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Meine Stadt Udo Lindenberg in Hannover: Stärker als die Zeit
Hannover Meine Stadt Udo Lindenberg in Hannover: Stärker als die Zeit
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22:45 25.06.2019
RAUMSCHIFF LINDENBERG: Udo kommt mit der Landekapsel auf die Bühne. Der Sonderzug nach Pankow fährt erst später ab. Quelle: Foto: Wilde
Hannover

Ein neues Programm, dazu die alten, musikalischen Panik-Komplizen – Udo Lindenbergs „größte Revue aller Zeiten“ gastiert in Hannover. Eine ausverkaufte Deutschlandtournee legt der Udo gerade hin, die Tui-Arena ist mit 10 000 Fans ebenfalls ausverkauft.

Zum Auftakt donnern Raketentriebwerke ohrenbetäubend auf der riesigen Videoleinwand. Flammen züngeln, Böller knallen, und Rauch streicht durch die Halle. Ein Jumbojet, die „Panik 1“, landet, und dutzende Udo-Doubles tänzeln aus der Flugzeugtür – sind wir nicht alle irgendwie Udo?

Der Star selbst folgt in einer Raumkapsel – guten Abend, Herr Panikpräsident. Die Hingabe an den Panik-Rocker ist eindrucksvoll, einige Anhänger sind ganz im Udo-Stil gekleidet, mit Hut und Sonnenbrille.

Gurgeln mit Eierlikör

Und auch diese Frage beschäftigt die Zuschauer: Hat die Nachtigall aus Hamburg ihre Stimme zurück? Denn: „Vor ein paar Tagen war ich ein bisschen heiser“, nuschelt Udo. In München fing er sich einen Infekt ein. Doch Gurgeln mit Eierlikör, sein Wundermittel gegen Zipperlein, hilft verlässlich: „Alles wieder gut.“

Und los geht das Spektakel mit „Honky Tonky Show“. Das ist zuweilen mehr Karneval der Kulturen als Konzert. Ein Happening mit Tänzerinnen, Hebebühnen, Laser und Licht, an Seilen schwebenden Artisten und ausgefallenen Bildsequenzen. Dazu spielt natürlich das Panikorchester, mit Udos Jugendfreund Steffi Stephan am Bass, Jean-Jacques Kravetz am Klavier, Bertram Engel am Schlagzeug und Hannes Bauer an der Gitarre.

Udo Lindenberg in Hannover – das sind die Bilder aus der Tui-Arena.

Früher hätte sich vermutlich das Geschehen auf der Bühne wenig von einer Aftershow-Party der „Panik-Family“ unterschieden: Nonnen und Priester sündigen untereinander, Streicherengel fliegen durch die Halle, ein Schlauchboot mit einem Gorilla rudert über die Menge, es gibt Aufblaspuppen und Flamingos. Ein Bildersturm tobt auf der Leinwand, die Konfettikanonen und Nebelfontänen stehen auf Anschlag. Nur Putin und Trump, die sich in einem Boxring auf die Nasen hauen, gab es damals so noch nicht.

Eine Gruppe Tänzerinnen wirbelt, und besonders die beiden Sängerinnen haben viel Platz, Nathalie Dorra bezaubert beim vielleicht ergreifendsten Lied „Das Leben“, die famose Ina Bredehorn ist das „Überfallkommando“ bei „Du knallst in mein Leben“.

„Wir brauchen Panik“

Bewegender ist für viele nur der Kinderchor Kids on Stage, eine Routine bei Udos Tourneen, der bei der Friedenshymne „Wozu sind Kriege da?“ auf der Bühne steht. Gib dem Nachwuchs eine Chance, und der ganzen Welt auch: Udo lobt die „Fridays for Future“-Bewegung – „Greta sagt, wir brauchen Panik.“ Mit Bildern von Plastikmüll in den Ozeanen und einem verdunkelten Himmel macht er sich bei „Ratten“ für den Umweltschutz in seiner „Bunten Republik Deutschland“ stark.

Diesmal gastlos singt Udo das traurige „Cello“ alleine. Und „Walk on the Wild Side“ – den Hit von Lou Reed hat er neu arrangiert. Nebenbei erklärt der „König von Scheißegalien“ das Zölibat für passé und setzt sich für gleichgeschlechtliche Ehen ein. Und lüpft immer wieder mal sein Jackett.

Er ist Kapitän seines Rock-Dampfers, zieht die Schuhe aus und läuft in grünen Socken über die Bühne. Der Klassiker „Hinterm Horizont“ ist Lieblingssong vieler Fans, der „Sonderzug nach Pankow“ eine Zugreise in die 80er Jahre. Uns Udo ist auch mit 73 Jahren ganz offensichtlich immer noch „Stärker als die Zeit“.

Nach gut zwei Stunden wird die legendäre Hamburger Jazz-Kneipe „Onkel Pö“ wiederbelebt, mit Gassenhauern wie „Andrea Doria“, „Candy Jane“ und natürlich die „Reeperbahn“, „die geile Meile“. Das gibt nicht nur einmal stehende Ovationen für viel 70er-Jahre-Coolness und 2019er-Action.

Und am Ende wird Udo wieder nach oben katapultiert, dorthin, wo er hingehört.

Von Kai Schiering

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