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Meine Stadt Schuldunfähig: Martinho N. muss in psychiatrische Klinik
Hannover Meine Stadt Schuldunfähig: Martinho N. muss in psychiatrische Klinik
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18:02 29.01.2019
Kann endlich abschließen: Katharina Meyer (35, Name geändert) mit ihrem Rechtsanwalt Matthias Wolf.
Kann endlich abschließen: Katharina Meyer (35, Name geändert) mit ihrem Rechtsanwalt Matthias Wolf. Quelle: Nagel
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Hannover

Martinho N. gilt als Gefahr für die Allgemeinheit. Mehrfach verletzte er im Wahn andere Menschen – zuletzt im April 2018. Seit rund 20 Jahren leidet der 54-Jährige an Schizophrenie. Am Dienstag ordnete Richter Wolfgang Rosenbusch im Landgericht die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Rückblick: Im Frühjahr vergangenen Jahres schlug der Angeklagte mit einem 25 Zentimeter langen Radmutternschlüssel in der Augenklinik des Nordstadtkrankenhauses mindestens fünf Mal auf die Arzthelferin Katharina Meyer (35, Name geändert) ein. Zuvor wurde er zwei mal von anderen Mitarbeitern mangels geringer Bedürftigkeit abgewiesen. Wie durch ein Wunder erlitt das Opfer keine bleibenden Schäden. „Die Frau hätte sterben können“, sagte Rosenbusch.

Dem Opfer war die Anspannung bei der Urteilsverkündung deutlich anzusehen, den Blick in Richtung Anklagebank vermied Meyer. Die Staatsanwaltschaft machte in ihrem Plädoyer deutlich, dass vergleichbare Taten von dem Angeklagten zu erwarten seien. Ihm könne keine positive Prognose gestellt werden. Rosenbusch ordnete – wie auch von der Staatsanwaltschaft gefordert – die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an. Er betont, dass der Angeklagte aufgrund seiner Erkrankung strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden könne und demnach schuldunfähig sei. „Solches Handeln ist Ausdruck ihrer Erkrankung“, sagt Rosenbusch während seiner Urteilsbegründung in Richtung Anklagebank.

Meyer ist nach der Verkündung „hin und her gerissen“: „Das Urteil ist besser, als wenn er zu zwei oder drei Jahren Haft verurteilt worden wäre und dann wieder raus kommt. Ich denke, dass ich jetzt damit abschließen kann, aber vergessen werde ich das nie.“

Jedes Jahr werde nun der gesundheitliche Zustand des Angeklagten überprüft und entschieden, ob er entlassen wird oder nicht. Für Meyer nur ein schwacher Trost.

Von Cecelia Spohn