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Meine Stadt Vergewaltigung in der Ehe
Hannover Meine Stadt Vergewaltigung in der Ehe
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00:21 25.03.2018
Vor dem Urteil: Anwalt Harald Schremmer spricht mit seinem Mandanten.
Vor dem Urteil: Anwalt Harald Schremmer spricht mit seinem Mandanten.  Quelle: Thomas Nagel
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Hannover

Ehe vor Gericht: Wladimir V. (41) muss für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Im Landgericht wurde er am Donnerstag wegen Vergewaltigung in drei Fällen und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. „Für Ihre Frau war die Ehe ein Martyrium. Sie haben sie wie eine Sklavin behandelt“, so Richterin Renata Bürgel. Vom ersten Tag an habe es in der Beziehung Gewalt gegeben. Zwischen 2014 und 2017 fand sich das Opfer neun Mal in der Notaufnahme eines hannoverschen Krankenhauses wieder. „Dieser Fall wird allen Beteiligten nachhaltig im Gedächtnis bleiben“, sagte die Richterin. Sie meinte damit die Bilder, die verprügelte Frau zeigen. Sie zog Rippenprellungen, Brüche und schwere Hämatome davon.

Doch am schwersten wogen die Vergewaltigungen im Sommer 2017. Das Opfer sagte stundenlang aus. „Das Gericht hat überhaupt keinen Zweifel an ihrer Aussage“, so Richterin Bürgel. Die Zeugin habe keinerlei Belastungstendenzen in ihrer Vernehmung gezeigt.

Der Ehemann war die meiste Zeit der Beziehung arbeitslos

Das Paar aus Kasachstan heiratete 2001. Ein Jahr später lebten sie in Deutschland zusammen. Wladimir V. war die meiste Zeit arbeitslos. Er trank viel Bier und veranstaltete mit Freunden wahre Zechgelage. Daran änderte auch die Geburt des Kindes 2006 nichts.

2016 trennte sich die Frau. Dennoch besuchte sie ihren Peiniger täglich in seinem Schrebergarten. Der Sohn lebte bei ihm. „Sie haben das Kind so instrumentalisiert, dass die Mutter keine normale Beziehung aufbauen konnte“, erklärte die Vorsitzende Richterin. Die Dritte Große Strafkammer folgte im Urteil dem Plädoyer der Staatsanwältin.

Wladimir V. hat die Taten geleugnet. Nur einmal habe er seine Frau geschlagen. Ihre Verletzungen stammten von Radunfällen. Das fehlende Geständnis wirkte sich strafverschärfend aus. Denn so bliebt dem Opfer die quälende Aussage nicht erspart.

Der Grund für die Anzeige: Eine anstehende Vater-Sohn-Reise

Für Anwalt Harald Schremmer handelte es sich um eine sehr „spezielle Form der Beziehung“. Er sprach von Dominanz und Unterwerfung. Für ihn war die Aussage der Ehefrau wenig detailreich und voller Erinnerungslücken. Die Frau hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt. Das eigentliche Motiv für die Anzeige der Frau sei die bevorstehende Reise von Vater und Sohn nach Kasachstan gewesen. „Sie hatte Angst, ihren Sohn zu verlieren“, meinte der Anwalt. Auch die Verletzungen seien nicht dem Angeklagten zuzuordnen. Die Frau leidet unter einer Blutgerinnungsstörung. Die Hämatome sagten nichts über die Intensität der Gewalt aus.

Das Gericht wertete zu Gunsten des Angeklagten, dass er keine Vorstrafen hat. Auch die Enthemmung durch den Alkohol wirkte sich positiv für Wladimir V. aus. Allerdings bezeichnete die Kammer die Sexualdelikte als „besonders erniedrigend“. So zwang Wladimir V. seine Frau am 29. Juli 2017 mit den Worten zum Sex: „Du musst, weil Du meine Frau bist.“ Verbrechen und Irrtum zugleich.

Von Thomas Nagel