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Meine Stadt Unfälle: Nicht angepasstes Tempo häufigste Ursache
Hannover Meine Stadt Unfälle: Nicht angepasstes Tempo häufigste Ursache
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00:22 19.03.2018
Tödlicher Unfall: Im Juli 2017 kam auf der Bothfelder Straße in Langenhagen ein Radfahrer umsLeben, nachdem eine Autofahrerin durchs Handy abgelenkt worden und bei Rot über eine Ampel gefahren war. Quelle: Elsner
Hannover

Mehr Verkehrsunfälle, aber weniger Verletzte. Wermutstropfen: Zurückgegangen ist nur die Zahl der Leichtverletzten, während die Polizeidirektion (PD) Hannover 2017 mehr Schwerverletzte und Verkehrstote registrierte. Kommt es zu Unfällen, so waren in erster Linie überhöhtes oder nicht angepasstes Tempo sowie Fehler von Fußgängern im Straßenverkehr die Ursachen, bilanzierte Polizeivizepräsident Jörg Müller die Unfallstatistik für die PD.

Die Gesamtbilanz 2017

Die Zahl stieg um 554 auf 37. 324 – ein Plus um gut 1,5 Prozent. Damit steigt die Zahl der Verkehrsunfälle seit 2008 jedes Jahr kontinuierlich an. Hauptursachen hierfür sieht die Polizei einige.
So habe etwa jedes Jahr die Zahl der Kfz-Zulassungen um fünf Prozent zugenommen. „Im Verhältnis dazu steigen auch die Unfallzahlen“, so Jörg Müller. Dann habe die Zahl der Leasing-Autos zugenommen, Autofirmen verpflichteten ihre Kunden, jeden Bagatellunfall durch die Polizei aufnehmen zu lassen.

Bei den über 37.300 Verkehrsunfällen wurden 6210 Personen verletzt oder getötet – 2016 waren es 6472. In diesem Jahr, so Müller, seien bereits elf Verkehrsteilnehmer tödlich verunglückt. Im gesamten vergangenen Jahr kamen auf den Straßen der Region Hannover bei Unfällen 47 Menschen ums Leben, 2016 waren es 46 gewesen. Während im Umland 26 Personen (2016: 28) und auf den Autobahnen acht Menschen (2016: elf) ums Leben kamen, erhöhte sich die Zahl der getöteten Verkehrsteilnehmer in Hannover mit 13 um fast das Doppelte (2016: sieben).

Die Risikogruppen

Für die Polizei Hannover zählen in erster Linie Kinder, junge Erwachsene und Senioren zu den Risikogruppen im Straßenverkehr, und hier zogen sich 2017 mehr junge Erwachsene und Senioren schwere Verletzungen zu als noch 2016. „Besonders bei den Senioren haben wir festgestellt, dass sie die Gefahren nicht schnell genug einschätzen“, so der Vize-Polizeipräsident.

Vor allem Fehler bei der Vorfahrtsregelung habe man als Ursache ausfindig gemacht. Dazu komme ein verlangsamtes Reaktionsvermögen. Müller appellierte auch an die Selbstkontrolle der Senioren: „Jeder ältere Mensch ist selber gefordert, auf sich zu achten. Er muss sich fragen, ob er trotz möglicher Einnahmen von Medikamenten fit genug ist, am Straßenverkehr teilzunehmen.“

Bei Radunfällen kommt es fast immer zu Verletzungen

Wenn ein Radfahrer in einen Verkehrsunfall verwickelt war, dann fast immer mit Verletzungsfolge: Bei 78 Prozent von ihnen war das der Fall. Insgesamt registrierte die Polizei im vergangenen Jahr  2241 Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern – 1756 von ihnen wurden verletzt. Immerhin: Die meisten Radfahrer – nämlich 1552 – kamen mit leichten Verletzungen bei ihren Unfällen davon. 204 Radler erwischte es jedoch schwer, acht erlitten sogar tödliche Verletzungen.

Ausdrücklich begrüßt die Polizei den Plan der Stadt Hannover, auf den allgemein ansteigenden Radverkehr zu reagieren, indem unter anderem separate Radwege in Form von Fahrradstreifen und rot gekennzeichneten Fahrradspuren geschaffen werden. „Wir werden außerdem durch Kon­trollen sowohl Radfahrer auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen und zugleich bei Autofahrern um Rücksichtnahme bitten“, so Jörg Müller.

Die A2 bleibt die problematische Autobahn

165 Kilometer mit den drei Autobahnen A 2, A 7 und A 352 liegen im Zu­ständigkeitsbereich der Polizeidirektion Hannover. In diesem Abschnitt haben die Be­amten 3301 Unfälle (2016: 3250) aufgenommen, dabei gab es 553 Leicht- (2016: 714) und 59 Schwerverletzte (2016: 62). Darüber hinaus kamen acht Menschen zu Tode – 2016 waren es elf gewesen.

Statistisch liest sich diese Unfallbilanz für die drei Autobahnen besser als 2016. Dennoch bleiben sie nach wie vor Einsatzschwerpunkte, besonders die A2. Dort ist die Zahl der Unfälle um 44 auf 2458 gestiegen. Damit entfielen 74 Prozent aller Unfälle auf diese Straße. Bei mehr als der Hälfte – nämlich 54 Prozent – waren Lastwagen beteiligt, so die Polizei. In 860 Fällen lag die Schuld beim Lkw-Fahrer. Und: Bei den von ihnen verursachten Unfällen erlitten 74 Personen leichte bis tödliche Verletzungen. Insgesamt kamen auf der A 2 vier Menschen ums Leben – neun waren es 2016 gewesen. „Wir betrachten die Entwicklung auf diesen drei Autobahnen trotz der Rückgänge an Verletzten und Getöteten   mit großer Sorge. 2018 hat es bereits sechs tödliche Unfälle dort gegeben“, so Polizei-Vizechef Jörg Müller.

von Andreas Voigt