Umbau: VW Nutzfahrzeuge Hannover rüstet sich für neue Produktionen
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Umbau: VW Nutzfahrzeuge Hannover rüstet sich für neue Produktionen

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09:10 25.08.2021
VW Nutzfahrzeuge in Hannover wappnet sich für die neuen Produktionsanforderungen wie den ID.BUZZ (links) und den Multivan T7: Draußen wird Platz für eine neue Produktionshalle geschaffen, innen ein neuer Montageroboter gecheckt.
VW Nutzfahrzeuge in Hannover wappnet sich für die neuen Produktionsanforderungen wie den ID.BUZZ (links) und den Multivan T7: Draußen wird Platz für eine neue Produktionshalle geschaffen, innen ein neuer Montageroboter gecheckt. Quelle: VWN
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Hannover

Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) hat die Werksferien im Stammwerk Hannover-Stöcken einerseits genutzt, um sich auf die Produktion neuer Fahrzeugtypen vorzubereiten und andererseits an einigen Stellen in die Jahre gekommene Technik und Arbeitsbedingungen auf einen neuen Stand gebracht.

Nach drei Wochen „geplanter Produktionsruhe“ - die nahtlos an eine einwöchige Zwangspause mit Kurzarbeit für rund 5500 der etwa 14.000 Beschäftigten wegen mangelnder elektronischer Bauteile anschloss – ist jetzt die Produktion des Transporters T6.1. wieder angelaufen.

„Ferienbetrieb“ mit 1500 Menschen

Während der Werksferien wurden laut VWN „über 450 einzelne Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen sowie Instandhaltungsarbeiten“ umgesetzt. Um das zu bewerkstelligen, seien gut 900 Beschäftigte sowie rund 600 Mitarbeitende von Fremdfirmen im Werk eingesetzt gewesen. Der Schwerpunkt der Arbeiten habe dabei auf der demnächst (wohl noch im September) startenden Serienproduktion des neuen T7 Multivan gelegen, sagt Lars Peters, Leiter Fahrzeugbau bei VWN in Hannover.

Der aktuelle Transporter VW-Bulli, von VWN T6.1 genannt Quelle: VW

Montage: Noch bessere Bedingungen

Zeitgleich sei die Integration der ID.Buzz-Fertigung vorangetrieben worden, der vollelektrische „Bulli“ soll kommendes Jahr in Serie gehen. Dafür seien in der Montage zwei neue Bandabschnitte aufgebaut worden. „Nicht nur die Technik ist auf dem neusten Stand, wir haben auch die Arbeitsplätze nach neusten ergonomischen Erkenntnissen geplant und aufgebaut“, sagt Peters. So ist es laut VWN nun möglich, dass das Förderband für die Fahrzeuge und das Mitfahrband für die darauf stehenden und am Fahrzeug arbeitenden Menschen unabhängig voneinander gesteuert werden können – das bringe bei manchen Arbeitsschritten eine noch bessere Ergonomie.

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Abriss für neue Halle

Im Zentrum des Werksgeländes, zwischen den zwei großen Produktionshallen, werden derzeit acht kleine Hallen abgerissen, die bisher überwiegend logistischen Zwecken dienten. So schafft VWN sich Platz für eine neue Produktionshalle, wo Teile für die künftige Fertigung der großen, elektrischen Van-Modelle (genannt D-SUV Premium-E-Modelle) in Hannover für andere Konzernmarken produziert werden sollen. Diese SUV-Produktion soll im Jahr 2024 starten, im Gespräch sind etwa Modelle von Porsche, Audi und Bentley.

Modernisierung Werk Stöcken: Abriss alter Logistikhallen für künftige Produktionshalle Elektro-SUV. Quelle: VWN

Tonnenweise Stahlschrott

Für die neuen Bandabschnitte mussten alte Linien weichen - dabei sind laut VWN in der Montage rund 250 Tonnen Stahl demontiert worden. Für die ID.Buzz-Fertigung etwa sei eine Anlage zur Montage der Räder aufgebaut worden, in der Roboter im Zusammenspiel mit Kameras die Räder greifen und am Fahrzeug montieren.

Im Presswerk wird derzeit eine neue Platinenschneideanlage (70 Meter lang, 17 Meter breit) aufgebaut. Sie soll im Herbst in Betrieb gehen. In der Anlage werden aus den gelieferten Stahl-Rollen sogenannte Platinen geschnitten, die im Presswerk in die gewünschter Form gebracht werden.

Mit dem Austausch von großen Trägern von schweren Lackier-Robotern (sogenannten Lafetten) sei nach zweijährigen Arbeiten in den Werksferien ein zentrales Modernisierungsprojekt der Lackiererei – Versiegelung der Karosse vor dem Aufbringen des Lacks – abgeschlossen worden.

Verändert, doch unverkennbar: Die Designskizze zeigte die nächste Generation des VW Multivan, T7, auch Bulli genannt. Quelle: VWN

Verwandte des Multivan

Der bald startende T7 wird nur noch vom Aussehen her ein „Bulli“ sein – es wird ihn aber nicht mehr als Transporter für Handwerker & Co., sondern nur noch in der Familienauto-Variante Multivan geben, mit Verbrenner- und mit Hybridantrieb. Unterm Blech finden sich Komponenten des sogenannten Modularen Querbaukastens (MQB-evo), der für viele VW-Konzernmodelle die Standardkomponenten bietet – das spart Kosten und Gewicht, beschleunigt die Fertigung - und erhöht den Verwandschaftsgrad mit Caddy, Golf, A3, Octavia & Co.

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Keine Nutzfahrzeuge mehr

Mit dem Start des T7 werden dann in Hannover keine „typischen“ Nutzfahrzeuge mehr gefertigt werden. Der T6 und seine leicht aufgefrischte Variante T6.1 (seit 2019) werden wohl als die letzten „echten“ Bullis und Transporter gelten. Von diesem im Jahr 2015 gestarteten Modell sollen bis Jahresende rund eine Million gebaut worden sein.

Weiterhin Kurzarbeit möglich

Bis zum Produktionsende 2024 kommen da womöglich noch etwa 400.000 dazu. Auch wenn die Produktion seit Monaten immer wieder ausgebremst wird, weil elektronische Bauteile fehlen. Die Situation sei hier „immer noch sehr, sehr angespannt“, heißt es auf Anfrage. Da fahre man „auf Sicht“, also quasi von Woche zu Woche – weitere Produktionspausen für den Transporter und Kurzarbeit in Hannover seien „nicht ausgeschlossen“.

Von Ralph Hübner