Einwohner)werden in den Zonen I (innerhalb des „Cityrings“) und II (Hauptbahnhof) für 30 Minuten parken 90 Cent, für eine Stunde 1,8 Euro fällig. Diese Preise gelten seit Januar 2018, bis dahin gab es laut Stadtverwaltung „Randbereiche“, wo nur 60 Cent je halbe Stunde verlangt wurden. Außerdem seien die Preise höher als die der meisten Parkgaragen. In der Parkgebührenzone III („Stadthallenquartier“) sind es jetzt entsprechend noch 50 Cent und 1,0 Euro. Für Elektrofahrzeuge gibt es speziell ausgewiesene Parkplätz, zudem dürfen sie überall auf den sonstigen Stellplätzen bis zu drei Stunden kostenlos parken. Von insgesamt etwa 8000 Parkplätzen seien gut 5500 in Parkhäusern/Tiefgaragen – demnach also etwa 2500 unter freiem Himmel. Braunschweig nahm vor der Preiserhöhung rund 2,75 Millionen Euro an Parkgebühren ein, im vergangenen Jahr seien es etwa 3,1 Millionen Euro gewesen. Die Gebühren sind nun dynamisch, hängen von der Entwicklung des Verbraucherpreisindexes ab (allgemeine Preisentwicklung, Inflationsrate), werden jeweils dann erhöht, wenn dem Index nach inzwischen mindestens zehn Cent mehr für 30 Minuten fällig wären. Eine „Brötchentaste“ gibt es nicht.  

Parken in Bremen

In Bremen (568.000 Einwohner) wurden die Parkgebühren zuletzt vor zwölf Jahren geändert – der Plan war laut Senatsverwaltung, dass sie im Jahr 2018 neu festgesetzt werden sollten. Doch es kam zu keiner Einigung, nun liege die Angelegenheit „auf Eis“. Die letzte verfügbare Zahl, wie hoch die Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung sind, stammt aus dem Jahr 2015 – damals kamen 2,6 Millionen Euro in die Stadtkasse. Wie viele Parkplätze die Hansestadt bewirtschaftet, das sei nicht erfasst. Und Elektrofahrzeuge werden – zumindest derzeit – nicht anders behandelt als die mit Verbrennungsmotor. In Bremen sind mindestens immer 50 Cent fällig; dafür darf im Stadtkern (Zone 1) eine Viertelstunde geparkt werden. Eine Stunde kostet dann zwei Euro. In Zone 2 gibt’s für den Mindesteinwurf 30 Minuten, kostet die Stunde nur noch einen Euro. In Zone drei sind es dann noch 50 Cent je Stunde. Die Maximalparkdauer beträgt „in der Regel“ zwei Stunden. Es gibt auch eine „Brötchentaste“, die 15 Minuten kostenloses parken gestattet – allerdings nicht überall.

Parken in Hamburg

Die große Hansestadt Hamburg (1,8 Millionen Einwohner) verlangt Im Stadtkern in Zone I für zehn Minuten parken 50 Cent (Mindestpreis) – entsprechend drei Euro für eine Stunde. In den Zonen II und III sind je mindestens 20 Cent fällig – dafür gibt es sechs und zwölf Minuten. Laut Senatsverwaltung gibt es in Hamburg rund 18 000 derart „bewirtschaftete“ Parkplätze die im Jahr 2017 rund 18,8 Millionen Euro in die Kasse spülten.

Eine „Brötchentaste wurde vor einigen Jahren „getestet“. Fazit der Verwaltung: Es sei zu viel Missbrauch betrieben worden und es habe „keine verkehrliche Wirkung“ gegeben, daher wurde letztlich darauf verzichtet. Elektrofahrzeuge hingegen dürfen überall kostenlos parken.

Von Ralph Hübner