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Meine Stadt Steintor: Der ewige Kampf gegen die Drogendealer
Hannover Meine Stadt Steintor: Der ewige Kampf gegen die Drogendealer
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20:52 31.07.2019
Festnahme: Die Fahnder setzen einen Algerier fest, nachdem sie kurz zuvor einen Drogenverkauf von ihm beobachtet hatten. Quelle: Wallmüller
Hannover

Es ist früher Nachmittag. Am Marstall (Steintor) spuckt der Springbrunnen Wasser in die Luft. Rund um den Platz herrscht geschäftiges Treiben. Auch Drogendealer haben ihre Position schon eingenommen. Was sie nicht wissen: Die Polizei ist ebenfalls da – und wird ihnen an diesem Tag ununterbrochen im Nacken sitzen. „Schwerpunkt-Kontrolle“ heißt das im Fachjargon. Ziel ist es, Druck auf die Rauschgiftszene zu machen. Denn die hat sich im Steintor ziemlich breit gemacht.

Am Marstall beobachten die Fahnder „Händlerbewegungen“. Wer Drogen verkauft, positioniert sich gern dort. Und Konsumenten wissen, wo sie Lieferanten finden. „Wir haben festgestellt, dass dort mehr gedealt wird, als an anderen Stellen“, sagt Dirk Hallmann, Chef der Polizeistation Raschplatz: „Daran hat auch die Bebauung nichts geändert.“ In der Vergangenheit gab es wegen der Dealerei auch Beschwerden von Anliegern.

Zivilfahnder auf Rädern

Alle Beamten, die an diesem Tag kontrollieren, gehören zu Hallmanns Dienststelle. Sie haben sich in zivil unter die Leute gemischt, sind teils mit Fahrrädern unterwegs.

Unter den Augen der Polizisten hat es einige verdächtige Zusammentreffen gegeben. Händler reden kurz mit potenziellen Käufern. Dann trennen sich die Pärchen wieder. Signale, die eindeutig sind: „Es ist nur eine Frage der Zeit, wann es zum Drogendeal kommt“, sagt Hallmann. Lieferanten seien häufig der Ansicht, dass ihre Festnahme zufällig geschehe. „Das ist aber falsch“, so der Erste Polizeihauptkommissar. Vor dem Erfolg stehen längere, verdeckte Observationen.

Die Polizei hat bei einer Kontrolle im Steintor zwei Dealer und mehrere Konsumenten festgenommen.

An diesem Tag sind im Steintor vornehmlich Marihuana-Händler unterwegs. Hier ist der Drogenmarkt klar aufgeteilt: Das Cannabis verkaufen die Afrikaner, das Koks die Albaner. Unterdessen gerät ein Algerier ins Visier.

Auch der 30-Jährige ist mit einem Rad unterwegs, redet mit einem jungen Mann. Dann gehen beide wieder ihrer Wege. Der verdächtige Nordafrikaner fährt in die Schuhstraße, geht zu einem Blumenkübel, fummelt etwas aus der Erde. Es handelt sich um einen „Bunker“. Das sind Depots, in denen Dealer ihre Drogen verstecken. So haben sie nicht alles dabei, wenn sie erwischt werden.

Der Algerier trifft sich an der Schmiedestraße erneut mit dem Konsumenten. Jetzt tauschen sie Ware und Geld aus, dann entfernen sie sich voneinander. Für den Käufer – ein 22-jähriger Tunesier – endet sein Weg in der Limburgstraße. Derweil fährt der Algerier zurück zum Marstall, schließt sein Rad an, geht in eine Dönerbude. Er ahnt nicht, dass die Polizei ihm auf den Fersen ist.

Zur gleichen Zeit nehmen ein Fahnder und seine Kollegin den 22-Jährigen fest. Er wird durchsucht. Der Polizist findet die Konsumeinheit (ein Gramm) Marihuana, das der Tunesier gekauft hatte. Ihn erwartet ein Verfahren wegen Erwerbs von Betäubungsmitteln.

Ermittler-Team stellt Käufer von Marihuana. Quelle: Mahrholz

Der 30-Jährige schnappt sich wieder sein Rad, fährt vom Marstall erneut in die Schmiedestraße. Nach wenigen Metern wird auch er von einem zweiköpfigen Fahnder-Team gestoppt. In einem Hauseingang durchsucht der Beamte den Algerier, seine Kollegin filzt seine Tasche. Hallmann kommt zu der Festnahme dazu.

Dem Dealer wird erklärt, weshalb er festgesetzt wurde: Er wurde beim Drogenverkauf beobachtet. Seine Festnahme ist optimal gelaufen, mehr Beweissicherung geht nicht. „Wir haben das ganze Paket: Die Ansprache, die Übergabe, das Betäubungsmittel beim Kunden, das Geld beim Händler und den Drogenbunker“, erklärt Hallmann. Alles sei nötig, um bei einer Verurteilung „das höchstmögliche Strafmaß zu erreichen“. Später gibt es Hinweise, dass der 30-Jährige schon mal beim Dealen erwischt wurde.

32,69 Gramm Marihuana sichergestellt

In der Reitwallstraße gehen den Ermittlern ein weiterer Händler (27) sowie drei Kunden ins Netz: eine Frau (36) und zwei Männer (20, 60). Bei dem 27-jährigen Sudanesen findet die Polizei 22,45 Gramm Marihuana. Insgesamt stellen die Fahnder an diesem Tag 32,69 Gramm und 215 Euro sicher.

Zur Wahrheit gehört auch, dass trotz Festnahmen der Rauschgifthandel am Steintor weitergeht. Hallmann: „Es geht aber darum, Kontrolldruck auf die Szene auszuüben. Jeder Dealer muss damit rechnen, dass die Polizei jederzeit da sein kann.“ Frei nach dem Motto: Wer nicht kämpft, hat den Kampf schon verloren, haben die Raschplatz-Fahnder deshalb die nächste „Schwerpunkt-Kontrolle“ schon im Visier.

Von Britta Mahrholz