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Meine Stadt Verdi-Jugend putzt Pflaster
Hannover Meine Stadt Verdi-Jugend putzt Pflaster
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17:51 23.03.2018
WIEDER SAUBER: Mit Sprühkreide hatte die Verdi-Jugend in der Luisenstraße Streiklogos aufs Pflaster gesprüht – zum Ärger der Händler. Lars Biele (von links), Michael Prill, Olga Kampf und Ramona Heimberg rückten mit Besen, Wasser und Salz an. Vor der Enercity-Zentrale in Linden wird der Regen  die Protestparolen ausmerzen.
WIEDER SAUBER: Mit Sprühkreide hatte die Verdi-Jugend in der Luisenstraße Streiklogos aufs Pflaster gesprüht – zum Ärger der Händler. Lars Biele (von links), Michael Prill, Olga Kampf und Ramona Heimberg rückten mit Besen, Wasser und Salz an. Vor der Enercity-Zentrale in Linden wird der Regen die Protestparolen ausmerzen. Quelle: Fotos: von Ditfurth/Elsner
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Das war eine Lektion für Eltern, Kinder – und die Verdi-Jugend. Kindersprühkreide ist wesentlich resistenter, als die meisten vermuten. Mit Besen, Streusalz und Wasser rückten die jungen Gewerkschafter gestern in der Luisenstraße an, um ihre beim Warnstreik aufs Pflaster gemalten Sprühlogos wieder zu entfernen.

Eigentlich hätten die bunten Protestparolen längst durch Regen und Schnee verschwunden sein müssen. Doch „30 Tage Urlaub“, „Wir sind es wert“ und „100 Euro mehr“ waren noch immer (wenn auch verschwommen) zu lesen. Veit Pagel, Chef des Grand Hotel Mussmann in der Luisenstraße, schrieb im Namen der Luisenstraßen-Händler eine E-Mail an Verdi-Chef Frank Bsirske mit der Aufforderung, die Schmierereien bis Freitag, 23. März, zu entfernen. Ansonsten werde man die Beseitigung selbst veranlassen und die Kosten Bsirske in Rechnung stellen.

„Wir hätten das nicht beseitigen müssen, weil es wirklich Kindersprühkreide ist“, stellt Olga Kempf klar. Zu ähnlichen Fällen gebe es längst Gerichtsurteile. Die Verdi-Jugend wolle aber „ihren guten Willen zeigen“ und außerdem die Passanten über den Sinn des Arbeitskampfes aufklären.

Was auch geschehen ist. Die Auszubildenden und jungen Beschäftigten fordern in der aktuell laufenden Tarifrunde öffentlicher Dienst sechs Prozent, mindestens aber 200 Euro, 100 Euro mehr für Azubis, eine unbefristete Übernahme, die Tarifierung von bisher nicht geregelten Ausbildungs- und Praktikumsverhältnissen sowie denselben Urlaubsanspruch wie andere Kollegen im Betrieb. Die meisten haben bislang einen Urlaubstag weniger.

Protestlogos hatte es auch vor der Enercity-Zentrale in Linden gegeben. Dort sind sie noch immer zu sehen. Anders als behauptet, sei dort keine Wand besprüht worden, stellt Kampf klar. Die Enercity-Geschäftsführung habe offenbar Geduld genug – und warte einfach den nächsten Starkregen ab.

Von Vera König